Das Alte Rathaus in Waiblingen muss wohl noch eine Weile auf seine Sanierung warten. Foto: Gottfried Stoppel

Seit einem Wasserrohrbruch vor zwei Jahren ist das markante historische Gebäude in Waiblingen still gelegt und kann nicht genutzt werden. Ein Vorstoß der Verwaltung zu ersten Schritten der Sanierung ist nun gescheitert, weil einige Räte Steuerausfälle fürchten.

Waiblingen - Das Aushängeschild der Stadt Waiblingen muss weiter auf seine Sanierung warten: Mit knapper Mehrheit hat der Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt beschlossen, vorerst kein Geld dafür bereit zu stellen, dass ein Architekturbüro Planungen für die Renovierung des Alten Rathauses in Angriff nehmen kann. Das hatte die Verwaltung vorgeschlagen und dafür eine Summe von rund 200 000 Euro veranschlagt.

Die CDU-Fraktion hat jedoch beantragt, Aktivitäten bezüglich des denkmalgeschützten Hauses auf den Zeitpunkt zu verschieben, zu dem klar ist, mit welchen Steuereinnahmen die Kommune rechnen kann – auch im Hinblick auf die Auswirkungen des Coronavirus’. Das bedeutet, dass vor dem späten Herbst, wenn die Haushaltsberatungen laufen, in Sachen Altes Rathaus nichts vorwärts geht.

Gebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert

Das Fachwerkgebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert steht direkt am Marktplatz und gehört mit seinen offenen Arkaden zu den bekanntesten, die Stadtkulisse prägenden Gebäuden in Waiblingen. Im Frühjahr 2018 war es im Haus zu einem Wasserrohrbruch gekommen, der dazu führte, dass das Nass aus dem Obergeschoss durch die Decke drang – der Platz unter den Arkaden wurde zur Dusche.

Seitdem ist das Haus stillgelegt – die ursprünglichen Hoffnungen, das Gebäude vor Beginn der Remstal-Gartenschau 2019 wieder eröffnen zu können, hatten sich nach einer näheren Begutachtung der Gebäudesubstanz nicht erfüllt. Derzeit geht die Stadt davon aus, dass sie rund 2,4 Millionen Euro in den Umbau und die Sanierung des Gebäudes stecken muss, weitere mindestens 300 000 Euro kommen laut Michael Gunser, dem Leiter des Hochbauamts, für Dach und Fassade hinzu: „Was es an Brandschutzmaßnahmen braucht und wie viel das kostet, ist noch offen.“

Stadt will Gastrobetrieb ins Haus holen

Eine Stange Geld, „aber das Gebäude ist es wert“, befand Roland Wied (SPD) im parallel zum Planungsausschuss tagenden Wirtschafts- und Kulturausschuss. Voraussetzung sei, dass sich für das Haus ein gastronomischer Betreiber finde. Das fand breite Zustimmung – nur Monika Winkler vertrat im Namen der Fraktionsgemeinschaft Alternative Liste, Bündnis 90/Die Grünen und Tierschutzpartei (AGTiF) die Ansicht, die Räume sollten nicht als Lokal sondern anderweitig genutzt werden.

Anders sieht das der Oberbürgermeister Andreas Hesky, nach dessen Vorstellungen im Alten Rathaus künftig regionale Küche serviert werden soll. „Das entspricht den Rückmeldungen aus der Bürgerschaft“, sagte Hesky und der Wirtschaftsförderer Marc Funk versicherte: „Es gibt nach wie vor Interessenten, die dort gastronomisch tätig werden wollen.“

Denkbar ist entweder, dass die Stadt das Alte Rathaus über ihre Verpachtungsgesellschaft vermietet und die Sanierungskosten komplett übernimmt. Oder es findet sich jemand, der als Investor mit einem Gastronomen einsteigt. Eine finanzielle Beteiligung fand Hermann Schöllkopfs (CDU) Zustimmung. Er betonte, der Betreiber dürfe von der Stadt „nicht alles auf dem goldenen Teller serviert bekommen“. Marc Maier (AfD) brachte ins Gespräch, den Umbau „auf bis zu fünf Jahre“ zu verschieben. In den Augen von Volker Escher (Freie Wähler/Demokratische Freie Bürger) keine gute Idee: „Wir sollten die Sanierung schnell angehen. Sollte die Steuer einbrechen, muss man das Projekt eh verschieben.“

Oberster Grundsatz bei allen Modellen sei, dass das Gebäude in Stadtbesitz bleibe, betonte Andreas Hesky. Denn aus Schaden wird man klug: das Nachbargebäude, in dem der Sternekoch Bernd Bachofer Gäste bewirtet, hatte die Stadt 2011 per Erbpachtvertrag für 30 Jahre an einen Investor vergeben, der im Obergeschoss ein Hotel einrichten wollte, aber wenig später Insolvenz anmeldete. Rund sieben Jahre lag das Projekt auf Eis, erst nach einem längeren Rechtsstreit erhielt die Stadt den Schlüssel fürs Haus zurück.

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