Mathematik-Unterricht in einer Ganztagsschule. Foto: dpa

Der baden-württembergische Städtetag mahnt die Vereinfachung der Organisation und der Finanzierung von gesetzlichen Ganztagsschulen an. Das Kultusministerium will nun Servicestellen testen.

Stuttgart - Die Nachfrage nach verbindlichen Ganztagsschulen verläuft in Baden-Württemberg bestenfalls zurückhaltend. In der aktuellen Genehmigungsrunde des Kultusministeriums hatte sich nur eine von 31 Grundschulen für den verpflichtenden Ganztagsbetrieb für alle entschieden. Das gibt nun dem Städtetag zu denken, der die großen kommunalen Schulträger vertritt.

Norbert Brugger, Bildungsdezernent des Städtetags Baden-Württemberg, macht für die schwache Resonanz zwei Gründe aus: Die Eltern wollen lieber flexible Betreuung statt verbindlicher Ganztagsschulangebote und – so schreibt Brugger an die Mitgliedsstädte im Städtetag – „die Umsetzung der gesetzlichen Ganztagsschule ist zu aufwendig und kompliziert“. Schulleiter könnten das „ohne massive Hilfe der Kommunen“ gar nicht leisten. Brugger fordert nun die Vereinfachung der Organisation von Ganztagsschulen. Die Finanzflüsse sollten vereinheitlicht werden. Statt verschiedener Töpfe für die Mittagsaufsicht, für Jugendbegleiter und für die Umwandlung von Lehrerwochenstunden in Geld regt er ein Budget für die Schulen an, das alle Landesfördermittel beinhaltet. Außerdem sollte das Management professionalisiert werden. Städte könnten Servicestellen einrichten, die alle Ganztagsschulen gemeinsam verwalten.

Probelauf für Servicestellen

Das Kultusministerium will im nächsten Schuljahr mit sechs Kommunen solche Service- und Koordinierungsstellen erproben. Mit dabei seien Crailsheim, Michelfeld (beide Landkreis Schwäbisch Hall), Freiburg, Fellbach, Bruchsal und der Gemeindeverwaltungsverband Langenau (Alb-Donau-Kreis), sagte eine Sprecherin von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Dabei soll eine Pro-Kopf-Förderung getestet werden. Mit einer pauschalen Kalkulation könnten die jährlichen Anträge und Abrechnungen für mehr als 20 000 Betreuungsgruppen entfallen, meint Norbert Brugger. Der Probelauf zur Professionalisierung des Managements soll von der Verwaltungshochschule Kehl wissenschaftlich begleitet werden.

Das Kultusministerium betont, dass die Servicestellen ein Ergebnis der beiden Ganztagsgipfel des Ministeriums seien. Dabei seien von Teilnehmern Vereinfachungen in der Finanzierung und der Zusammenarbeit angemahnt worden. Länder wie Bayern und Hessen hätten mit ähnlichen Konzepten positive Erfahrungen gemacht. „Der Verwaltungsaufwand an Ganztagsschulen ist hoch. Durch die Bündelung von Verwaltungsaufgaben an einer zentralen Stelle wollen wir die Schulen spürbar entlasten und bei rechtlichen Fragen beraten“, sagte Kultusministerin Eisenmann unserer Zeitung. „In einem Pilotprojekt werden wir deshalb erproben, wie die Koordinierung des Ganztags in der Praxis gemeinsam mit den Kommunen verbessert und Schulen stärker unterstützt werden können.“ Der Städtetag erhofft sich zudem, dass auch die Kosten der Servicestellen ermittelt werden. Dies könne eine Basis für Verhandlungen zwischen Kommunen und Land zur weiteren Finanzierung der Ganztagsschulen werden, erklärt Brugger.

Eisenmann will Schulen entlasten

Ferner fordert der Städtetag, die Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Partnern wie Musikschulen oder Sportvereinen zu erleichtern. Wenn das Management und die Kooperationen vereinfacht würden, dann werde der Ausbau von Ganztagsschulen erleichtert, meint der Städtetagsdezernent. Nach der Verständigung auf die große Koalition im Bund erwartet Brugger, „dass Bundesmittel hierfür ins Land fließen“. Die Erleichterung sei durchaus notwendig. Brugger macht bereits in einzelnen Orten in Baden-Württemberg Initiativen aus, bestehende gesetzliche Ganztagsschulen wieder in Halbtagsschulen mit Betreuung zu verwandeln.

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