Gibt dem VfB Halt in der Defensive: Carlos Gruezo (re., mit Hannovers Ya Konan) Foto: dpa

Mit einem Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg beseitigt der VfB Stuttgart an diesem Samstag alle Zweifel am Klassenverbleib. Womöglich reicht sogar ein Unentschieden oder eine Niederlage.

Stuttgart - Zwei Tage lang mussten sie beim VfB zittern, zwei Tage zwischen Hoffen und Bangen. Jetzt steht fest: Nach dem Tabellenletzten Eintracht Braunschweig und dem -vorletzten 1. FC Nürnberg hat auch der Hamburger SV als Drittletzter der Mannschaft von Trainer Huub Stevens einen Gefallen getan und am Wochenende verloren. Mit dem direkten Abstieg hat der VfB nach menschlichem Ermessen nichts mehr zu tun. Und auch die Relegation muss er nur noch bedingt fürchten. „Das war ein sehr gutes Wochenende für uns“, sagte Sportdirektor Fredi Bobic am frühen Sonntagabend, nachdem er Hamburgs 1:3-Niederlage beim FC Augsburg im Fernsehen verfolgt hatte.

Braunschweig ist abgeschlagen, und der 1. FC Nürnberg hat zwei Spieltage vor Saisonende nicht nur sechs Punkte weniger, sondern aufgrund des um 17 Treffer schlechteren Torverhältnisses auch nur noch theoretische Chancen, den VfB einzuholen. Selbst der HSV, der den Relegationsplatz belegt, ist bei fünf Punkten Rückstand und einer um neun Treffer schlechteren Tordifferenz schon deutlich im Hintertreffen. „Im Nachhinein war unser Punkt beim 0:0 in Hannover richtig wichtig“, sagte Bobic. „Wir hatten gehofft, dass die anderen Spiele genau so enden, wie sie geendet haben“, sagte Innenverteidiger Antonio Rüdiger, „so bleiben wir voll im Rennen.“

Im Rennen um den letzten Nichtabstiegsplatz. Im Ringen um die Rettung.

Wie die vollends gelingen soll? Ganz einfach, wenn es nach Fredi Bobic geht: „Wir schlagen Wolfsburg und sind durch.“ Dass die Truppe von Trainer Dieter Hecking am Samstag vor eigenem Publikum nur zu einem 2:2 gegen den SC Freiburg gekommen war, verdrießt Bobic die Laune nicht: „Auch nach einem Sieg hätte Wolfsburg gegen uns voll Gas geben müssen, weil sie die Champions League und Platz vier erreichen wollen.“ Was VfL-Trainer Dieter Hecking, der sich den VfB am Freitag beim 0:0 in Hannover live im Stadion zu Gemüte führte, nur bestätigt: „Ich will den maximalen Erfolg“, sagt er nach erfolgreicher Europa-League-Qualifikation, „wenn ein Ziel erreicht ist, hat man sofort das nächste im Blick. Wir haben noch viel Dampf im Kessel.“ Was heißen soll: Der VfB muss sich warm anziehen.

Der Kampf ist eröffnet, zumindest mit Worten. „Wir tun uns gegen Wolfsburg leichter“, entgegnet Sven Ulreich, „weil sie nicht wie Hannover hinten drin stehen, sondern in der Offensive stärker sind. Gegen solche Mannschaften können wir unsere Konterstärke besser ausspielen.“

Was hinzukommt: Der VfB ist in der Defensive ungleich stabiler geworden. „Die Abwehr ist in Hannover bombensicher gestanden, und die Vorderleute im Mittelfeld haben gut aufgeräumt“, freut sich Bobic. Seit vier Spielen ist der VfB ungeschlagen, und es ist kein Zufall, dass Carlos Gruezo in diesen Spielen einen Platz in der Stammelf erobert hat – als Puffer vor der Abwehr. Das ist aus zwei Gründen erstaunlich: Zum einen ist der Neuzugang aus Ecuador gerade erst 19 Jahre alt geworden, zum anderen spricht er erst bruchstückhaft Deutsch.

„Carlos“, staunt Ulreich, „ist immer in Bewegung, er ist immer am Mann. Und er hat ein brutales Auge für das, was in seinem Rücken abläuft und wie sich die Gegenspielen bewegen.“ Kurz: Gruezo entgeht nichts – diese Absicherung tut dem VfB gut.

Zudem ist es Huub Stevens gelungen, in jedem seiner Spieler die Sinne für die Defensivarbeit zu schärfen. „Seit er da ist, stehen wir in der Abwehr viel besser“, sagt Daniel Didavi. Auffällig ist, dass die Innenverteidiger Rüdiger und Georg Niedermeier ruhiger als früher agieren. „Die zuverlässige Defensivarbeit aller ist wichtig für den Kopf“, sagt Ulreich, „individuelle Fehler sind meist eine Kopfsache. Jetzt merken wir einfach, dass wir in den Zweikämpfen drin sind.“

Das muss die Mannschaft gegen den VfL Wolfsburg bestätigen. Und wer weiß: Wenn der HSV am Samstag gegen Bayern München verliert, ist der VfB sogar im Falle einer Niederlage gerettet. „Ich würde nicht darauf setzen, dass andere uns helfen“, sagt Fredi Bobic, „nein, wir haben es selbst in der Hand. Auf jeden Fall wird es spannend, weil alle Spiele zeitgleich stattfinden.“

Das glaubt auch Ibrahima Traoré, der einen weiteren Vorteil ausgemacht hat: „Die anderen haben auch Druck“, sagt der Mittelfeldmann mit Blick auf den HSV. Und zwar einen ungleich größeren als der VfB.

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