Bis Juni 2013 war Dieter Hundt Aufsichtsratschef beim VfB Stuttgart. Foto: dpa

Wenn der Einfluss der Fans zu groß wird, kann das gefährlich für den Verein werden - davon ist der frühere VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt überzeugt. Ein umstrittener Standpunkt.

Wenn der Einfluss der Fans zu groß wird, kann das gefährlich für den Verein werden - davon ist der frühere VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt überzeugt. Ein umstrittener Standpunkt.

Stuttgart - Der frühere VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt hat vor einem wachsenden Einfluss von Clubanhängern gewarnt. „Es besteht die Gefahr, dass die organisierten Fans bei den Vereinen zu viel Macht bekommen“, sagte der frühere Arbeitgeber-Boss der „Bild“-Zeitung in einem am Samstag veröffentlichten Interview.

„Bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart beispielsweise sind 2000 bis 3000 der organisierten Mitglieder anwesend. Von den restlichen 40.000 Mitgliedern nimmt dagegen immer nur ein verschwindend geringer Prozentsatz teil“, erläuterte der 75-Jährige. „Wenn es dann zum Beispiel um Wirtschaftspläne oder Ein- und Ausgaben geht, kann der Einfluss der organisierten Fans groß und damit auch gefährlich für den Verein werden.“ Zu ändern sei das nur mit der Ausgliederung der Lizenzspieler-Abteilung. Aber auch dafür ist die Zustimmung der Mitglieder erforderlich.

Hundt war seit 2002 Aufsichtsratsboss des Fußball-Bundesligisten gewesen. Im Juni trat der 75-Jährige nach immer größer werdendem Druck ab. Bei der Mitgliederversammlung des VfB im Juli wurde Hundt im Gegensatz zu den weiteren Mitgliedern des Kontrollgremiums nicht entlastet. Ihm folgte Joachim Schmidt als Aufsichtsratsboss nach.

"Ich war die Zielscheibe"

„Wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, suchen sich die Fans eine Zielscheibe. Und das war in dem Fall ich“, kritisierte Hundt. „Ich bin nicht aus persönlichen Gründen zurückgetreten, sondern um Schaden vom Verein abzuwenden.“

Als seinen enttäuschendsten Moment bezeichnete Hundt die Bilanz für das Geschäftsjahr 2012 mit einem Rekordverlust von etwa 9,7 Millionen Euro. „Wir haben eine Vereinspolitik akzeptiert, die zu viel Geld gekostet und zu wirtschaftlichen Problemen geführt hat“, erklärte Hundt. Den Vorschlag von Präsident Bernd Wahler, den VfB bald wieder live im Stadion zu sehen, wolle er demnächst in die Tat umsetzen. „In der Rückrunde werde ich die Einladung sicher auch annehmen“, versicherte Hundt, der seit seinem Rückzug aus Termingründen kein Spiel der Stuttgarter mehr besucht hatte.

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