The Jeremy Days im Jahr 2019: Louis Oberlander, Dirk Darmstädter, Jörn Heilbut, Stefan Rager (von links) Foto: Four Artists

Die Jeremy Days sind wieder da. Am 1. Dezember spielen sie im Wizemann in Stuttgart. Schon vorher haben wir uns mit der Band unterhalten.

Hamburg - Die Jeremy Days sind wieder da. Mit dem Hit „Brand New Toy“ wurden die fünf Musiker 1988 zu Popstars. 1996 löste sich die Gruppe dann auf. Im Januar dieses Jahres gab es ein umjubeltes Reunion-Konzert in Hamburg, kurz darauf entschlossen sich die Musiker, wieder gemeinsam auf Deutschland-Tournee zu gehen – zum ersten Mal seit 24 Jahren. Einzige Änderung: Für Gründungsmitglied Christoph Kaiser spielt jetzt Stephan Gade den Bass. Am 1. Dezember spielen die Jeremy Days im Wizemann in Stuttgart. Schon vorher haben wir uns mit der Band unterhalten.

Stuttgart ist der Abschluss Ihrer Tournee. Fühlt es sich ein bisschen so an, wie auf Klassenfahrt zu sein?

Jörn Heilbut: Ja, das Wort Klassenfahrt trifft es ganz gut. Es war ein bisschen wie zur Schulzeit; wir sind da auf unsere Kosten gekommen. Das hat schon Spaß gemacht. Die Bedenken, ob das mit uns gut geht, haben wir eigentlich vor einem Jahr ausgeräumt, als wir das Konzert im Docks (in Hamburg, d. Red.) konkret vorbereitet haben. Davor war es mir nicht ganz so klar: Geht das, oder geht das nicht?

Was ist das Besondere an der Reunion der Jeremy Days?

Louis Oberlander: Für mich ist besonders schön, dass die Musik auch wieder in mein Leben eingekehrt ist. Ich hatte 14 Jahre keine Musik mehr gemacht. Und im Nachhinein habe ich einfach gemerkt, wie sehr ich mit Haut und Haaren Musiker bin. Eine sehr schöne persönliche Erfahrung. Dafür bin ich den Jungs enorm dankbar, dass alle Lust gehabt haben, dieses Konzert zu spielen, sich wieder zu sprechen und sich wieder anzunähern.

Das Konzert im Januar hat von der ersten Sekunde an wieder die Kraft der alten Tage ausgestrahlt. Hatten Sie das so erwartet?

Stefan Rager: Wir wussten es nicht. Aber wir haben uns einfach darauf eingelassen. Und wir haben es wirklich erlebt. Das war dann ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Güte. Alle haben einfach gemerkt, dass es nichts Abgespultes ist, sondern tatsächlich hier und jetzt passiert.

Wie waren die Tage nach dem Konzert im Januar?

Dirk Darmstaedter: Wir haben uns gezwungen, danach erst mal nichts zu sagen. Ich merkte danach bei allem, dass man irgendwie etwas sagen wollte. Ich weiß noch, dass ich mich total glücklich und erschöpft, aber auch wie in einem Nebel gefühlt habe. Ich wollte ständig die Jungs anrufen und fragen, wann es weitergeht. Wir hatten uns aber den Plan auferlegt, eine Woche zu warten. Das war die längste Woche meines Lebens. Für mich war aber sofort klar, dass wir weitermachen sollten.

Beschreiben Sie bitte die neue Stimmung innerhalb der Band.

Dirk Darmstaedter: Das Herzklopfen war immer da. Es ist jetzt nicht so wie 1992, als wir uns fünf Tage oder sechs Tage in der Woche getroffen hatten. Es ist für mich eine freudige Ergänzung zu meinem restlichen Leben. Anders kann ich das gar nicht beschreiben. Ich freue mich einfach sehr darüber, dass diese Jungs wieder in meinem Leben sind.

Sie klingen dennoch alle zusammen etwas vorsichtig . . .

Jörn Heilbut: . . . weil wir uns unter ganz bestimmten Umständen wieder zusammengefunden haben. Wir haben uns damals immer Druck gemacht. Und wir haben uns wieder zusammengefunden und entschieden, dass wir das genau nicht brauchen. Wir ziehen einfach mal das Freudvolle aus dem, was wir damals gemacht haben. Wir katapultieren das in die heutige Zeit. Es ist schön, keine langfristigen Pläne zu schmieden. Wir definieren unser Leben nicht mehr über eine Band. Das ist der große Unterschied zu früher.

Was haben Sie in den vergangenen Monaten nach dem ersten Konzert gemacht?

Dirk Darmstaedter: Ich habe eine neue Soloplatte veröffentlicht.

Stefan Rager: Ich bin durch verschiedene Kitas und Flüchtlingseinrichtungen gefahren und habe dort mit Kindern Musik gemacht, in erster Linie improvisiert. Und zusammen mit den Mädchen und Jungs neue Sprachen erfunden. Das war toll. Und ab und zu mache ich noch die musikalische Leitung bei der „Dreigroschenoper“ in Berlin.

Jörn Heilbut: Ich habe eine größere Produktion gemacht: „Santiago unplugged“. Ich habe mir sechs Wochen Auszeit genommen und war segeln. Ansonsten gab es bei mir das übliche Tagesgeschäft wie Studioarbeit, Produktion von Künstlern und selbst auch Gitarre spielen für andere Produktionen.

Louis Oberlander: In der Zeit nach dem Docks-Konzert musste ich erst mal schauen, wo ich all meine Gefühle hinpacke. Ich bin zurück nach Los Angeles geflogen und konnte dort irgendwie so gar nichts mit mir anfangen. Ich bin dann weiter nach Tulum in Mexiko gereist und habe dort fünf Wochen lang als DJ aufgelegt.

Für den NDR war der Abend im Januar ein Konzert „für die Geschichtsbücher der Popmusik“. Nicht zu viel Lob?

Jörn Heilbut: Für mich persönlich und mein eigenes Geschichtsbuch war es tatsächlich so. Es war für uns alle ein Konzert, das in den Top 5 rangiert. Einige von uns haben sehr viele Konzerte gespielt. Es war sehr außergewöhnlich, und diese Stimmung zu erleben, das hat man nicht alle Tage.

Wird es eigentlich neue Songs geben?

Louis Oberlander: Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, würde ich sagen, dass wir an neuen Sachen arbeiten werden. Vielleicht nur nicht in der Art, wie man es sonst immer gewohnt war. Es gibt ganz andere Möglichkeiten, die wir als Jeremy Days bieten können. Darauf freue ich mich einfach.

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