Smartphones kundschaften sogar Passwörter aus. Foto: dpa

Smartphones spionieren unbemerkt ihre Besitzer aus. Was dagegen getan werden kann, hat der Chaos Computer Club erklärt – vor unerwartet großem Publikum.

S-Mitte - Über diesen Termin sind eine Reihe aktueller Nachrichten hinweggerollt. „Es gab den ganzen Tag über noch Anfragen“, sagt Hanno Wagner. Anfragen, ob noch Plätze frei seien. Ursprünglich sollte Wagners Vortrag eine Art Versuchsballon sein, in die Luft gelassen in der Hoffnung, dass ein paar Interessierte den Start beobachten. Inzwischen hat das Thema Aussicht, bis Ende 2013 Aufreger des Jahres zu bleiben: Wie schütze ich meine Daten vor fremdem Zugriff? In diesem Fall Daten, die auf den Alleskönnern unter den Handys gespeichert sind, auf Smartphones.

Wagner gehört zu denjenigen, die dem gemeinen Volk seit Jahren erzählen, dass jeder ausgeschnüffelt wird. Er ist Mitglied des Chaos Computer Clubs. Die Botschaft, die er übermittelt, lautet im Kern: Früher haben Hacker versucht, mit Viren persönliche Daten auszuspähen. Heute gehört die Schnüffelei zum Geschäftsmodell, beispielsweise des Konzerns, für den die Welt ein Verb erfunden hat: googeln. In Konkurrenz zur Datenkrake mit den längsten Fangarmen steht allenfalls noch – selbstverständlich – Facebook. Dort hat Wagner sich abgemeldet, ist aber „natürlich nicht sicher, ob meine Daten auch wirklich gelöscht sind“.

Facebook macht zumindest kein Geheimnis aus dem Geschäft

Während Facebook zumindest kein Geheimnis daraus macht, dass der Datenhandel Geschäftsgrundlage ist, „behauptet Google von sich selbst, nicht böse zu sein“, sagt Wagner und lässt wenig Zweifel, dass er daran zweifelt. Wer das Google-Betriebssystem Android benutzt, von dem wird standardmäßig ein Bewegungsprofil gespeichert. Selbst Passwörter kundschaftet der Konzern aus und „speichert sie ungesichert“, sagt Wagner. Er lagert seine Daten jedenfalls auf keinem Googlekonto, auch auf keinem anderen in der sogenannten Cloud, sondern auf einem eigens eingerichteten Platz im Smartphone.

Wie das funktioniert, erklärt er in der Stadtbibliothek. Wer es nachahmen will, muss sich zuerst zum Herrn über sein eigenes Telefon machen – zum Adminstrator über seine Software. „Das dauert vielleicht 20 Minuten“, sagt Wagner. Wer Näheres darüber wissen will, googelt die Stichwörter: Smartphone, rooten, Admin und Jailbreak. Letzteres, zu Deutsch Gefängnisausbruch, ist der Fachjargon für die Befreiung von der Diktatur der Datenkraken. Wer künftig alles richtig machen will, benutzt für diese Suche selbstverständlich nicht Google, sondern eine sichere Suchmaschine wie Ixquick.

Auch Laien können die Spioniererei zumindest erschweren

Auch Laien können die allgegenwärtige Spioniererei zumindest erschweren, wenn sie die Ortung über GPS und – wichtiger – Wlan ausschalten, außerdem Bluetooth und das noch neue Pendant NFC. Am einfachsten funktioniert dies, indem das Handy in den Flugmodus umgestellt wird. Selbstverständlich mit dem Nachteil, dass dann auch das Telefonieren unmöglich ist.

Versierteren empfiehlt Wagner Software, mit der sich einstellen lässt, welche Apps sich selbstständig ins Netz einwählen dürfen und welche nicht. Warum fragt die Software zum Lesen von E-Books den Standort ab, an dem Literaturfreunde sich Lektüre gönnen? „Häufig fragt mich drei Tage später Amazon, wie ich das Buch fand“, sagt Wagner. Appguard empfiehlt er als Gegenmittel, eine von Informatikern der Universität des Saarlands entwickelte Software, die kostenlos zu bekommen ist.

Wer ausreichend versiert ist, installiert sich außerdem eine Datenverschlüsselung. Das Programm Pretty good Privacy ist dafür das wohl prominenteste Beispiel. Wer gern chattet, tauscht den ebenso beliebten wie unsicheren Dienst Whatsapp aus gegen die aus der Schweiz stammende Alternative Threema. Aber auch völlige Laien können etwas unternehmen, wenn sie nicht wollen, dass ihr Telefon sie ausspioniert: Vor dem Herunterladen einfach mal die Nutzungsbedingungen von Apps lesen. Schon das erhellt vieles.

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