Früher unter anderem für die Amateure des VfB Stuttgart und die SV Elversberg am Ball: Felix Luz. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart trennt sich von einem seiner Jugendtrainer, weil dieser zu vehement für Kevin Kuranyi als Berater geworben haben soll. Beendet ist das Thema damit wohl noch nicht.

Stuttgart - Der Blick auf ein Spiel der Junioren-Bundesliga ist immer auch ein Blick in die Zukunft. Wer von den Jungs wird es nach oben schaffen? Das ist die große Frage, mit der sich nicht nur die Verantwortlichen in den Fußballvereinen beschäftigen, sondern eben auch die Spielerberater. Sie gehören zu den Stammgästen am Spielfeldrand, da der Kampf um die Talente früh losgeht. Das ist Alltag. Auch beim VfB Stuttgart, wo jetzt ein Fall bekannt geworden ist, der Thomas Hitzlsperger zum Handeln gezwungen hat.

Der Nachwuchschef hat den Jugendtrainer Felix Luz vor die Tür gesetzt. Der Grund: der 36-Jährige soll versucht haben, Jugendspieler zu einem Wechsel zur Berateragentur seines engen Freundes Kevin Kuranyi zu bewegen. Diese Nähe zu dem prominenten Namen macht den Fall nun eventuell größer, als er tatsächlich ist. Denn das eigentliche Problem ist, dass Luz sehr vehement vorgegangen sein soll.

Klare Worte von Thomas Hitzlsperger

Auch das ist in der Beraterszene üblich, da es im Verlauf einer Karriere um Millionen von Euro gehen kann. Doch zuletzt landeten zahlreiche Beschwerden von Eltern und Jugendlichen bei Hitzslperger. „Felix Luz hatte ein falsches Rollenverständnis, deshalb haben wir uns von ihm getrennt“, erklärt der Direktor Nachwuchsleistungszentrum und fügt an: „Ich erwarte von den Trainern im Nachwuchsbereich, dass sie sich ausschließlich auf sportliche Themen konzentrieren.“

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Von seinem Stellenprofil her war Luz bis vor wenigen Wochen übergreifend Individualcoach im Jugendbereich, zuvor Co-Trainer der U 16. Der Stuttgarter Nachwuchs sollte dabei von den Erfahrungen des ehemaligen Angreifers profitieren. Luz trug einst selbst das Trikot mit dem Brustring in der zweiten Mannschaft. Danach stürmte er unter anderem für den FC St. Pauli, Rot-Weiß Oberhausen, die SV Elversberg 07 und zuletzt für den 1. FC Saarbrücken.

Felix Luz prüft Schritte gegen die Entscheidung

Nun ist Luz raus, da der VfB klare Kante zeigen wollte. „Die Vorwürfe sind für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich werde jetzt mit meinem Anwalt weitere Schritte prüfen“, sagt Luz. Offenbar gab es Versprechungen, die Jugendlichen den Kopf verdrehen könnten. Allerdings hat sich Hitzlsperger bei seiner Entscheidung nicht auf Gerüchte verlassen. Es soll Belege für ein Fehlverhalten von Luz geben.

Überrascht zeigt sich Kuranyi von der Entwicklung an der Mercedesstraße. Gar von einem Hausverbot für den ehemaligen Nationalspieler war die Rede. Doch das verweisen beide Seiten ins Reich der Fabeln. Noch zu Wochenbeginn war der Ex-Profi, der sich von einer Absprache mit Luz distanziert, im Clubhaus. „Ich habe ein gutes Verhältnis zu Michael Reschke. Wir stehen in regelmäßigem Austausch, ohne dass diese Sache jemals Thema war. Ich habe mir absolut nichts vorzuwerfen“, sagt Kuranyi, der als Berater fünf VfB-Jugendspieler zu seinen Klienten zählt: Leon Dajaku (Jahrgang 2001), Atmir Krasniqi, Lucas Hägele, Numan Sensoy (alle Jahrgang 2002) und Adrian Freiwald (Jahrgang 2003).

Kevin Kuranyi berät unter anderem Leon Dajaku

Allen voran Dajaku gilt als ein Versprechen auf die Zukunft. Der Stürmer gehörte am vergangenen Spieltag in Leverkusen erstmals zum Kader der Profis – was den Austausch zwischen Manager Reschke und Neu-Berater Kuranyi erklärt. Da gilt es eine Karriere zu planen und auch für die anderen hochbegabten Kicker die passenden Perspektiven zu entwickeln.

Innerhalb kurzer Zeit hat sich Kuranyi, der während der WM in Russland als TV-Experte arbeitete, so ein weiteres Standbein aufgebaut. Wobei es heißt, dass sich Jugendspieler auch direkt an ihn gewandt hätten. Anschließend habe Kuranyi den Kontakt zu deren bisherigen Beratern gesucht, um die Sache zu klären.

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