Der neue Dirigent beim TV Rottenburg: Christophe Achten Foto: Baumann

Das neu formierte Team des Volleyball-Bundesligisten TV Rottenburg hat einen schwierigen Saisonstart hinter sich. Inzwischen zeigt die Zäsur ihre positive Seite, wie den Einzug ins Pokal-Halbfinale. Das ist kein Zufall.

Rottenburg - Am Abend des 9. November sind die Volleyballer des TV Rottenburg von der Vergangenheit eingeholt worden. Der Bundesligist hatte sein Heimspiel mit 0:3 gegen die Powervolleys Düren verloren, nach der fünften Niederlage im fünften Ligaspiel drohte der Elan des Neustarts zu verpuffen. Und auch bei Philipp Vollmer machten sich erste Zweifel breit. „Oh je, in was laufen wir da bloß rein“, schoss es dem TVR-Manager durch den Kopf. Vier Wochen später, im Halbfinale des DVV-Pokal an diesem Sonntag (14.30 Uhr), heißt der Gegner erneut Düren – und die Gemütslage ist eine gänzlich andere. „Ich kann es immer noch kaum fassen“, sagt ein glückseliger Vollmer mit Rückblick auf die vergangenen Wochen. Es war ein Goldener November.

Vier der vergangenen fünf Spiele hat der TV Rottenburg gewonnen, ist in der Ligatabelle auf den siebten Platz geklettert und steht erstmals in seiner Geschichte im Halbfinale des Pokalwettbewerbs. Was war geschehen?

Das Schlüsselspiel

Der 3:2-Sieg im Pokal-Achtelfinale beim Bundesligadritten und großen Favoriten Alpenvolleys Haching war ein Schlüsselerlebnis. „Da haben die Jungs endlich das Gefühl erlebt, dass sie gewinnen können und das hat ihnen Selbstvertrauen gegeben“, sagt Christophe Achten.

Der neue Trainer hat im Übrigen nie an seinem umgestalteten Team gezweifelt. Und auch die Mannschaft haderte nicht mit dem sieglosen Start in die Saison, was nach den Erfahrungen in der vergangenen Saison durchaus hätte sein können. Da lief alles gegen den TVR, am Ende stand der sportliche Abstieg, der nur deshalb nicht vollzogen werden musste, da der CV Mitteldeutschland als Zweitligameister der Nordgruppe auf den Aufstieg verzichtete.

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International aufgestellt

Eine personelle Neuausrichtung war die Folge zweier unbefriedigender Jahre. In Karl Apfelbach (USA), Jared Jarvis (Kanada), James Weir (Australien), Martinez Gion, ein Niederländer mit spanischen Wurzeln und dem Japaner Taichi Kawaguchi wurde das familiäre Ambiente in Rottenburg mit internationalem Flair aufgefrischt. Und mit mehr Qualität. „Das Team ist professioneller geworden. Die Jungs, die ihre erste Station im Ausland beim TVR auch als Sprungbrett sehen, sind hungrig und bissig“, sagt Friederich Nagel (26), der in seine siebte Saison beim TVR geht. Insgesamt sechs Neuzugänge sorgen ebenso für frischen Wind beim TVR, wie der neue Trainer.

Für Christoph Achten ist der TVR die erste Station in Deutschland. Der 40-Jährige, der zuletzt zwei Jahre in Finnland gearbeitet hatte, wollte unbedingt in die Bundesliga – und zum TV Rottenburg. „Der TVR hat alles, um ein stabiler Bundesliga-Verein zu sein“, sagt der Belgier, der einer von rund 20 Bewerbern für den Posten war und mit einer gründlichen Analyse überzeugte. Eine seiner ersten Amtshandlungen: die Schwachstelle Annahme auszumerzen. In Taichi Kawaguchi brachte Achten einen neuen Libero mit. „Er macht einen großen Unterschied und mit seiner Schnelligkeit und guten Zuspielen seine Nebenleute besser“, sagt der Trainer über den 24-jährigen Japaner, der mit seinem Trainingseifer und dem Willen, sich weiter zu verbessern, auch als Vorbild dient.

Neue Handschrift erkennbar

Achtens Handschrift ist auch in einer intensiven Videoanalyse und seinem besonderen Augenmerk auf das Teamklima zu erkennen. Dabei steht der Mann aus der belgischen Volleyball-Hochburg Maaseik unter besonderer Beobachtung – als Nachfolger der Kultfigur Hans-Peter Müller-Angstenberger, die nach 17 Jahren als Trainer des Bundesligateams aufhörte. Einen anderen Trainer hatte der Verein vor Achten nicht.

Aber auch in dieser Hinsicht scheint sich der Club freizuschwimmen. In der Bischofsstadt ist derzeit die Euphorie eines erfolgreichen Neubeginns auszumachen und die jüngere Vergangenheit keine Bürde mehr.

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