Marc Schuller und Erika Cammi vom Verein WCE haben bereits 100 neue Laptops vom Typ OX-1.5 nach Ruanda geliefert. Foto: Ralf Recklies

Vor zehn Jahren wurde der Verein WCE Deutschland auf Initiative von Erika Cammi gegründet.

Stuttgart-Vaihingen - Hunderte Computer sind seit 2002 aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt in alle Welt verschickt worden. Nicht von einem an Profit orientierten Exportunternehmen, sondern von dem in Vaihingen beheimateten Verein WCE Deutschland.

„Ich hatte die Idee, Computer in ärmere Länder zu schicken, nachdem ich von einem Freiwilligenprojekt im IT-Bereich aus Tansania zurückgekommen war“, erinnert sich die Gründungs- und Nochvorsitzende Erika Cammi. Dort hatte sie erkannt, dass Menschen mit einer guten IT-Ausbildung auch die besseren Jobs bekommen und damit eine bessere Zukunft haben. „Und weil in Deutschland viele gute Geräte einfach frühzeitig ausgemustert und weggeworfen werden, wollte ich diese jenen Menschen zur Verfügung stellen, die sich solche Computer nicht leisten können“, sagt Cammi.

Schnell hatte die gebürtige Italienerin einige Freunde für die Idee begeistert und gründete mit diesen den Verein Welt Computer Entwicklung (WCE) Deutschland. Die ersten Rechner gingen 2003 nach Vietnam, im Jahr 2005 verschickte der Verein 200 Computer nach Tansania. Aber auch in Nigeria, Ghana und Kenia, Lettland und Bosnien kamen verschiedene Institutionen in den Genuss von funktionsfähigen Rechnern. „Anfangs haben wir die gespendete Gebrauchtgeräte in einer angemieteten Scheune in mühevoller Arbeit repariert, aufgerüstet und für den sicheren Versand vorbereitet“, erinnert sich der 2003 zu WCE gestoßene Vereinskassier Marc Schuller an die früheren Jahre.

Computer für Aids- und Bürgerkriegswaisen

Die Zeiten, in denen der Verein ausgediente Computer gesammelt und auf Vordermann gebracht hat, sind passé. Zuletzt hat Schuller Ende Oktober 2011 nahe der ruandischen Hauptstadt Kigali 100 nagelneue Laptops vom Typ OX-1.5 an die St. Jacob-Schule übergeben. Diese werden dort seit Anfang dieses Jahres im Unterricht eingesetzt und sollen den Kindern und Jugendlichen – überwiegend Aids- und Bürgerkriegswaisen – helfen, einerseits unter leichteren Bedingungen zu lernen, andererseits aber auch einen Draht zur modernen Computertechnik zu bekommen.

Um der an ein Kinderdorf angeschlossenen Schule die Computer spenden zu können, hat der Verein WCE Deutschland mit anderen Organisationen kooperiert. „Wir selbst haben nur etwa zehn Prozent der 100 Geräte finanziert“, sagt Schuller und verweist auf die große Unterstützung der Vereine One Laptop Per Child (OLPC) Deutschland und Kinder brauchen Frieden Hechingen. Diese hätten 60 beziehungsweise 30 Prozent der Anschaffungskosten getragen.

Bei WCE Deutschland sind indes die Fäden zusammen gelaufen, „und wir haben Netzwerke und die nötige Infrastruktur geschaffen“, sagt Schuller. Das heißt: die unterstützte Schule erhielt nicht nur die Computer, sondern einen eigenen Stromanschluss, damit die Laptops auch täglich geladen werden können. Außerdem finanziere der Verein einen Mitarbeiter, der die Nutzer schult und die Geräte in Schuss hält. Ohne diese Unterstützung würden die Geräte vielleicht schnell in der Ecke landen, mutmaßt Schuller.

Eine Investition in die Zukunft

Bewusst habe man sich für den in China produzierten Laptop OX-1.5 entschieden. Das als 100-Dollar-Computer bekannt gewordene Gerät – „es kostet in Wirklichkeit rund 200 Euro“ – sei wenig anfällig, besitze einen Akku mit guter Laufleistung und ein Display, dass selbst bei extremer Sonneneinstrahlung noch gut zu lesen sei, erklärt Schuller. Das Gerät wurde für die Initiative OLPC entwickelt, „mit der Vision, dass eines Tages jedes Kind auf der Welt einen solchen Laptop hat“, erklärt Schuller. Diesem Plan würde auch WCE gerne zum Erfolg verhelfen.

Auch in Zukunft will der Verein weitere Geräte gleicher Bauart für entsprechende Projekte beschaffen – gleichzeitig aber auch gute Rahmenbedingungen für die Nutzer schaffen. „Denn das ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Erika Cammi. Allerdings sollen die Computer künftig in den Ländern gekauft werden, in denen sie zum Einsatz kommen. So könnten unter anderem Transport- und Einfuhrkosten gespart werden.

Die Mitglieder des Vereins treffen sich regelmäßig am zweiten Donnerstag eines jeden Monats im Forum 3. Dort werden jeweils von 19 Uhr an interne Vereinsangelegenheiten besprochen, von 20 Uhr an findet dann ein offener Stammtisch statt, „an dem jeder Interessierte teilnehmen kann“, sagt Cammi. Mitstreiter für Projekte seien dabei ebenso willkommen wie andere Akteure, die den Verein durch ihr Engagement unterstützen möchten.

WCE Deutschland:

Anschrift: Kirschblütenweg 11, 70569 Stuttgart
Telefon:
07 11/7 82 88 43
Mail: wce@wce-deutschland.de
Homepage: www.wce-deutschland.de
Vorsitzende:
Erika Cammi
Gründungsjahr: 2002
Mitgliederzahl: 20

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