Voith steht vor einem Konzernumbau. Foto: dpa

Seit Jahren sinkt das Geschäft mit Papiermaschinen, jetzt reagiert der Anlagenbauer Voith mit einer Radikalkur: Der Heidenheimer Konzern will Werke schließen und weltweit 1600 Stellen streichen.

Heidenheim - Massive Einschnitte beim Maschinenbauer Voith: Das Heidenheimer Unternehmen will mehrere Standorte schließen und weltweit 1600 Stellen streichen, 870 davon in Deutschland. Außerdem will sich das Unternehmen von der Sparte Industriedienstleistungen trennen - 18.000 Mitarbeiter sind davon betroffen, fast die Hälfte aller Voith-Mitarbeiter.

„Unsere Gremien haben heute einem ganzen Bündel an Maßnahmen zugestimmt, die einschneidend, teilweise schmerzhaft, aber notwendig sind“, teilte Konzernchef Hubert Lienhard am Montag mit.

Marktvolumen halbiert

Das Heidenheimer Unternehmen wird schon länger belastet durch die Digitalisierung und der damit verbundenen Flaute beim Geschäft mit Papiermaschinen. „Das Marktvolumen hat sich in den letzten Jahren halbiert“, sagte Lienhard. Seit 2012 sind in dem Bereich bereits rund 1200 Stellen weggefallen.

Insgesamt sollen bei Voith Paper nun weitere 1000 Stellen gestrichen werden: Die Standorte Krefeld in Nordrhein-Westfalen und Neuwied in Rheinland-Pfalz werden komplett dicht gemacht, in Ravensburg wird die Fertigung geschlossen, am Standort Heidenheim der Stahlbau und die mechanische Fertigung eingestellt. Die Maßnahmen sollen bis Ende September 2016 abgeschlossen sein.

Voith strafft Verwaltung

Daneben will Voith die Verwaltung bündeln und dort weitere Hunderte Stellen einsparen. Lienhard rechnet mit betriebsbedingten Kündigungen. „Alles andere wäre, ich würde fast sagen: nicht seriös“, sagte der Konzernchef. „Wir müssen jetzt in Gespräche eintreten. Das werden keine einfachen Gespräche sein.“

Die Heidenheimer wollen auch die Sparte Industriedienstleistungen abstoßen, um nach eigenen Angaben die Weichen für das digitale Zeitalter und die „Industrie 4.0“ zu stellen. Das Geschäftsmodell der Sparte unterscheide sich zu sehr vom Rest des Konzerns. „Wir wollen uns zu unseren Wurzeln zurückbewegen“, sagte Lienhard. Vom Verkauf des Konzernbereichs sind weltweit rund 18.000 Mitarbeiter betroffen, fast die Hälfte aller Voith-Beschäftigten. Man suche einen neuen Eigentümer, der den Mitarbeitern gerecht werde, sagte Sprecher Lars Rosumek.

Die Mitarbeiter erfuhren von den Einschnitten und Veränderungen am Montag bei einer Betriebsversammlung auf dem Werksgelände in Heidenheim. „Es war erschreckend“, sagte Ralf Willeck von der IG Metall Heidenheim und berichtet von einer „regelrechten Schockstarre“ in der Belegschaft. Voith wolle sich mit den Maßnahmen von seiner Kernkompetenz - der Fertigung - verabschieden. „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, sagte Willeck.

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