Florian Schroeder wurde auf die Querdenken-Demo nach Stuttgart eingeladen. Die Gelegenheit ließ er sich nicht entgehen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Als Comedian ist es Florian Schroeder gewohnt, das Publikum hinter sich zu wissen. Auch beim Auftritt auf der „Querdenken“-Demo wird geklatscht, bis die Stimmung kippt. In einem Video erklärt der Kabarettist die Zusammenhänge.

Stuttgart - Nein, wie ein „Messias“ sieht Florian Schroeder nun wirklich nicht aus bei seinem Auftritt im Stuttgarter Stadtpark. Die Krawatte eng um den Hals, das dunkle Jackett zugeknöpft, steht er auf der Bühne im Schlossgarten und erinnert eher an einen Filialleiter oder den herausgeputzten Taufpaten. Jubel brandet auf, denn Schroeder ist vielen auf dem Rasen vor der Bühne schon bekannt. Ein Kabarettist aus dem Fernsehen, ein Mann, er sich erst vor kurzem im NDR mit Verschwörungstheorien auseinandergesetzt hatte, einer von ihnen, dachten sie. Weit gefehlt.

„Die hielten mich für ihren Messias, für einen Überläufer“, sagt Schroeder am Montag der dpa. Warum? Er sei vor einigen Wochen im NDR mal in die Rolle eines Verschwörungsideologen geschlüpft, erzählt der gebürtige Lörracher. Allerdings habe sich die „Querdenken“-Szene leiten lassen von einem Youtube-Video, in dem die satirische Auflösung des NDR-Auftritts fehle.

In dem Video erzählt Florian Schroeder, warum er nach Stuttgart kam:

Lange habe er gezögert und dann entschieden, die Einladung zur Demo anzunehmen und das Thema Meinungsfreiheit anzusprechen. „Es ist die Pflicht eines Satirikers in dieser Zeit, genau so eine Aktion zu nutzen, um damit ein Stück Aufklärung zu betreiben“, sagte Schroeder im Interview. Der 40-Jährige wirbt vehement dafür, Gegner der Auflagen und Anhänger oft wirrer Theorien nicht auszugrenzen. „Es reicht nicht, immer nur den eigenen Chor zu befriedigen und vor ihm zu predigen“, sagt Schroeder. „Es geht darum, sich auseinanderzusetzen und auch mal in so eine Welt einzudringen. Das einzige, was hilft, ist hinzugehen und inhaltlich zu reden.“

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„Wo sind die Intellektuelln, die Position beziehen?“

Schroeders Zielgruppe sind nicht die strikten Verweigerer, die überzeugten Impfgegner und Bill-Gates-Hasser, die den Milliardär persönlich als Verursacher und Profiteur der Pandemie angreifen. „Es gibt einen engen Kreis zutiefst überzeugter, die nicht belehrt werden können“, sagt der Comedian, dessen Video des Stuttgarter Auftritts auf Youtube vielzählige Aufrufe hat. „Aber es gibt um diesen Kern herum eine viel größere Gruppe von Menschen, die nicht zu Demos gehen und die unsicher sind. Eine Fraktion Man-weiß-nicht-so-genau. Und die kann man vielleicht überzeugen.“

Das werde allerdings nur gehen, wenn sich auch andere Schauspieler, Kabarettisten oder populäre Politiker auf die Bühnen und in die Debatten trauen, räumt Schröder ein und wirbt: „Wo sind die Intellektuellen, die auch rausgehen, Position beziehen und die Aufteilung nach Wir und Die aufgeben?“ Er selbst werde sicher nicht erneut bei „Querdenken“ auftreten - oder auftreten dürfen, nachdem er bereits am vergangenen Samstag auf der Stuttgarter Bühne der Demonstranten „die Grenzen ihrer Meinungsfreiheit“ ausgetestet hatte.

Initiator interpretiert Auftritt als Beweis für Meinungsfreiheit

Querdenken-Initiator Michael Ballweg interpretiert den Auftritt Schroeders trotz des Pfeifkonzerts rückwirkend als einen Beweis, dass seine Bewegung auch andere Meinungen dulde. „Ein sehr mutiger Auftritt und eine erste Annäherung der Medien“, heißt es zudem auf dem Youtube-Auftritt der Initiative, die das Video vom Schroeder-Auftritt postete. „Der Kontrast hätte größer nicht sein können - aber der erste Schritt ist gemacht.“

Hinter der Bühne habe sich Ballweg auch noch von ihm verabschiedet, sagt Schroeder. „Ohne Händedruck natürlich, das gehört sich auch nicht in diesen Zeiten.“ Aber dem IT-Unternehmer sei sicher auch nicht danach gewesen.

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