Martin Harnik ist wieder da, war auch am Sonntag beim Training voll dabei. Wir haben die Bilder zu der Einheit. Foto: Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart kann bald wieder auf seine Langzeitverletzten Daniel Ginczek und Martin Harnik setzten. Die beiden Offensivkräfte schuften im Trainingslager im Zillertal an ihrem Comeback.

Der VfB Stuttgart kann bald wieder auf seine Langzeitverletzten Daniel Ginczek und Martin Harnik setzten. Die beiden Offensivkräfte schuften im Trainingslager im Zillertal an ihrem Comeback.

Mayrhofen
- Es ist sicher noch niemand Fußballprofi geworden, um den Tag um 7.30 Uhr mit Aquajogging zu beginnen. Das Leben hat Daniel Ginczek gerade um diese Erfahrung reicher gemacht. An der Seite von Reha-Coach Christos Papadopoulos absolviert er im Trainingslager im Zillertal täglich zwei Stunden Knietherapie, zu der auch das unliebsame Unterwasserstrampeln gehört. Die restliche Zeit verbringt der Neuzugang vom 1.FC Nürnberg auf dem Fahrrad oder mit Stabilisationsbändern, derweil seine Teamkameraden den üblichen Trainingsspielchen nachgehen. „Als Verletzter machst du einen Fulltime-Job“, sagt der 23-Jährige und schaut bedröppelt zu Boden.

Als Sauerländer ist er es jedoch gewohnt, den Kopf oben zu halten, auch wenn es mal zieht. Im Februar hat er sich das Kreuzband im rechten Knie gerissen. Dafür, dass der VfB ihn, den Schwerverletzten, im Sommer trotzdem an den Neckar gelotst hat, empfindet er große Dankbarkeit. Wobei Konkurrenten trotzdem Schlange standen: Hoffenheim, Bremen, der HSV, Frankfurt und Hertha wollten ihn haben, am Ende gab VfB-Trainer Armin Veh den Ausschlag.

Schon vier Stationen

Dass er bei den Fans als vielversprechendster Neuzugang gilt, spornt ihn umso mehr an. Auf dem Wasen will Ginczek endlich durchstarten. Bisher hat er es noch nicht über den Status des vielversprechenden Talents hinaus geschafft. Und das, obwohl er mit Dortmund, Bochum, St. Pauli und Nürnberg in seiner noch jungen Karriere auch schon vier Stationen hinter sich hat.

Beim VfB wird er, wenn er wieder fit ist (angepeilt wird das Dortmund-Spiel Ende September), die Nummer 33 tragen. Wie einst Mario Gomez. Parallelen zu dem früheren VfB-Star sind nicht von der Hand zu weisen: die kantige Statur, die Wucht, der Drang zum Tor. „Wenn ich halb so viele Tore mache wie er, wäre das schon eine gute Karriere“, gibt sich Ginczek bescheiden.

Er scheint auf einem guten Weg, nicht nur mit seinem Knie. Auch vom Kopf her. Früher, gibt der frisch gewordene Vater zu, habe er oft gedacht, es genügten auch 90 Prozent. Ein Asket war er auch nicht gerade. Das Gegenteil habe ihn nun seine Verletzung gelehrt, ist sich Ginczek sicher. „Papa (gemeint ist Coach Papadopoulos) hat zu mir gesagt, dass ich nach der Verletzung stärker zurückkommen werde.“

Jetzt ist Harnik wieder fit

Gleiches kann auch der zweite Langzeitverletzte im VfB-Team von sich behaupten: Martin Harnik. Er ist tatsächlich stärker zurück – zumindest körperlich. Die schmale Brust ist um einige Zentimeter gewachsen, was der an der Schulter Operierte auf ein spezielles Muskelfunktionstraining zurückführt. Dabei geht es nicht darum, „die Muckis aufzublasen“, wie Harnik sagt, sondern den Oberkörper und den Rumpfbereich zu stabilisieren. Das war sein Job in den vergangenen Monaten, nachdem er sich im April die Schulter ausgekugelt hatte. Anfang Mai wurde der Österreicher operiert, jetzt ist er wieder fit.

Beim Testspiel am Samstag gegen die Türken von Eskisehirspor traten die üblichen Defizite nach so einer langen Verletzung aber offen zutage. Mit der Ballsicherheit war es nicht weit her, dem 27-Jährigen versprangen laufend die Bälle, und das lag nicht am holprigen Grund. „Völlig egal“, urteilte Armin Veh, „wichtig bei Martin ist mir seine Leidenschaft.“ Die brachte der Österreicher in gewohnter Manier auf den Platz, schließlich gelang ihm beim 2:1-Sieg sogar ein Tor.

Harnik hofft auf ruhigen Start

Wo es diese Saison mit dem VfB hingeht? Allein Harniks Blick verrät, dass er auf noch so ein Jahr wie das letzte keine Lust mehr hat. Eine ganz normale Spielzeit, die im Mittelfeld endet, wäre mal ganz schön. Er, der den Verein besser kennt als die meisten seiner Mitspieler und interne Missstände gern offen anspricht, glaubt den Club aus Cannstatt auf einem guten Weg zu wissen. „Wenn wir einen ordentlichen Start erwischen und nicht gleich wieder Panik ausbricht, kann sich vieles nebenher in Ruhe entwickeln. Das wäre wichtig“, sagt Harnik.

Dass die ersten Gegner Mönchengladbach, Köln und der FC Bayern keine Garanten für viele Punkte sind, ficht den österreichischen Nationalspieler nicht an. „Das kommt uns entgegen“, glaubt er. „Und die Bayern, die sind jetzt endlich mal fällig.“ Keine Frage: Harniks Selbstbewusstsein hat durch seine Verletzung nichts eingebüßt . . .

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