Michael Reschke hat erste Einblicke gegeben, wie er sich den Job als Sportvorstand des VfB Stuttgart vorstellt. Und er erklärt, warum er sich umstellen muss.

Stuttgart - Wolfgang Dietrich lehnte sich nach vorn, drehte die Handflächen nach oben, und bewegte seine Hände abwechselnd auf und ab. Die Worte, die die Geste des Präsidenten des VfB Stuttgart begleiteten, sollten folgendes sagen: Der Club war immer dann besonders gut, wenn er die richtige Balance fand aus erfahrenen Spielern und hungrigen Talenten. „Das ist der Weg des VfB Stuttgart“, sagte Dietrich am Montag. „Das ist nicht der Weg einzelner Personen, sondern der des Vereins.“ Nun auch der von Michael Reschke.

Der saß neben Dietrich auf dem Podium im Medienraum der Mercedes-Benz-Arena – und so ein bisschen konnte man ahnen, weshalb der 59-Jährige zwar als einer der größten Fachmänner der Bundesliga gilt, er das Licht der Öffentlichkeit bisher aber scheute. Reschke wirkte zunächst angespannt bei seiner Präsentation als VfB-Sportvorstand, Oberlippe und Stirn zierten Schweißperlen, ein Lächeln sah man selten. „Ich will“, sagte er, „erst einmal ankommen.“ Seine Rolle müsse dann noch genau definiert werden, doch zunächst gibt es ja andere Aufgaben zu erledigen.

Rechtfertigung von Schindelmeiser

Bis 31. August können im deutschen Profifußball Transfers getätigt werden, der VfB ist noch auf der Suche nach Verstärkungen – und Reschke nun der entscheidende Mann. Wobei er betont: „Kaderplanung und Marktkenntnis – dieser Bereich ist keine One-Man-Show.“ Da sagt er nichts anderes als sein Vorgänger.

Jan Schindelmeiser war bis zum 4. August der VfB-Sportvorstand, wurde dann freigestellt und äußerste sich just am Tag der Reschke-Vorstellung in einem Interview mit dem „Kicker“. „Beim VfB Stuttgart gibt es nicht einen einzigen Spieler, der nicht als Produkt eines Teamprozesses verpflichtet wurde“, sagte er und rechtfertigte seine Strategie: „Wir haben konsequent das gemacht, was wir seit einem Jahr gesagt haben. Ziel war, Gegenwart und Zukunft miteinander in Einklang zu bringen.“ Reschke, der seinen Dienst am 11. August antrat, hat Schindelmeiser getroffen, schweigt aber über die Inhalte des „vertraulichen“ Gesprächs.

Reschke glänzt mit Fachwissen

In einem sind sich beide einig: Dass es eine Herausforderung wird, den VfB in der anstehenden Saison in der Liga zu halten. „Mehrfach täglich“ diskutiert Reschke daher nun mit Chefcoach Hannes Wolf („Ein hervorragender Trainer, die Chemie stimmt“), sondiert den Markt und hat bereits „Ideen davon, was wir machen wollen“. Dass er zuletzt für den FC Bayern in einem ganz anderen Preissegment auf der Suche war, soll da kein Hindernis sein: „Ich habe viele Spiele gesehen.“ Soll heißen: Der Mann kennt sich aus im Markt – was auch im Verlauf des Gesprächs deutlich wird.

Sind Fachkenntnis und Detailwissen gefragt, blüht Reschke auf, berichtet von früheren Transfers, von Schnäppchen und Juniorenspielen, schätzt Entwicklungen ein – zum Beispiel im Fall Ousmane Dembélé („Barcelona und der FC Bayern waren letztes Jahr schon an ihm dran“) – und sinniert über Transferstrategien. Er weiß aber auch: So, wie bisher, kann er als Sportvorstand des VfB nicht mehr arbeiten. „Ich werde deutlich näher an der Mannschaft und am Trainer dran sein“, sagte Reschke, der während der Spiele aber auf der Tribüne sitzen wird. „Ich werde deutlich mehr im Club sein.“ Den Schritt raus aus der reinen Kaderplanung sei er nach drei Jahren beim Rekordmeister bewusst gegangen, umso mehr muss er sich nun perfekt arbeitendes Team aufbauen. Das die VfB-Mannschaft der Zukunft im Gleichgewicht hält.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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