Lissy und Egon Haag in einem der Räume ihres Ladens – zu entdecken gibt es überall etwas. Foto: Fritzsche

Im „Vergiss mich nicht“-Laden in Filderstadt lässt es sich herrlich stöbern. Auch die Pandemie tut dem keinen Abbruch. Bei Lissy und Egon Haag landen allerlei Lieblingsstücke, und die seien höchst begehrt.

Bernhausen - Unverkäuflich ist im Laden nur eines, und das ist Lilli. Lilli sitzt im Schaufenster und hat je nach Jahreszeit etwas anderes zu tun – in der Vorweihnachtszeit backt sie Plätzchen, zu Ostern schmückt sie Eier. „Schon viele Leute wollten unsere Lilli-Puppe kaufen“, sagt Lissy Haag und lacht. „Aber sie bleibt hier, sie ist fester Teil meiner Schaufensterdekorationen.“

Um die kümmert sich Lissy Haag mit großer Hingabe – schließlich gibt es viele unterschiedliche Dinge zu kaufen, und die wollen nett hergerichtet sein: Teeservice und Suppenschüsseln, Spielzeug und Bücher, Töpfe und Vasen, Bilderrahmen und Tierfiguren. „Vergiss mich nicht“ heißt der kleine Laden an der Nürtinger Straße, und darin verkaufen Lissy Haag und ihr Mann Egon alles, was zu schade zum Wegwerfen ist. Haushaltsauflösungen, Entrümpelungen und Renovierungen machen sie mit ihrer Dienstleistungsfirma. Alles, was noch gut ist, kommt in den Laden. „Oft sagen die Leute: Hier, das Geschirr von der Oma, das ist zu schade für den Müll“, sagt Lissy Haag. Mittlerweile hat sie ein gutes Gespür dafür entwickelt, was gut in den Laden passt und was nicht. „Wir wissen, was die Leute wollen, aber wir gehen auch davon aus, was uns gefällt.“

„Wir haben viele Stammkunden, die regelmäßig kommen und schauen, was es Neues gibt“, erzählt Egon Haag. „Wir machen den Laden einen Samstag im Monat auf, dabei wird gut die Hälfte von dem, was da ist, verkauft – kommt man also häufiger zu uns, gibt es immer wieder Neues zu entdecken.“ Dank der Corona-Vorschriften muss man sich zwar derzeit für den Ladenbesuch anmelden, und es sind nur zwei Kunden gleichzeitig im Laden erlaubt – die Anmeldeliste für den Septembertermin ist schon voll.

Wegen Corona nur mit Anmeldeliste

Und die Kunden, die sind ebenso vielfältig wie das Angebot: „Wir haben junge Leute, die ihren ersten eigenen Haushalt einrichten“, erzählt Lissy Haag, „oder Leute, die ein ausgefallenes Geschenk suchen, oder Sammler auf der Suche“. Eine Frau habe einmal freudestrahlend mehrere weiße Teller mit Goldrand gekauft: „Sie hat erzählt, dass das ihr Hochzeitsservice war, ihr sind Teller kaputtgegangen, und genau dieses Design wird nicht mehr hergestellt.“ Ihr Mann nickt und deutet auf das Schild hinter der Kasse, darauf steht: „Wir haben alles, was Sie brauchen, und was wir nicht haben, brauchen Sie nicht.“ Was nicht mehr schön ist, wird wieder schön gemacht – gestrichen, kurz repariert oder zu etwas Neuem gemacht: „Meine Schwester macht aus Einzeltellern Etagèren, die man hier kaufen kann“, erzählt Lissy Haag, „das sind alles Unikate“.

Der Laden als Begegnungsstätte

Auf ihr Lieblingsstück im Laden angesprochen, muss sie überlegen, schließlich sagt sie: „Es gibt eigentlich keines, es sind so vieles Lieblingsstücke.“ Genau so hat es auch mit dem Laden angefangen, die Firmenlager waren voll, und schließlich sagte der Nachbar der Haags: Ich hab einen leer stehenden Laden, den nehmt ihr. Erst wenn es läuft, zahlt ihr Miete dafür. „Angefangen haben wir beim Bärenfest 2014“, erinnert sich Egon Haag, „und das hat gleich eingeschlagen“. Mittlerweile bezahlen sie Miete für den Laden – „die Lage ist ja auch super“, sagt Lissy Haag, „wenn die Leute mit dem Auto von Stuttgart kommen und an der Ampel stehen, schauen sie direkt auf den Laden drauf“.

Eigentlich, meint Egon Haag, eigentlich sei der Laden fast eine kleine Begegnungsstätte, „man kommt herein, schaut sich um, schwätzt ein bisschen, trinkt einen Kaffee mit uns“. Natürlich ist das aktuell aufgrund der Pandemiebedingungen anders, aber es würden auch wieder andere Zeiten kommen, sagen die Haags. Andere Zeiten – und andere Teller mit Goldrand.

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