Mithilfe eines Taschenmessers deckt Rainer Eisenmann (oben) auf, welche Zerstörung der Borkenkäfer in seinem Versteck unter der Rinde verursacht. Foto: Gottfried Stoppel

Der Borkenkäfer wütet im Wald des Welzheimers Rainer Eisenmann. Der sieht die Zukunft nicht nur deshalb im Mischwald.

Welzheim - Um die 100 Jahre hat die Fichte hier, in einem Waldstück bei Welzheim-Vorderhundsberg, gestanden und ist zu einem stattlichen Baum herangewachsen. Nun liegt sie der Länge nach am Boden. Rainer Eisenmann zückt sein Taschenmesser, klappt die Klinge aus, hebelt ein Stück Rinde vom dicken Stamm und dreht es um. Auf der Unterseite ist ein bizarres Muster zu sehen, das sich als ein System von kleinen und größeren Gängen entpuppt. Der Waldbesitzer zeigt auf einige weiße, wenige Millimeter große Larven, die darin sitzen – und auf ein kleines, bernsteinfarbenes Insekt: Borkenkäferalarm!

Ein gefundenes Fressen für Schädlinge

Der lange, heiße, trockene Sommer war ein gefundenes Fressen für den Schädling, der wegen seiner an die Zeilen eines Buchs erinnernden Fresspuren auch Buchdrucker genannt wird. Er zerstört dabei die Lebensadern des Baumes, unterbricht die Nährstoffzufuhr und bewirkt, dass er abstirbt. „Wir hatten in den vergangenen Monaten weniger als die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags“, sagt Rainer Eisenmann. Schlecht für die Bäume, gut für den Borkenkäfer. Denn er stürzt sich auf geschwächte Fichten – und davon gibt es wegen des Wassermangels derzeit mehr, als jedem Waldbesitzer lieb ist. „Die Bäume sind auf solch eine große Hitze über so eine lange Zeit nicht eingestellt“, sagt der 57-jährige Waldbesitzer, der Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Welzheimer Wald ist. Der wirtschaftliche Verein will die Bewirtschaftung im Kleinprivatwald fördern und unterstützen. Mitglieder sind 414 Kleinprivatwaldbesitzer mit 2712 Hektar Wald sowie die Gemeinden Alfdorf, Kaisersbach und Welzheim mit 440 Hektar.

Gerade Bäume, die in sandigem Boden wachsen oder kaum tiefreichende Wurzeln besitzen, haben unter der extremen Trockenheit gelitten. Schädlingen wie dem gefräßigen Borkenkäfer hatten sie daher nicht viel entgegenzusetzen. Und obendrein, berichtet Eisenmann, habe der wegen des für ihn optimalen Wetters nicht wie sonst rund acht Wochen benötigt, um sich vom Ei zum geschlechtsreifen Insekt zu entwickeln, sondern gerade einmal vier. Er hat sich also massenhaft vermehrt.

Im Mischwald sieht es um einiges besser aus

Nun gelte es, die befallenen Bäume möglichst rasch aus dem Wald zu schaffen, sagt Rainer Eisenmann, der selbst 12,5 Hektar davon besitzt. Während der Fichtenbestand arg gelitten habe, sehe es im Mischwald um einiges besser aus, erzählt der 57-Jährige. Auf längere Sicht wäre es daher sinnvoll, bei Neuanpflanzungen auf Mischwald zu setzen und dessen Bestand so zu steuern, dass für alle Bäume genügend Wasser und Licht verfügbar sei. So erhalte man gesunde Bäume, die sich gegen Schädlinge besser wehren könnten.

Den Vorschlag, verstärkt andere, „klimatolerante“ Baumarten wie Douglasien zu pflanzen, sieht Rainer Eisenmann eher skeptisch. „Die Douglasie ist an sich kein heimischer Baum“, argumentiert er und fügt hinzu, die Baumart allein sei auch gar nicht ausschlaggebend. Eine Waldkiefer zum Beispiel sei zwar grundsätzlich hart im nehmen. Doch wenn sie von Jugend an auf einem eher feuchten Standort wachse, dann setze ihr ein plötzlicher Wassermangel genau so sehr wie anderen Baumarten zu. „Sie passt sich zwar im Lauf der Zeit an, aber das geht nicht so schnell.“

Die Fichte ist der Brotbaum der Waldbesitzer

Außerdem wachse die Kiefer langsam, was sie für die Waldwirtschaft nicht so geeignet mache. „Die Fichte ist unser Brotbaum, sie lässt sich gut verarbeiten“, sagt Rainer Eisenmann. Allerdings wird von den acht bis zehn Festmetern Holz, die man im Schnitt aus einem Hektar Wald ernten kann, bei der nächsten Ernte nur ein kleiner Teil als beste Qualitätsware klassifiziert werden. Das vom Borkenkäfer befallene Holz sei zwar so stabil wie gesundes, sagt Eisenmann, aber die vom Käfer übertragenen Pilzsporen verfärben das Holz teils bläulich. Das drückt die Preise ebenso wie die große Menge an Holz, die nun wegen der Käferplage auf den Markt kommt. „In diesem Frühjahr hat ein Festmeter Nadelstammholz rund 95 Euro gebracht, derzeit sind es nur noch 50 Euro“, sagt Eisenmann. Er wünscht sich vor allem eines für den Wald: „Niederschläge, die die Grundwasservorräte wieder auffüllen.“

Der Wald im Rems-Murr-Kreis

Flächen
Ungefähr 40 Prozent der Gesamtfläche des Rems-Murr-Kreises ist mit Wald bewachsen, was in etwa einer Fläche von 35 000 Hektar entspricht. Davon sind nach den Angaben des Landratsamtes 15 600 Hektar Staatswald und rund 7200 Hektar kommunaler Wald. Weitere 11 500 Hektar Wald befinden sich im Besitz von Privatleuten.

Baumarten
Das Verhältnis von Nadel- und Laubbäumen ist im Rems-Murr-Kreis nahezu gleich. Rund 53 Prozent der Fläche sind mit Nadelbäumen bedeckt, wobei die Fichte mit gut 30 Prozent am stärksten vertreten ist. Es folgen die Weißtanne (neun Prozent) und die Waldkiefer (sieben Prozent). Bei den Laubbäumen, die 47 Prozent ausmachen, steht die Rotbuche mit 30 Prozent an erster Stelle, die Eiche mit sieben Prozent auf Platz zwei.

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