Die Darmstädter Bundesligaspielstätte am Böllenfalltor wirkt wie aus der Zeit gefallen Foto: Getty

Der VfB lobt nach dem 2:2 die spezielle Atmosphäre am Böllenfalltor – und würde gerne wiederkommen.

Darmstadt - Jürgen Kramny hatte keine Orientierungsprobleme. „Ich wusste noch, wo ich hin muss“, sagte der VfB-Trainer nach dem 2:2 bei Darmstadt 98 mit einem Grinsen im Gesicht. Kein Wunder: Seit seiner aktiven Zeit am Böllenfalltor in der Saison 2005/2006 hat sich an der Spielstätte der Lilien kaum etwas verändert. Genau genommen ist hier die Zeit seit den frühen 80ern stehen geblieben, als die Darmstädter das letzte Mal zum Fußball-Oberhaus gehörten.

Mit einer Tribüne, die mit ihren engen Holzsitzen und dem Wellblechdach noch nicht einmal mehr einen heutigen Drittligaclub schmücken würde. Die VfB-Führungsmannschaft um Aufsichtsrat Hartmut Jenner suchte jedenfalls vergeblich nach den VIP-Plätzen. Gleich nebenan trommelten die Einheizer im Fanblock der 98er. Und mit einem Innenraum, so beengt und spartanisch ausgestattet, dass Klaustrophobiker schon auf der bröckligen Betontreppe kehrtmachen. Der VfB fühlte sich trotzdem wohl. „Mir hat es großen Spaß gemacht hier“, sagte Kramny nach der kleinen Zeitreise in die Vergangenheit. „Das Stadion, die ganze Atmosphäre – das ist schon etwas Besonderes.“

Ein Stück Bundesliga-Kulturgut

Das galt auch für das Spiel und die Spielweise der Gastgeber. Sie kommt mit ihrem Fokus auf lange Bälle (Flanke-Kopfball-Tor) genauso anachronistisch daher wie das ganze Drumherum. „Die Zweikämpfe hier gehen nicht so spurlos an einem vorbei“, sagte VfB-Torschütze Lukas Rupp und schnaufte tief durch.

„Hier hast du fast in jeder Aktion engen Körperkontakt“, pflichtete ihm Jürgen Kramny bei. Der Coach war am Ende froh, dass er seine Truppe bis auf Toni Sunjic, der mit einem Brummschädel kurzzeitig die ­Besinnung verloren hatte, unversehrt in den Mannschaftsbus zurück nach Stuttgart ­verfrachten konnte.

Böllenfalltor und Bundesliga – das passt zusammen wie Holzpfosten und Torlinientechnik. Doch auch die VfB-Fans hatten ihren Spaß. Das Gästekontingent (2200) war im Nu vergriffen – die Reise in die Fußballvergangenheit wollte sich niemand entgehen lassen. Etliche lang nicht mehr gesichtete Hooligan-Gruppierungen machten das 80er-Jahre-Flair in Darmstadt komplett.

„Ich hoffe, die Bundesliga kann sich so ein Stück Kulturgut erhalten, Darmstadt hätte das verdient“, meinte Robin Dutt nach aufregenden 90 Minuten. Seine Mannschaft hatte ihren Teil dazu beigetragen.

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