Bienen finden hierzulande immer weniger Nahrung. Foto: z/Pro Biene

Vielen Insekten geht es schlecht, die Artenvielfalt ist bedroht. Ein Volksbegehren soll den Tieren helfen. Initiator ist das gemeinnützige Institut Pro Biene. Wir haben mit einem der beiden Geschäftsführer über die Hintergründe gesprochen.

Möhringen - Seit Februar ist das Freie Institut für ökologische Bienenhaltung, Pro Biene, in Möhringen beheimatet. Nun bereitet die gemeinnützige Einrichtung ein Volksbegehren vor, um die Brummer zu retten. Wir haben mit dem Geschäftsführer Tobias Miltenberger darüber gesprochen.

Herr Miltenberger, wie kamen Sie zur Biene?

Ich bin bei einem Aufenthalt in Südamerika Ende der 1990er Jahre auf die Biene gestoßen, und von da an hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Das Zusammenspiel des Gesamtorganismus’ hat mich fasziniert, die Verbindung mit dem ökologischen Kreislauf. An der Biene kann man ablesen, wie es der Umwelt geht. Und zurzeit ist das kein schönes Bild. Der Biene und der Umwelt geht es schlecht. Die Insekten leiden unter Futtermangel, Stress und verschiedenen Krankheiten.

Damit sind wir bei dem „Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt in Baden-Württemberg“, das von Ihrem Institut derzeit vorbereitet wird. Wie kam es dazu?

Unser Institut ist in ganz Süddeutschland unterwegs. In Vorträgen informieren wir über die Biene und ihr Lebensumfeld. Dabei merken wir, dass sich viele Menschen mit der Frage beschäftigen, ob unsere heutige Lebensweise noch zukunftsfähig ist. Die Zeit ist also reif. Ein entsprechendes Volksbegehren in Bayern war schon sehr erfolgreich. Jetzt wollen wir es auch in Baden-Württemberg probieren.

Was genau sind Ihre Forderungen?

Das Volksbegehren soll die lobenswerten Ziele der Landesregierung zum Naturschutz, Ökolandbau und Landwirtschaft stärken und weiterreichende Ziele einbringen. Wir wollen 50 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2035. Außerdem soll die gesamte Staatsfläche ökologisch bewirtschaftet werden. Die eingesetzte Pestizidmenge soll bis 2025 halbiert werden. Verschiedene Biotope müssen miteinander verbunden werden, zum Beispiel mit Grünstreifen, damit sich die Arten durchmischen. Wir brauchen eine Extensivierung der Wiesenbewirtschaftung, also mehr blühende Wiesen. Die Forschung und Bildung zur ökologischen Landwirtschaft und zum Naturschutz muss intensiviert werden. Und das Land soll einen jährlichen Bericht zur Artenvielfalt abgeben.

Was bringt so ein Volksbegehren?

Im Erfolgsfall sehr viel. Unser Ziel ist es ja, dass die von uns formulierten Forderungen im Gesetz fixiert werden. Damit hätten sie eine sehr hohe Verbindlichkeit.

Wie ist die Resonanz auf Ihre Initiative?

Sehr positiv. Wir konnten den Anbauverband Demeter als ersten Unterstützer gewinnen. Ihm sind mehr als 500 landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg angeschlossen. Derzeit arbeiten wir zusammen mit Juristen an konkreten Formulierungen für das Naturschutzgesetz. Natürlich brauchen wir in dieser Vorbereitungsphase noch viele ideelle und finanzielle Unterstützer. Alle sind eingeladen, sich dieser Allianz anzuschließen. Auf der Internetseite www.artensterben-stoppen.de kann man unseren Newsletter abonnieren und auch spenden.

Was kann jeder Einzelne tun, um den Bienen zu helfen?

Wer den Bienen helfen will, sollte biologische Lebensmittel konsumieren. Denn die wurden ohne den Einsatz von Pestiziden hergestellt, und das befördert den Artenreichtum. Wer einen eigenen Garten hat, kann natürlich auch dort mit einer entsprechenden Gestaltung schöne Lebensräume für Insekten schaffen. Und natürlich kann jeder Einzelne für gemeinnützige Institutionen wie unsere spenden.

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