Der 1. FC Heidenheim mit Nikola Dovedan (links) kämpft im Duell gegen den SC Paderborn um den Aufstieg Foto: dpa

Das Saisonfinale naht – und damit die mögliche Relegation für den VfB Stuttgart. An diesem Sonntag treffen die möglichen Kontrahenten aus der zweiten Liga in zwei direkten Duellen aufeinander – wir blicken aufs Wochenende der Wahrheit.

Stuttgart - Der souveräne Tabellenführer 1. FC Köln, so scheint es, hat den Aufstieg in der Tasche – dahinter tobt in der zweiten Liga der Kampf um die Plätze. An diesem Sonntag nun gibt es im Aufstiegskampf die ultimative Zuspitzung. Der Tabellenvierte Union Berlin (50 Punkte) empfängt den Zweiten Hamburger SV (53) – und der Dritte SC Paderborn (51) den Fünften 1. FC Heidenheim (49). Die Weichen also werden gestellt. In Richtung direkter Aufstieg, dem Relegationsplatz drei – und den Plätzen dahinter, die nichts einbringen. Auch der VfB Stuttgart, aktuell Drittletzter in Liga eins, dürfte mit Blick auf seine möglichen Relegationsgegner genau hinschauen an diesem Wochenende.

Union Berlin – HSV (Sonntag, 13.30 Uhr): Hört, hört, an der Alten Försterei gab es zuletzt Pfiffe der eigenen Fans. Gegen die eigene Mannschaft des 1. FC Union. Dort, an der Stätte des alternativen Berliner Kultclubs – dort, wo man sich jahrelang gegen die Aussicht eines Aufstiegs wehrte, sind die Erwartungen dann also irgendwann doch mal gestiegen. Selbst bei manchen hartgesottenen Fans, für die die erste Liga früher noch schlimmer gewesen wäre als der Stadtkonkurrent aus dem Westen namens Hertha BSC. Die Vereinsführung von Union jedenfalls hat für diese Saison mal wieder ganz offiziell den Aufstieg als Ziel ausgerufen – und nimmt dafür auch mittelfristig viel Geld in die Hand.

Vor der Saison wurde der Etat von 14,6 Millionen Euro auf 16,3 Millionen Euro erhöht. Außerdem rüsten sich die Berliner mit einem 38,1 Millionen Euro teuren Stadionausbau von 22 012 auf rund 37 000 Plätze für die Zukunft. Allein: sportlich blieb das Team zuletzt fünfmal nacheinander ohne Sieg. Scheitert Union nun erneut und bleibt in Liga zwei, dürften Leistungsträger wie Torhüter Rafael Gikiewicz nur schwer zu halten sein.

Mit solchen Gegebenheiten muss sich auch der Gegner vom Sonntag auseinandersetzen. Nach der bisher völlig verkorksten Rückrunde ist der Aufstieg für den Hamburger SV ernsthaft in Gefahr – sollte es am Ende tatsächlich schiefgehen, hätte das weit reichende Konsequenzen. Die sofortige Rückkehr in die Bundesliga ist für den ehemaligen Dino mit Blick auf das Prestige, finanzielle Mehreinnahmen und die Kaderzusammenstellung alternativlos.

Mit dem Blick auf die Bilanz von 2019 jedoch wird allen HSV-Fans Angst und bange: 16 Punkte aus 13 Spielen, Platz elf in der Rückrundentabelle – das Team und Trainer Hannes Wolf taumeln dem Saisonfinale entgegen. Der HSV patzt regelmäßig gegen die so genanten kleine Teams und findet keine Lösungen. „Wir wissen“, sagt Hannes Wolf, „dass die Rückrunde nicht gut ist, und ich werde das auch nicht schönreden.“

SC Paderborn – 1. FC Heidenheim (Sonntag, 13.30 Uhr): Das Duell des Tabellendritten gegen den Fünften, es ist das Duell der Underdogs, die im Gegensatz zum HSV und Union Berlin wenig zu verlieren haben – aber alles gewinnen können. Die jüngere Geschichte des SC Paderborn etwa liest sich wie ein kleines Märchen. Als Trainer Steffen Baumgart den SC im April 2017 übernahm, war er Vorletzter der dritten Liga. Zwei Jahre später nun klopfen die Ostwestfalen an die Tür zur Bundesliga – was auch mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten eine Überraschung ist. So beträgt der Lizenzspieleretat 6,2 Millionen Euro – das ist weniger als ein Viertel von dem des HSV.

Warum Paderborn trotzdem oben steht? Weil Trainer Baumgart mit seiner Leidenschaft an der Linie den Takt vorgibt, weil er seinem homogenen Team Kampfeswillen und Geschlossenheit eingetrichtert hat. Manager Markus Krösche sagt obendrein: „Steffen hat jeden einzelnen Spieler besser gemacht.“ Allen voran Philipp Klement sticht dabei mit 15 Saisontoren heraus – und steht sinnbildlich für Fluch und Segen der guten Tat: Wie Erfolgsmanager Krösche und Trainer Baumgart ist Klement heiß begehrt in der Bundesliga – selbst im Falles des Aufstiegs droht in Paderborn der Ausverkauf.

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So etwas sind sie in Heidenheim auch ohne Aufstieg schon seit Jahren gewohnt, die kontinuierliche Arbeit des Spielerbessermachers Frank Schmidt weckt Begehrlichkeiten bei anderen Clubs – das war auch vor dieser Saison so, als Heidenheim einige erfahrene Zweitligaprofis ziehen lassen musste. Der 1. FCH träumt aber aktuell mehr denn je vom Aufstieg (oder dem möglichen württembergischen Relegationsduell gegen den VfB Stuttgart) – nur sagen will das auf der Ostalb offiziell niemand.

Alles kann, nichts muss, das ist das Heidenheimer Motto – und Schmidts Team geht nicht nur gelöst, sondern vor allem gestärkt ins Saisonfinale. Seit dem famosen DFB-Pokalauftritt beim FC Bayern München (4:5) läuft es, und der Coach profitiert dabei von der Stärke seines breit aufgestellten Kaders. So kam es, dass sogar die Galionsfigur Marc Schnatterer neulich mal auf der Bank saß. Noch nie übrigens hat Heidenheim in einer Zweitligaspielzeit so viele Punkte gesammelt wie derzeit – es gibt keine Grenze nach oben auf der Ostalb.

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