Mit Schwaben-Power gehen die Grünen in Berlin auf Stimmenfang. Die Spitzenkandidaten Katrin Göring Eckardt und Cem Özdemir posieren zusammen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte).  Foto: Grüne

Nach den Linken werben nun auch die Grünen speziell um die Wählerstimmen der Schwaben in Berlin. Winfried Kretschmann kommt im Prenzlauer Berg als Wahlhelfer zum Einsatz – per Plakat jedenfalls.

Berlin - Gott sei Dank, dass die Schwaben nicht aus ihrem nördlich gelegenen Nachbarbundesland kommen. Sonst würde es am Samstag in Berlin vielleicht heißen: „Erbarmen, die Hessen kommen!“, wie weiland in dem Erfolgsschlager von den Rodgau Monotones. Aber da Cem Özdemir Schwabe ist und Baden-Württemberg eine Grünen-Hochburg, setzt die Ökopartei in der Bundeshauptstadt, auf den Schwaben-Faktor. „Das ganze Ländle zählt auf Euch“, steht auf einer mobilen Plakatwand, auf der die Spitzenkandidaten Katrin Göring Eckardt und Cem Özdemir gemeinsam mit dem Stuttgarter Ministerpräsidenten um die Wählerstimmen von Landeskindern in der Diaspora an der Spree werben. An diesem Samstag wird es im Prenzlauer Berg in Berlin platziert.

Die Linken haben das Copyright

Da die Grünen für einen Wahlerfolg bei der Bundestagswahl auf ein überdurchschnittliches Abschneiden in Baden-Württemberg fast so stark angewiesen sind, wie die Union auf ein gutes CSU-Ergebnis in Bayern, liegt ein Wahlwerbe-Spezial für Schwaben in der Hauptstadt auf der Hand. Dass die Schwaben die zweitstärkste Ethnie nach den Türken in der deutschen Hauptstadt sind, produziert ja seit vielen Jahren immer wieder Schlagzeilen – wenn auch in der Regel keine positiven. Die Grünen sind auch nicht die ersten, die im Berliner Wahlkampf diese Zielgruppe gesondert ansprechen. Stefan Liebig von der Linkspartei hat vor wenigen Wochen eine Plakataktion gestartet: „Liebe Nazis: Bitte einfach mal das Maultäschle halten“, war da zu lesen. Für die Hauptstadtschwaben, die weder Hochdeutsch sprechen noch lesen können (was eine echt kleine Minderheit sein dürfte), bot der gebürtige Wismaraner zusätzlich die Slogans auf: „Mir denked au an die kloine Leud“ und „Schaffe, Schaffe, Sozialwohnunge baue“. Highlight ist ein Video von Liebig als Spätzles-Koch mit dem Stuttgarter Linksparteichef Bernd Riexinger als Sprecher aus dem Off. Klar, dass Riexinger kein Problem hat, linke Kernforderungen zur Bundestagswahl ins Schwäbische zu übersetzen.

Schwaben-Appeal trifft auf Icke-Charme

Die Grünen wollen mit ihrem Plakat-Aktiönchen zum einen die Heimatgefühle der Exilschwaben in Berlin rühren und zweitens von der bundesweiten Popularität vom grünen Baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann profitieren, der am 24. September allerdings gar nicht zur Wahl steht. Ob’s funktioniert? Bedenkt man, dass nicht wenige Berlin-Schwaben an der Spree irgendwann mal aus der vermeintlich vermufften alten, in ihre arm-aber-sexy-hippe neue Heimat regelrecht geflohen sind, kann man Abwehrreflexe nicht ausschließlich. Es könnte lustig werden, wenn die grünen Wahlhelfer, die ihr fahrbares Großplakat am Samstag rund um den Kollwitzplatz herumschieben werden, auf die Stadtwerbung der Berliner Verkehrsbetriebe treffen. Die setzt bei ihrem Werbespruch ganz und gar auf echten Icke-Charme: „Liebe Schwaben, wir bringen Euch gerne zum Flughafen!“

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