Feines Händchen: Pia Kästner spielt auch im Nationalteam eine wichtige Rolle. Foto: Baumann

Pia Kästner ist erst 21 Jahre alt, und dennoch gilt die Zuspielerin von Meister Allianz MTV Stuttgart im Volleyball-Nationalteam bereits als feste Größe. Im Interview äußert sie sich zu ihren Zielen bei der EM, die hohe Belastung und ihren Olympia-Traum.

Bratislava – Erstmals spielen bei der Volleyball-EM der Frauen vom 23. August bis zum 8. September 24 Nationalteams um den Titel. Ausgetragen wird das Turnier in Polen, Ungarn, der Slowakei und der Türkei, wo auch die Halbfinal- und Finalspiele stattfinden. Für Pia Kästner, die 2017 zu Allianz MTV Stuttgart wechselte, ist die EM 2019 ihr zweites großes Turnier.

Frau Kästner, Sie bestreiten ab Freitag Ihre erste Volleyball-EM. Ist die Vorfreude deshalb besonders groß?

Nein.

Nein?

Ich glaube, dass es egal ist, ob man seine erste oder seine zwölfte EM spielt. Die Freude auf ein solches Großereignis ist immer groß.

Weil jedes eine neue Herausforderung ist?

Genau. Wir haben in diesem Sommer in der Nations League und bei der Olympia-Qualifikation in China gezeigt, dass wir mit den starken Nationen mithalten können. Nun wollen wir die Großen natürlich auch bei der EM ein bisschen ärgern.

Wie lautet das konkrete Ziel?

Wir dürfen in der Vorrunde nicht viele Spiele verlieren, um eine möglichst gute Ausgangsposition für das Achtelfinale zu haben. Denn wir möchten unbedingt ins Viertelfinale einziehen, komme was wolle.

Alles andere . . .

. . . wäre dann eine willkommene Zugabe.

Sie gelten als Zuspielerin der Zukunft im deutschen Volleyball, sind aktuell im Nationalteam aber die Nummer zwei hinter Denise Hanke. Können Sie damit leben?

Natürlich, und das sogar sehr gut.

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Warum?

Erstens hatte ich in diesem Sommer bei den Turnieren relativ viele Spielanteile, das hat mich sehr gefreut.

Und zweitens?

Kann ich bei der Nationalmannschaft sehr viel lernen. Zum einen von Denise Hanke, die enorm erfahren ist. Und zum anderen dadurch, dass es – anders als mitten in einer Bundesliga-Saison – im Sommer auch die Möglichkeit für sehr viele individuelle Trainingseinheiten gibt. Das ist für die persönliche Weiterentwicklung sehr hilfreich.

Sie werden also noch stärker nach Stuttgart zurückkommen?

Das hoffe ich (lacht).

Wann waren Sie zuletzt in Stuttgart?

Seit der Meisterschaftsfeier nur einmal. Auf eine ganz kurze Stippvisite. Aber ich habe viel Kontakt, vor allem mit Annie Cesar.

Wenn Sie Mitte September zum Team stoßen, erwarten Sie viele neue Gesichter.

Stimmt, ich kenne kaum eine meiner künftigen Mitspielerinnen.

Ist das ein Problem?

Ich denke nicht. Unser Trainer Giannis Athanasopoulos hat mir gesagt, dass es allesamt gute Charaktere seien. Ich denke, dass auch die nächste Saison richtig cool wird.

Und ähnlich erfolgreich wie zuletzt?

Das kann man jetzt noch nicht sagen. Allerdings bin ich sicher, dass wir, was das Leistungspotenzial angeht, sehr gut aufgestellt sein werden.

Obwohl es ausgerechnet auf Ihrer Position eine gravierende Veränderung gab: Kathleen Weiß, die 311-malige Nationalspielerin, bat den Verein kurzfristig aus beruflichen Gründen um die Vertragsauflösung.

Dazu will ich mir kein Urteil erlauben, weil ich die Hintergründe nicht kenne.

Der Plan war, dass Sie von der Erfahrung Ihrer Kollegin profitieren sollen.

Natürlich wäre es für mich eine gute Konstellation gewesen, zusammen mit Kathleen Weiß in einem Team zu spielen. Doch mehr kann ich dazu nicht sagen, auch weil ich die nun verpflichtete türkische Zuspielerin Cansu Aydinogullari nicht kenne.

Anfang Mai endete das Meisterschaftsfinale, seither sind Sie mit dem Nationalteam unterwegs. Wie sehr geht das an die Substanz?

Ich hatte mal nach der Nations League ein paar Tage frei, da habe ich die mega Stimmung bei der Beach-WM in Hamburg genossen. Und vor dem Beginn der EM-Vorbereitung hatte ich eine Woche Urlaub. Nur wenig Erholungsphasen zu haben, das kann man schon wegstecken, wenn man jung ist.

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Grundsätzlich . . .

. . . ist unser Terminkalender aber zu voll, das stimmt schon. Doch als Spielerin hat man darauf wenig Einfluss.

Zuletzt hat Abwehrchefin Lenka Dürr mit 28 Jahren aufgrund der Doppelbelastung ihre Karriere in der Nationalmannschaft beendet. Auch deshalb hat das deutsche EM-Team ein Durchschnittsalter von nur noch 23,7 Jahren.

Natürlich sind uns einige Teams aktuell nicht nur in puncto Athletik und Körpergröße voraus, sondern auch, was die Erfahrung angeht. Trotzdem glaube ich, dass wir einen ganz guten Mix haben. Und natürlich eine sehr gute Perspektive. In den nächsten Jahren wird mit uns zu rechnen sein.

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Auch schon 2020 bei den Olympischen Spielen in Tokio?

Es ist mein großer Traum, einmal bei Sommerspielen dabei zu sein – und in der aktuellen Olympia-Qualifikation haben wir ja noch eine Chance.

Im Januar wird bei einem kontinentalen Turnier noch ein Ticket an ein europäisches Team vergeben. Wie groß ist die Hoffnung, dass das deutsche Frauen-Nationalteam erstmals seit 2004 wieder die Olympia-Quali schafft?

Es wird auf jeden Fall sehr, sehr schwer.

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