Takuma Asano (links) glänzt im Karlsruher Wildpark erstmals als Torschütze. Foto: Baumann

Schnell ist er, und torgefährlicher will er werden: Takuma Asano, der Stürmer in VfB-Diensten. Beim Derbysieg in Karlsruhe hat die Leihgabe des FC Arsenal sein erstes Tor für die Stuttgarter geschossen.

Stuttgart - Er geht stets mit einer Verbeugung. Als der vierte Schiedsrichter Bastian Börner die Auswechseltafel mit der Nummer elf in die Höhe reckt, läuft im Wildparkstadion die 77. Minute und Takuma Asano trabt vom Rasen. Eine innige Umarmung seines Trainers Hannes Wolf und viele warme Worte von der Bank des VfB Stuttgart erwarten ihn. Schließlich hat der Neuzugang zuvor sein erstes Tor für den Fußball-Zweitligisten erzielt und gegen den Karlsruher SC ganz gut gespielt. Aber zunächst dreht sich Asano noch einmal dem Spielfeld zu – und verneigt sich.

Eine Geste des Dankes, an die Mitspieler, die Gegner und die Schiedsrichter. So sind sie, die Japaner. Höflich und respektvoll. „Das ist bei uns Standard“, sagt er. „Ich habe das von klein auf gelernt und werde es beibehalten.“ Zurückhaltend sind die Asiaten zudem, heißt es. Auch Asano entspricht diesem Klischee, aber verschlossen und verschreckt ist der Stürmer nicht. „Ich kenne Spiele mit Derbycharakter, aber so eine brutale Atmosphäre wie in Karlsruhe habe ich zum ersten Mal erlebt“, sagt er.

Asano wird mit dem Wechsel zum VfB in eine andere Welt katapultiert

Es ist also nicht auszuschließen, dass Asano im Augenblick seiner Auswechslung auch froh darüber war, diesem Derbytreiben unbeschadet entkommen zu sein. Denn zum einen bedeutet sein Transfer nicht nur einen Wechsel von Klima und Kultur, sondern mit erst 21 Jahren wurde Asano in eine fremde Welt katapultiert. Und in dieser neuen Welt gibt es nun plötzlich emotional überfrachtete Duelle und grimmige Verteidiger, die einem mit gestrecktem Bein entgegen grätschen.

Bei Sanfrecce Hiroshima ging es ruhiger zu. Selbst wenn jugendliche japanische Fans über ein enormes Kreischpotenzial verfügen und der Club aus der J-League mit Asano zweimal Meister wurde (2013 und 2015). Als neuer Stern am Fußballfirmament wurde der Stürmer in seiner Heimat deshalb schon gefeiert, vielleicht sogar als nächster Weltstar aus Fernost, da der große FC Arsenal seine Fühler nach dem kleinen Dribbler ausstreckte.

Im Juni haben die Londoner Asano auch für vier Millionen Euro verpflichtet, weil Trainer Arsene Wenger die Schnelligkeit und den Spielwitz sah, vor allem aber Potenzial für die Zukunft erkannte. Doch schon Ende August wurde Asano an den VfB verliehen, weil es Probleme mit der Arbeitserlaubnis gab und Wenger die Defizite im körperlichen Bereich sah.

Dem 1,73 Meter großen und 71 Kilogramm schweren Asano fehlt es noch an Durchsetzungskraft für den Spitzenbereich. „Deshalb war es wichtig für mich, zu einem Verein zu kommen, bei dem ich gebraucht werde“, sagt Asano. Die Bundesliga war nach der Premier League die Nummer zwei in seinem persönlichen Auslandsranking – dass es schließlich die zweite Bundesliga geworden ist, stuft der Stürmer jedoch als zweitrangig ein. „Ich will mich voll einbringen, um dem VfB zu helfen sowie mich für die Nationalmannschaft und den FC Arsenal zu empfehlen“, sagt Asano.

Hajime Hosogai unterstützt Asano so gut es geht

Dem Stuttgarter Spiel verleiht er jedenfalls Schwung. „Bisher bin ich aber mit keiner meiner Leistungen vollauf zufrieden“, sagt Asano vor der Heimpartie am Sonntag gegen Arminia Bielefeld. Was zum einen an der ungewohnten Position auf dem Platz liegt, da das Talent aus Komono nicht mehr als Mittel-, sondern als Außenstürmer eingesetzt wird. Zum anderen vollzieht sich aber auch abseits des Platzes ein Anpassungsprozess. „Viele Dinge erlebe ich in Stuttgart zum ersten Mal“, sagt Asano. Zum Beispiel lebt er jetzt alleine. Zum Beispiel muss er sich ohne Deutsch- und Englischkenntnisse verständigen.

Unterstützt hat ihn dabei anfangs Hajime Hosogai. Doch seit der Routinier verletzt ist, fehlt er dem Neuling als Ansprechpartner. Nun hat der VfB einen Dolmetscher engagiert, der Asano ständig begleitet. Jumpei Yamamoris heißt der Mann, der schon für eine Reihe von Japanern in der Bundesliga übersetzt hat. „Das ist eine enorme Hilfe, aber ich will auch selbstständig sein“, sagt Asano.

Dennoch halten sie es beim VfB nicht für Zufall, dass ihre Leihgabe nach den Länderspielstrapazen und ersten Wochen in Stuttgart jetzt getroffen hat. Asano sei endgültig angekommen, erzählen sie an der Mercedesstraße – und freuen sich auf mehr. Eine zweistellige Trefferzahl hat sich der Angreifer vorgenommen. Denn die hat der „Jaguar“, wie sie Asano wegen seines Tempos und seinem Zug zum Tor in Japan nennen, dort nie erreicht. Mit Sicherheit wäre das dann aber eine Ausbeute, vor der sich viele VfB-Fans verneigen würden.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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