Diese Almhütte mit Herz und Stil kommt in den Schlossgarten. Foto: Almdeluxe/Hans Madej

Das Volksfest ist wegen Corona abgesagt. Aber wer zünftig feiern möchte, findet Alternativen. Auf dem Dach, im Hof oder auf dem Schiff.

Stuttgart - Es tut sich was in Sachen Wasen. Immer mehr Wirte haben sich einen Ersatz ausgedacht, sei es Open Air oder in der Holzhütte. Abstands- und Hygieneregeln würden eingehalten, betonen sie alle. Deshalb muss – wie im Festzelt – ja auch vorab reserviert werden. Die ersten Eröffnungsevents finden bereits Ende nächster Woche statt. Und offenbar ist das Interesse, Dirndl und Lederhose nun also doch auszumotten, groß. Wie sich das Volksfest „light“ anfühlen wird, bleibt abzuwarten.

Denn statt im vollen Festzelt zu schunkeln, ist dieses Jahr bestenfalls ein wehmütiger Blick vom Neckar aus auf das öde Wasengelände drin. Als Ersatz fürs wegen Corona ins Wasser gefallene Volksfest-Vergnügen bietet der Neckar-Käpt’n ein zünftiges Programm auf seinem Partyfloß an, die Fahrt geht von der Anlegestelle Wilhelma aus Richtung Hafen und Esslingen.

Die Anker werden erstmals am 18. September gelichtet, beim „Warm Up“ singt Geri der Klostertaler. Bis zum 11. Oktober wird das schwimmende Bierzelt mit viel frischer Luft (und regensicherem Dach) insgesamt 18 Mal über den Neckar schippern. Die Fahrten starten je nach Termin nachmittags oder abends. Die Nachfrage sei „sensationell“, heißt es beim Neckar-Käpt’n; allerdings ist die Kapazität wegen der Abstandsregeln auf 130 Plätze reduziert. Spontan geht gar nichts: die Vierer- und Sechser-Tische mit dem Wasen-Paket vom Bierfässchen bis zu den gebrannten Mandeln müssen komplett und vorab gebucht werden.

Almhütte für den Schlossgarten

Während die einen gerade dabei sind, ihr Floß zu dekorieren, bauen die anderen eine richtige Holzhütte auf. Die Festwirtin Sonja Merz hat ein ordentliches Exemplar gemietet: Ihre „Almhütte mit Herz“ wird samt Mini -Wasen auf dem Gelände ihres Biergartens im Schlossgarten stehen. Am 18. findet ein kleines Pre-Opening statt; der offizielle Fassanstich ist dann am 26. September mit dem Alm-Klausi. „Wir wollen den Menschen wieder ein bisschen Glück bringen“, sagt Sonja Merz, die bereits „ganz liebe Anfragen“ für die Hütte hat. Sie kann komplett oder tischweise gebucht werden; die Speisen kommen aus der Biergarten-Küche. Neben dem obligatorischen Vesperbrett soll es auch Feineres wie Dorade geben. Tracht ist erwünscht, „aber auch ohne sind uns die Gäste herzlich willkommen“, sagt die Wirtin.

Gut wer in diesen Zeiten zwei Altholzhütten im Bestand hat. Festwirt Michael Wilhelmer baut gleich drei Mini-Versionen seiner Schwabenwelt vor seinen Lokalen auf. Vor dem Schlachthof öffnet am 25. September die rustikale Volksfesthütte. Beim Stäffele ist ab diesem Tag die bestehende Weindorflaube im Hof auf Wasen umdekoriert. Und am 2. Oktober geht vor dem Amici die edlere Equipe-Box an den Start, erst mit einer kleineren Version der Veranstaltung Wasenpirsch und dann mit Weißwurstfrühstück. Schließlich, meint Wilhelmer, habe jedes Lokal seine eigene Fangemeinde.

Fassanstich auf dem Parkhausdach

Viele Fans hat bereits jetzt das Sky Beach and Oktoberfest; Gastgeber Lothar Müller ist als erster mit seiner Veranstaltung in die Werbung gegangen. Bereits Stand jetzt seien die drei Samstage ausgebucht, sagt er, die Freitage würden bald folgen – und das bei stolzen 400 Plätzen. Auf dem Dach des Kaufhof-Parkhauses geht die Wiesn-Saison am 19. mit einem besonderen Fassanstich los. Müller ist stolz darauf, dass er eines der 50 Fässer Oktoberfestbier ergattert hat, die die Münchener Brauerei Spaten an ihre bayrischen Gaststätten liefert. „Am Donnerstag wird das Bier gebraut, am Freitag kommt es bei uns an – wir sind die einzigen außerhalb Bayerns.“

Ob Wasen oder Wiesn: Dirndl und Lederhosen sind gern gesehen. Außerdem gilt für alle Alternativen zum Festzelt, dass Tanzen und Singen aufgrund der Corona-Regeln nicht erlaubt sind. Der Neckar-Käpt’n hat dennoch Livebands wie etwa Mimmo and Friends engagiert, die auch schon auf dem Cannstatter Wasen gespielt haben. Alle anderen setzen auf DJs. Michael Wilhelmer hat seinen vom Heimstudio aus in die Hütte zugeschaltet. Außerdem will er Wasen-Videos zeigen. Liveauftritte sieht er skeptisch: „Bei lauter Musik werden die Menschen enthemmter.“

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