Kopfball ins Glück: Sami Khedira (re.) erzielte im Saisonfinale 2007 den Siegtreffer gegen Energie Cottbus. Foto: Getty

Zu Saisonbeginn 2006/2007 kickte Sami Khedira noch in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart. Am Ende aber holte er seinen ersten großen Titel – und wundert sich noch heute über so manche Begebenheit.

Stuttgart - Nein, eine solche Lage kann man nur schwer voraussehen. Zwecklos ist es, den Umgang damit vorzuschreiben. „Das Spiel gegen Cottbus war für uns ein Finale“, erinnert sich Sami Khedira, „da geht jeder Einzelne anders damit um.“ Der junge Mann, der später Titel am Fließband sammelte, würde wohl lügen, wenn er heute, zehn Jahre nach dem Titelgewinn mit dem VfB Stuttgart, behaupten würde, er wäre nicht nervös gewesen. „Wir waren aufgeregt“, gibt er zu – und im Rückblick auf viele große Spiele weiß er mittlerweile: „Diese Anspannung muss auch da sein. Ist sie es nicht, spielt man meistens auch nicht gut.“ Perfekt wird es, wenn sich die Anspannung zur Euphorie wandelt. Eben so wie im Saisonfinale der Saison 2006/2007.

Plötzlich gab es was zu verlieren

Sami Khedira erinnert sich: „In der ganzen Stadt war schon alles vorbereitet: die Party auf dem Schlossplatz, die Feier mit den Angestellten und Familien – und die Originalschale war auch in Stuttgart.“ So etwas kann lähmen, „wir hatten plötzlich etwas zu verlieren“. Doch schon auf der Fahrt zum Stadion obsiegte die Zuversicht im Team des damaligen Tabellenführers. „Als wir die Fans gesehen haben, war die Euphorie da. Wir haben uns gefühlt, wie ein Tier im Käfig“, sagt Khedira und erinnert sich an das damalige Gefühl der Ungeduld: „Lasst uns endlich raus.“

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Sie durften – und der Tag nahm noch einmal eine besondere Wendung, gerade für den damaligen Jungstar des VfB. 1:1 stand es ab der 27. Minute im Spiel gegen Energie Cottbus. Das hätte zum Titel gereicht, „aber wir wollten den Deckel draufmachen“, erinnert sich der heute 30-Jährige. Also machte er ihn drauf.

„Wer ist dieser Mensch?“

Antonio da Silva hatte geflankt, Khedira stand erst zu weit vorn, machte ein paar Schritte nach hinten und versuchte, „den Ball einfach irgendwie aufs Tor zu bringen“. Das gelang, sein Kopfball in der 63. Minute landete im Cottbuser Kasten, der Rest war Jubel und Ekstase pur. „Das ganze Stadion ist ausgeflippt, es war extrem laut, alle sind ausgerastet“, sagt Khedira, der vom Rest des Spiels heute im Grunde nichts mehr weiß: „Ich war erst wieder komplett bei mir, als wir mit der Mannschaft essen waren.“ Und die große Sause mit den Fans?

Darüber wundert sich Sami Khedira noch heute, wenn er die zehn Jahre alten Bilder sieht. „Ich habe alles miterlebt, aber manchmal sehe ich die Bilder vom Autokorso und denke mir: Wer ist dieser Mensch?“ Heute einer er erfolgreichsten deutschen Fußballer überhaupt. Damals ein Junger Wilder des VfB – mit einem schon ausgeprägten Siegeswillen. Minuten nach dem Titelgewinn dachte er schon ans noch anstehende Pokalfinale. Dass der VfB das gegen den 1. FC Nürnberg verlor, „nervt“ Khedira noch heute. Die Meistersaison hat ihn dennoch fürs Leben geprägt. Seitdem weiß er: „Manchmal passieren außergewöhnliche und magische Dinge – auch im Fußball.“

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