Traton-Chef Andreas Renschler kam beim Börsengang der VW-Tochter nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen auf dem Frankfurter Parkett ins Schwitzen. Foto: AFP

VW bringt mit einem Börsengang light die Lkw-Tochter Traton aufs Parkett. Zum Start sinkt der Kurs aber gleich unter den Ausgabepreis. Das verdeutlicht die schwierige Lage in der Nutzfahrzeugbranche.

München - Es hat schon Unternehmen gegeben, die mit mehr PS an die Börse gegangen sind. Mit enttäuschenden 27 Euro hat die Aktie der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton zu ihrem Debüt auf dem Frankfurter Parkett notiert. Das war exakt der Ausgabekurs, der ohnehin schon am unteren Ende einer anvisierten Preisspanne festgelegt werden musste. Keine Stunde später war das Papier nur noch 26,70 Euro wert.

„Wir haben es geschafft“, seufzte Traton-Chef Andreas Renschler zum mühseligen Debüt an den Börsen von Frankfurt und Stockholm. Das Wichtigste sei es, nun börsennotiert zu sein, so Renschler, der auf eine Traton-Bewertung von 24 Milliarden Euro erhofft hatte. Mit dem Abbröckeln der Aktie zum Börsenstart sind es nun gut 13 Milliarden Euro geworden.

Magere 1,55 Milliarden Euro erlöst

Das bedeutet, dass der Mutterkonzern VW für die 11,5 Prozent an Traton, von denen sich die Wolfsburger getrennt haben, nur magere 1,55 Milliarden Euro einstreichen. Ein Blick auf das Umfeld zeigt, dass Renschler es fürwahr als Erfolg verbuchen kann, überhaupt den Sprung aufs Parkett geschafft zu haben. Nutzfahrzeugbau sei ein konjunktursensibles Gewerbe erklärt Wirtschaftswissenschaftler Zacharias Sautner von der Frankfurt School of Finance & Management. Global schwächeln Konjunkturen derzeit. Lkw-Hersteller spüren es als eine der ersten Branchen, wenn Wirtschaftswachstum abflaut.

„Es sieht substanziell nicht so schlecht aus“, sagt Renschler zum Geschäft mit Blick auf das erste Quartal 2019. Die Traton-Umsätze haben da um sechs Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zugelegt, die operativen Gewinne gar um gut ein Fünftel auf rund eine halbe Milliarde Euro. Aber das kann schnell kippen.

Echo großer Investoren ist verhalten

Von Anfang an war der Traton-Börsengang einer im Kriechgang. Schon vor Ostern sollte eigentlich ein Viertel der VW-Tochter börsennotiert sein. Doch das Echo großer Investoren, an die sich die Emission wendet, war bescheiden. Sie konnten auch darauf spekulieren, dass VW die Tochter billiger an die Börse bringt. VW-Chef Herbert Diess hat den Wolfsburgern eine Konzentration auf das automobile Kerngeschäft verordnet und stand unter Druck, mit Traton dieses Versprechen auch sichtbar einzulösen. Dieses Kalkül ist für Großanleger aufgegangen. Statt einem Viertel notiert nun aber nur gut ein Zehntel der Traton-Aktien an der Börse.

VW behält sich vor, bei besseren Kursen noch mehr Traton-Anteile auf den Markt zu werfen. Traton selbst kann derweilen mit größerer Distanz zu Wolfsburg an der eigenen Strategie arbeiten. „Wir sind am Aufbau eines globalen Champions“, sagt Renschler. Denn global ist die von seiner Münchner Zentrale aus gesteuerte Traton noch nicht wirklich. In Europa und Brasilien sind die VW-Trucker mit den Hauptmarken MAN und Scania (Schweden) zwar Marktführer, aber ohne Zugriff auf den weltgrößten Lkw-Markt USA. Eine 17-prozentige Minderheitsbeteiligung am US-Konzern Navistar ist dort alles, was man vorweisen kann.

Geld für Zukäufe könnte über die Börse kommen

Über die Börse könnte sich Renschler Geld beschaffen, um den US-Lastwagenbauer komplett zu schlucken und auch in Asien zuzukaufen. Darüber wird spekuliert. Entschieden ist nichts. Geld braucht Traton auch wegen des Technologiewandels bei Lastwagen und Bussen. Elektrisch werden bei Traton vor allem Stadtomnibusse und Liefer-Lkw für Innenstädte. Noch größere Bedeutung als beim Pkw schreiben Experten zudem dem autonomen Fahren von Lastwagen zu. Fahrer sind für Spediteure Kostentreiber.

Was Börsianer und Analysten von Renschler und Traton vor allem auch erwarten, ist das Heben von Sparpotenzial zwischen den unter ein Dach gebrachten Marken MAN und Scania. „Das volle Potenzial ist nicht ausgeschöpft“, stellt Sautner klar. Frank Schwope kann das nur unterstreichen. Der Analyst der NordLB findet überhaupt, dass Traton viel zu früh an die Börse gegangen ist und deshalb Geld verschenkt hat. Eine umfassende Modulstrategie wie im Pkw-Bereich von VW sei im Lkw-Bereich bei weitem noch nicht umgesetzt. Das dauere bei Nutzfahrzeugen branchen- und modellzyklusbedingt noch das eine oder andere Jahr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: