Die Wahl ist geschafft. Foto: Gottfried Stoppel

Besonders fleißig, erfolgreich oder ganz neu – was im Zusammenhang mit dem Superwahlsonntag im Rems-Murr-Kreis besonders aufgefallen ist.

Weissach im Tal hat seine Ankündigung wahr gemacht. Während sich die meisten Kommunen am Sonntag ausschließlich auf die Auszählung von Europa- und Regionalwahl konzentrierten, waren die Wahlhelfer in der knapp 7500-Einwohner-Kommune am Abend bereits komplett fertig. Na, ja – fast: Um 0.06 Uhr war nach der Gemeinderatswahl auch das Ergebnis für den Kreistag bereits in die kommunale Übersicht eingestellt. Klar vorn in beiden Parlamenten: die CDU. Im Ort bedeuten für die Fraktionsgemeinschaft mit der Freien Wählervereinigung 41,6 Prozent der Wählerstimmen 8 von insgesamt 18 Sitzen.

Strafe der besonderen Art Die Ampelpartner auf Bundesebene SPD und FDP erleiden bei den aktuellen Wahlen unter anderem auch eine optische Abstrafung der ganz besonderen Art. In diversen Kommunen im Kreis kommen sie bei Regional- und Kreistagswahl nicht mehr eigenständig auf den beliebten Balkengrafiken vor. Denn dort haben zwecks Breite der Darstellung nur vier Parteien plus Restkategorie Platz. Beispiel Weinstadt: CDU, Freie, Grüne und AfD sind da in ihren Farben vertreten. FDP und SPD firmieren mit Werten unter zehn Prozent trostlos unter „Sonstige“. Kleiner Trost – im Laufe des Montags tauchte die SPD dann doch mit immerhin rund 15 Prozent zumindest bei der Gemeinderatswahl wieder mit einem eigenen roten Balken auf.

Die fleißigsten Wähler 66,8 Prozent der Wahlberechtigten haben sich über alle Städte und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis hinweg am Sonntag an der Europawahl beteiligt. Die höchste Quote hatte kreisweit mit 74,2 Prozent Winterbach aufzuweisen, die niedrigste, 60,5 Prozent, Murrhardt. Zahlenmäßig den größten Wähleraufmarsch zu bewältigen hatte die Kreisstadt Waiblingen. Hier strebten genau 22 239 Menschen zu den Urnen.

Die meisten Stimmen Die mit Abstand erfolgreichste Partei bei der Europawahl ist auch im Rems-Murr-Kreis die CDU. 64 261 Wähler machten ihr Kreuzchen hinter der Union. Mit nur einer Ausnahme (Spiegelberg) lagen die Schwarzen ausnahmslos in der Wählergunst vorn. Prozentual die größte Unionsanhängerschaft hat Korb: Hier holten die Christdemokraten 36,2 Prozent. Die Rangliste von hinten führt die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) an. 16 Wahlberechtigte hätten sie gerne im Europarlament gesehen – das war zu wenig.

Nach der Wahl ist vor der Wahl Während in den Rathäusern noch allenthalben fleißig ausgezählt wurde, überraschte eine junge Frau aus Waiblingen am Montag mit einer internen Kandidatur: Ann-Cathrin Simon möchte von den Mitgliedern der CDU im Wahlkreis Waiblingen bei deren Nominierungsveranstaltung Anfang Juli als Kandidatin für die nächste Bundestagswahl nominiert werden. Die 27-Jährige selbst behauptet in einer Pressemitteilung, dass sie „von einer breiten Basis an CDU-Mitgliedern im persönlichen Gespräch immer wieder dazu aufgefordert und ermutigt worden“ sei, zu kandidieren. Sie tritt dann wohl gegen Christina Stumpp an – die immerhin nicht nur aktuelle Bundestagsabgeordnete, sondern auch stellvertretende Generalsekretärin ihrer Partei ist.

Drei Piraten entern den Rat Nein, größere Furcht herrscht in Welzheim nicht angesichts eines erneuten Überfalls der Piraten auf das Stadtparlament. Diese sind im aktuellen Gremium nämlich bereits vertreten, haben ihre Sitzzahl aber jetzt um 50 Prozent erhöht, von zwei auf drei. Ihr prozentuales Ergebnis schraubte das Welzheimer Enterteam auf immerhin 12,8 und ließ damit die SPD um knapp zwei Punkte hinter sich. Bemerkenswert: Landesoberpirat Philip Köngeter sammelte mit 5382 Stimmen nicht nur fast die Hälfte der Voten für seine Liste, sondern ist auch noch der Welzheimer Stimmenkönig.