Blickpunkt Ball: VfB-Stürmer Daniel Ginczek will hoch hinaus, sucht aber noch seine Form. Foto: Baumann

Beim VfB Stuttgart ruhen viele Hoffnungen auf Daniel Ginczek, doch der Stürmer kommt nicht in Schwung. Vor dem Pokalspiel beim 1. FC Kaiserslautern kämpft der Fußballprofi nun um seine Einsatzzeiten.

Stuttgart - Das Warten dauert nun schon wieder 24 Tage. Gemessen an den Wochen und Monaten, die sich der häufig verletzte Daniel Ginczek in seiner Fußballerkarriere bereits hat gedulden müssen, ist das nicht besonders lang. Für den Vollblutstürmer aber zu lang. Er fühlt sich fit. Er platzt schier vor Tatendrang. Und am 30. September ist es für Ginczek dann auch endlich so weit gewesen. Er stand wieder in einer Bundesliga-Startelf, nicht gegen die Würzburger Kickers in Liga zwei. Sondern genau da, wo der Angreifer des VfB Stuttgart mit seiner Klasse hingehört, wie er findet.

Doch von der Begegnung bei Eintracht Frankfurt ist zum einen die bittere 1:2-Niederlage für die Mannschaft geblieben und zum anderen für ihn persönlich dieser vermaledeite Augenblick aus der Nachspielzeit, als seine Kopfballabwehr verrutschte und Sebastien Haller spektakulär den Siegtreffer erzielte. „Er hatte zuletzt ein paar unglückliche Szenen“, sagt der Trainer Hannes Wolf. Damit lässt sich höflich umschreiben, dass Ginczek nach einer erneuten Verletzungspause zu Rundenbeginn noch seine Form sucht.

Fünf Wochen plagte ihn ein Knochenödem am Knie. Keine große Sache in der prall gefüllten Patientenakte, aber eine, die den 26-Jährigen daran hinderte am Mannschaftstraining teilzunehmen. Und ein Signal zu hoher Belastung, denn seit Ginczeks Ankunft in Stuttgart im Sommer 2014 begleitet ihn die Frage, ob sein Körper mitspielt. „Da ist es nicht so einfach, wieder in den Rhythmus zu kommen“, sagt Wolf. Drei Ligaeinsätze (119 Minuten) weist Ginczeks Saisonstatistik deshalb erst auf. In den Kernrubriken eines Stürmers steht jeweils nur die Null: Ginczek hat bislang weder ein Tor erzielt noch eines vorbereitet. Und er will es doch sehr.

Ginczek will ein Tor erzwingen

Das scheint nun vor dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch (18.30 Uhr) beim 1. FC Kaiserslautern das Problem zu sein. Ginczek war in den Trainingseinheiten nach dem Frankfurt-Frust so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihm der Blick für das Ganze abhanden kam. Er wollte seine Erfolgserlebnisse erzwingen. Erst im Training, dann am liebsten im Spiel.

Doch Verbissen- statt Leichtigkeit tut selten gut. Gegen den 1. FC Köln (2:1) wurde Ginczek anschließend nur zehn Minuten eingewechselt, bei RB Leipzig (0:1) zuletzt gar nicht mehr. Das lässt sich aus dem Spielverlauf erklären, da Wolf mit dem frühen Ausfall von Defensivmann Dennis Aogo schnell einer Wechselmöglichkeit beraubt war, und später entschied sich der Coach für Chadrac Akolo und Josip Brekalo, um die Schlussoffensive einzuleiten.

Klar, Akolo ist mit drei Treffern der beste VfB-Torschütze, und Brekalo sollte Schwung über den rechten Flügel bringen. Für den wuchtigen Mittelstürmer blieb da kein Platz, obwohl die beiden anderen unter der Woche gekränkelt hatten. Was Gin­czeks Stimmung nicht hebt und den Teamfrieden gefährdet, wenn der Angriffshüne öfter tatenlos zuschauen muss. Weil er unzufrieden ist und sieht, dass es Tore braucht, und weil er auch sieht, dass Simon Terodde diese im Gegensatz zur Vorsaison nicht liefert. Das könnte also sein Moment sein. Nach ewiger Leidenszeit und diversen Comebacks. Aber er ist es nicht.

Ginczek benötigt Spielpraxis

Noch nicht vielleicht, da Wolf bei dem Stürmer wieder eine Steigerung im Training erkennt und Ginczek damit eines der Leistungskriterien erfüllt, die eine Aufstellung auf dem Betzenberg rechtfertigen. Anderseits könnte man die Begegnung mit dem Zweitligisten ja als willkommene Gelegenheit betrachten, um Aufbauhilfe zu leisten. So sehen es viele Fans. Ihr Liebling benötigt Spielpraxis und muss Vertrauen spüren, um wieder der alte „Ginni“ zu werden. Jener Spieler, der im Kampf gegen den Abstieg 2015 mitriss. Jener Stürmer, der im letzten Saisonspiel in Paderborn ein Tor für die VfB-Geschichtsbücher erzielte, da es damals den Klassenverbleib bedeutete.

Seither ist Ginczek der Spieler einer stillen Sehnsucht in Stuttgart. Er erinnert an einen emotionalen Höhepunkt – und seine einstigen Heldentaten werden in die Zukunft projiziert. Mit einem gesunden Gin­czek sollte alles besser werden. Was sich im Stadion immer Bahn bricht, wenn er sich von der Bank erhebt und zum Warmlaufen begibt. Dann wird es in der Fankurve laut.

Doch Wolf kennt diesen Ginczek, der in das Blickfeld der Nationalelf gestürmt war, nicht. Er kennt einen Ginczek, der sich in der vergangenen Rückrunde trotz seines persönlichen Ehrgeizes in den Dienst der Mannschaft stellte. 17-mal wurde er eingewechselt. Ohne zu murren, auch wenn es in ihm grummelte. Doch diesmal dürfte Gin­czeks Geduld nicht so lange reichen. Er will nicht mehr warten, selbst wenn die 24 Tage eine Länderspielpause beinhalten.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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