Lange Schlangen an den Infoständen am Stuttgarter Hauptbahnhof Foto: 7aktuell/Max Kurrer

Der Warnstreik der Bahn hatte auch große Auswirkungen auf die Region Stuttgart. Mittlerweile fahren auch die S-Bahnen fast wieder planmäßig. Doch noch läuft nicht alles rund.

Stuttgart - Vier Stunden nach Ende des Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft stabilisiert sich der Zugverkehr nach Angaben der Deutschen Bahn. Beim Fernverkehr komme es aber weiterhin zu Verspätungen und auch zu einzelnen Zugausfällen, teilte der Konzern am Montagmittag mit. Auch bei der S-Bahn Stuttgart verkehren seit dem späten Vormittag die S-Bahnen wieder normal. Allerdings gibt es in Einzelfällen noch Verspätungen und auch Zugausfälle, sagte ein Sprecher der Bahn.

Überlastete Server

Eigentlich sollten die S-Bahnen am Montag erstmals im Viertelstundentakt bis 10 Uhr fahren. Doch aus der Verlängerung um eine Stunde nach dem am Sonntag erfolgten Fahrplanwechsel ist am Montag nichts geworden: der Streik stoppte viele S-Bahnen. Und der Ärger der Pendler war groß. Unmutsäußerungen gab es gegenüber der Bahn, aber auch an die Adresse der Gewerkschaft EVG. Viele Kunden beklagten, dass sie über die Auswirkungen zu spät oder gar nicht informiert worden seien. Dazu sagte ein Bahnsprecher, dass „sich die Auswirkungen auf die S-Bahn Stuttgart erst nach Beginn der Streikmaßnahme gezeigt haben“. Die Fahrgastinformation sei deshalb mit Einschränkungen verbunden gewesen, „weil sich auch Mitarbeiter im Service und Bediener der elektronischen Fahrplanmedien am Streik beteiligt haben“.

Verschärft wurde die Lage für Kunden dadurch, dass die Apps von SSB und VVS in den Morgenstunden nicht funktionierten. Der Server sei überlastet gewesen, sagte eine SSB-Sprecherin. Beim VVS wollte man nur von einer „teilweisen Überlastung“ sprechen. So seien pro Minute 10 000 statt 4000 Aufrufe eingegangen. Das System habe sich aber stabilisiert, nachdem man die Online-Auskunft von vier auf zwei Fahrten reduziert habe.

Nur 20 S-Bahnen im Einsatz

Und so war die Lage: Die Bahnen der Linien S 3 (Backnang – Flughafen/Messe), S 4 (Backnang – Schwabstraße) und S 5 (Bietigheim-Bissingen – Schwabstraße) verkehrten im morgendlichen Berufsverkehr gar nicht, alle 30 Minuten fuhren die S 2 von Filderstadt bis Bad Cannstatt und die S 1 von Herrenberg bis Bad Cannstatt. Nachdem die Stellwerke in Kirchheim/Teck und Esslingen nicht vom Streik betroffen waren, verkehrte die S 1 auch relativ bald zwischen den beiden Städten.

Von 9 Uhr an wurde der S-Bahnverkehr auf allen Strecken wieder aufgenommen, doch es kam auch in den Stunden danach weiter zu zum Teil drastischen Verspätungen und Ausfällen. Auch auf der Schusterbahn (Kornwestheim – Untertürkheim) war der Betrieb am Vormittag eingestellt. Man habe versucht, die S-Bahnen in einen 30-Minuten-Takt einzufädeln, sagte ein Bahnspreccher. Normalerweise sind im morgendlichen Berufsverkehr 53 S-Bahnen zeitgleich unterwegs, am Montag waren es rund 20. Nach Angaben des Internetportals S-Bahn-Chaos waren im morgendlichen Berufsverkehr statt mehr als 50 nur 20 S-Bahnen im Einsatz.

Nicht nur für Pendler, welche die Bahn nutzen, hatte der Streik am Montagmorgen Auswirkungen. Auch die Autofahrer kamen zum Teil nicht voran. In Stuttgart betraf das vor allem die klassischen Einfallstrecken in die Stadt. „Erstaunlicherweise war dieses Mal in erster Linie der Norden betroffen“, sagte ein Sprecher der Polizei. Und: „Wir sehen da schon einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Bahnstreik.“

Staus im Berufsverkehr

Die Autos hätten sich im einsetzenden Berufsverkehr zwischen 6 und 7 Uhr „deutlich früher als an einem normalen Montagmorgen“ gestaut. „Da hat es auf der Bundesstraße 10 und 27 aus Richtung Norden angefangen“, so der Polizeisprecher. Aus den anderen Himmelsrichtungen sei es nicht so schlimm gewesen, aber in den meisten Fällen auch ein Unterschied. Die Pendler aus Richtung Süden hätten Staus „wie jeden Tag“ zu verkraften gehabt. So habe es auch für all jene ausgesehen, die aus dem Rems-Murr-Kreis nach Stuttgart wollten. Aus Richtung Esslingen habe der Bahnstreik für den Autoverkehr „keine besonderen Auswirkungen“ gehabt. Dennoch habe sich der Stau zwischen Gaisburger Brücke und dem Schwanenplatztunnel ungewöhnlich lang gehalten. Die meisten Staus und Verkehrsstockungen lösten sich am Montag deutlich später auf als sonst. Gegen 10 Uhr sagte der Polizeisprecher, dass sich zu dieser Uhrzeit die Lage normalerweise beruhigt haben müsste – aber erst gegen Mittag kamen die Autofahrer wieder besser durch.

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