Intensiver Austausch: Bernd Wahler (links) und Fredi Bobic wollen den VfB voranbringen. Was der Präsident über Transfers in diesem Sommer denkt, erfahren Sie in unserer Bildergalerie. Klicken Sie sich durch! Foto: Pressefoto Baumann

Nach der missratenen vergangenen Saison soll beim VfB Stuttgart vieles besser werden – wenn es um die Stimmung an der Basis geht, hat Präsident Bernd Wahler noch viel Arbeit vor sich. Er stellt für die neue Runde noch zwei Spieler in Aussicht, die echte Verstärkungen sein sollen.

Stuttgart - So eine Sommerpause kann wunderbar entspannt sein. Die Profis des VfB etwa machen Urlaub und grüßen von fast allen Kontinenten mit Bildern, die sie mit Alligatoren auf dem Arm oder in US-amerikanischen Baseballtrikots zeigen. Die Verantwortlichen des VfB dagegen bekommen in diesen Wochen allenfalls Krokodil Fritzle, das Vereinsmaskottchen, zu Gesicht, und an Freizeitkluft ist im harten Arbeitsalltag eher selten zu denken. „Dem Urlaub kann ich mich erst ab September widmen“, sagt Präsident Bernd Wahler, „bis dahin haben wir einiges zu tun.“

Die Aufgabenliste ist lang, und Wahler gibt in diesen Tagen den Vorkämpfer gegen die Skepsis. Denn die völlig missratene vergangene Saison wirkt auf allen Ebenen nach. Nachdem die Fans ihre Stimmungslage schon beim letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:2) mit Protestplakaten gegen die sportliche Führung zum Ausdruck brachten, hat sich die Atmosphäre an der Basis nicht wirklich verbessert.

Anhänger und Umfeld sehnen sich fast schon nach einer Aufbruchstimmung, sie lechzen nach Signalen der Besserung. Bisher sendeten die Strategen aber allenfalls Signälchen aus. Der große Wurf, der alle mitreißt, er blieb bisher aus.

Seitdem der VfB auf sportlicher Ebene nach dem österreichischen Rechtsverteidiger Florian Klein nun mit dem linken Außenbahnspieler Adam Hlousek vom 1. FC Nürnberg den zweiten eher unbekannten Neuzugang vermeldete, geht bei vielen Fans die Angst vor den nächsten Fehleinkäufen und der nächsten verkorksten Saison um. Und das, nachdem Wahler angekündigt hatte, nur noch Spieler verpflichten zu wollen, die den VfB ohne Zweifel verstärken.

Der Präsident selbst kann mit diesen Meinungen nicht viel anfangen, er holt stattdessen zum Gegenschlag aus. „Es ist natürlich klar, dass jetzt einige sagen, dass wir uns jetzt beim Absteiger aus Nürnberg bedienen, nachdem wir in der Vorsaison die Ersatzbank von Hannover leergekauft haben“, sagt Wahler, „aber diese Meinungen sind reiner Populismus, ich vertraue der sportlichen Leitung um Fredi Bobic und Trainer Armin Veh voll und ganz.“ Und weiter: „Adam Hlousek und Florian Klein sind ­Nationalspieler von hoher Qualität.“

Wahler , so viel ist klar, geht in die Offensive – verbal und perspektivisch. Er stellt für die neue Saison noch „ein bis zwei Kracher“ in Aussicht und spricht von Spielern, die „sofort echte Verstärkungen“ sein sollen. „Dass es sich dabei nicht um internationale Topstars handelt, die 20 Millionen Euro oder mehr kosten, dürfte jedem klar sein“, sagt der Präsident, „aber wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten handeln.“ Dabei ist ein Transfervolumen von zehn bis 15 Millionen Euro im Gespräch – Zahlen, die Wahler nicht kommentieren will. Konkreter wird der Präsident, wenn es um den potenziellen Neuzugang Daniel Ginczek geht. Ob der Stürmer des Absteigers 1. FC Nürnberg dabei auch schon in die Kategorie Kracher fällt? Bernd Wahler überlegt kurz – und sagt: „Er ist ein heißer Kracher-Kandidat.“

Fakt ist, dass der VfB nach der jüngsten sportlichen Durststrecke mit Durchschnittsclubs wie Hertha BSC um potenzielle Neuzugänge konkurriert – und dass der Präsident in diesen Zeiten den Stürmer eines Bundesliga-Absteigers zumindest schon als Kracher-Kandidat verkauft.

Sportlich jedenfalls ist der Club aus Cannstatt für potenzielle Hochkaräter kein Spitzenclub mehr, und finanziell gibt es bei international vertretenen Vereinen wie Borussia Mönchengladbach mehr zu holen. Um das langfristig wieder zu ändern, will Bernd Wahler den Etat in den nächsten Jahren schrittweise anheben. „Wir wollen da kontinuierlich nach oben und werden auf keinen Fall mehr zurückgehen“, sagt der Präsident im Brustton der Überzeugung.

Um sich finanziell besser aufzustellen und neue Geldquellen anzuzapfen, steht die mögliche Ausgliederung der Profifußball-Abteilung aus dem Gesamtverein im Raum – ein Ansinnen, das einige Fans, vor allem jene aus der Ultraszene, extrem kritisch beäugen. Sie fürchten im Kern weniger Mitbestimmung. Sie fürchten sich davor, dass der Vorstand nicht mehr wie gewohnt auf einer jährlichen Mitgliederversammlung Rechenschaft ablegen muss und dass die Fans die Dinge dort nicht mehr offen ansprechen können. Deshalb ist es gut möglich, dass die Ultras alle Kräfte mobilisieren und bei einer möglichen Abstimmung gegen eine Ausgliederung votieren würden.

Die Mitgliederversammlung steigt am 28. Juli, die Abstimmung über die mögliche Ausgliederung wird noch nicht auf der Tagesordnung stehen. Allerdings wird das Thema sicher keine Nebenrolle einnehmen, die Diskussionen dürften zumindest hitzig und kontrovers werden.

Bis zum 28. Juli wird Bernd Wahler auch hier den Vorkämpfer gegen die Skepsis geben . „Ich bin in Kontakt mit den verschiedenen Gruppen, wir wollen niemanden vor vollendete Tatsachen stellen“, sagt er und ergänzt: „Es gibt zwei verschiedene Pole an der Basis. Es gibt jene Leute, die sagen, ‚gebt Gas, macht es am besten sofort, um neue Geldgeber an Land zu ziehen und uns finanziell besser aufzustellen‘.“

Es gebe aber eben auch jene Stimmen bei den Fans, die die Sache anders sehen. Und die will Bernd Wahler mitnehmen. „Ich will den Leuten vermitteln, dass wir uns keine Heuschrecken als Geldgeber an Land ziehen wollen und dass die Fans nach wie vor ein Mitspracherecht haben. Und natürlich würde der Verein nach wie vor die Hauptanteile halten.“ Wo auch immer der Weg hinführt: Bernd Wahler wird es in den nächsten Wochen weiter nicht langweilig werden.

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