Maximilian Friedrich war 2012 der jüngste Bürgermeister Deutschlands. Foto: Stoppel

Maximilian Friedrich will Bürgermeister in Berglen bleiben – aber nicht unbedingt bis ins Rentenalter. Er hat keinen Gegner – und könne sich vorstellen, eines Tages beruflich kürzer zu treten. Was er dann gerne tun würde:

Berglen - Das Wahlergebnis steht ganz offenkundig schon jetzt fest. Dabei findet die Bürgermeisterwahl in der rund 6450 Einwohner zählenden Gemeinde Berglen erst am Sonntag, 21. Juni, statt. Der 33 Jahre alte Schultes Maximilian Friedrich war nach seiner Wahl 2012 der jüngste Rathauschef Deutschlands. Er ist in diesem Jahr der einzige Bewerber.

Wer dieser Tage durch Berglen spaziert, wundert sich allerdings, denn vielerorts hängen auch Plakate mit dem Konterfei des Dauerbewerbers Thomas Hornauer. Der Exzentriker aus Plüderhausen, der sich selbst gerne als Königliche Hoheit bezeichnet, hat laut Auskunft des Rathauses aber keine Bewerbungsunterlagen abgegeben. Es ist bei Bürgermeisterwahlen freilich möglich, dass die Wähler einen x-beliebigen Kandidaten auf den Wahlzettel schreiben. Hornauer könnte also ein paar Stimmen bekommen. Bei der Wahl in Alfdorf Anfang dieses Jahres kam er auf 1,6 Prozent der Stimmen – obwohl sein Name auf dem Wahlzettel stand. In einem Video erklärt Hornauer kürzlich, dass die Menschen nun die „freie bürgerliche Möglichkeit“ hätten, ihn zu wählen, „ohne Auflage eines Ordnungsamts“.

„Das Über-Thema“ Klima- und Umweltschutz

Der Amtsinhaber Maximilian Friedrich sagt, er beschäftige sich nicht mit möglichen Konkurrenten – ob diese nun auf dem Wahlzettel stehen oder nicht. Der Bürgermeister verweist auf die Bilanz seiner zu Ende gehenden Amtszeit: Alle Teilorte der Kommune seien seit ein paar Jahren sehr gut an das schnelle Internet angebunden. Die Gemeinde sei finanziell gut aufgestellt, obgleich der Bau der neuen Sporthalle in Oppelsbohm ein Kraftakt gewesen sei. Ferner lebten heute wieder mehr Familien mit Kindern in Berglen.

In der nächsten Amtsperiode will sich Friedrich ganz besonders „der Entwicklung der Infrastruktur“ widmen und zum Beispiel die Schulen sanieren. Er will sich um die Digitalisierung kümmern. Seit ein paar Wochen, sagt er, sei die Gemeinde mit einem eigenen Auftritt auf Facebook und Instagram zu finden. Die Seiten werden vom Schultes selbst betreut. Den Klima- und Umweltschutz bezeichnet Friedrich als „das Über-Thema“ der Zukunft.

Tipp des Bürgermeister-Vaters beherzigt: viele Sport treiben

Maximilian Friedrich ist kein selbstverliebter Politiker, sondern ein selbstkritischer junger Mann. Er ist mit einem Bürgermeister-Vater groß geworden. Peter E. Friedrich war von 1989 bis 2005 Schultes von Auenwald, er ist 2018 verstorben. Sein Papa, sagt Friedrich, habe den Beruf geliebt, aber womöglich habe er sich auch an diesem kaputt gearbeitet. Zuletzt lebte Peter E. Friedrich in einem Pflegeheim in Auenwald. Er habe den Vater einmal wöchentlich besucht. Im Rückblick sage er sich manchmal, so Maximilian Friedrich, er hätte sich womöglich ein bisschen mehr Zeit nehmen, ein bisschen weniger arbeiten und noch öfter zum Vater fahren sollen.

Einen Tipp des Vaters beherzige er: viel Sport zu treiben. Skifahren, bevorzugt im Montafon, Tischtennis spielen in einem Team in Aspach, und Krafttraining in einem zusammen mit ein paar Freunden eingerichteten kleinen Privat-Fitnessstudio in Auenwald. Maximilian Friedrich sagt, ihm sei es wichtig, Privates und Dienstliches zu trennen. Deshalb treibe er Sport lieber nicht in Berglen.

Anfragen aus anderen Kommunen

Als er vor acht Jahren erstmals kandidiert hat, spielte Friedrichs Alter im Wahlkampf eine große Rolle. Damals hat er versprochen, auf jeden Fall eine Amtsperiode zu bleiben und nochmals zur Wahl anzutreten. Heute sagt er auf die Frage nach seiner langfristigen beruflichen Perspektive: Er, seine Frau und die kleine Tochter fühlten sich „sehr, sehr wohl“ in Berglen. Die „absolute Aussage“, er bleibe hundertprozentig auch die nächsten acht Jahre im Amt, wolle er trotzdem nicht wiederholen. Er habe gut eine Handvoll Anfragen aus anderen Kommunen, ob er als Bürgermeister kandidieren wolle, abgelehnt, erzählt der Kreisrat der Freien Wähler. Bis ins Rentenalter wolle er eher nicht Schultes in Berglen sein. Er könne sich durchaus vorstellen, eines Tages beruflich kürzer zu treten und sich möglicherweise ehrenamtlich zu engagieren – oder noch mehr Sport zu treiben.

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