Bescheren dem VfB Stuttgart Interesse aus Fernost: Mittelfeldspieler Hajime Hosogai (links) und Stürmer Takuma Asano. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart pflegt dank VfB-Legende Guido Buchwald gute Kontakte nach Japan. In der Zukunft könnte ein Trainingslager in Sapporo stattfinden, doch bis dahin werden alle Kräfte gebündelt – für den Wiederaufstieg in die Bundesliga.

Stuttgart - Christian Gentner ist ein Medienprofi. Spieltag für Spieltag antwortet der Kapitän des VfB Stuttgart routiniert auf die Fragen der Journalisten. Vor einigen Wochen musste der Mittelfeldspieler aber ein spezielles Interview führen. Thema des Gesprächs: Takuma Asano und Hajime Hosogai. Das japanische Fernsehen war zu Gast in Stuttgart und bat Gentner vor die Kamera. Selbst in Liga zwei ist der Rummel groß, um die beiden japanischen Spieler beim Club aus Cannstatt. Gentner kommt das sicherlich bekannt vor.

Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass der VfB gleich zwei japanische Fußballer unter Vertrag hat. In der Saison 2012/2013 stand Gentner mit Gotoku Sakai und Shinji Okazaki zusammen auf dem Platz – seitdem ist Stuttgart auch in Japan ein Begriff. Was in der wirtschaftsorientierten Profibranche auch die Frage nach sich zieht: Kann der VfB vom wachsenden Interesse aus Fernost profitieren?

VfB-Marketingvorstand Jochen Röttgermann ist vorsichtig und relativiert: „Es gibt beispielsweise mehr Zugriffe aus Japan auf unsere Internetseite. Auch die TV-und Print-Berichterstattung in Japan hat zugenommen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht automatisch, dass dadurch zusätzliche Umsätze entstehen.“

In Guido Buchwald hat der VfB einen Asien-Experten

Die Verantwortlichen des VfB haben das Thema der Internationalisierung allerdings stets im Hinterkopf. In Guido Buchwald hat der Club aus Cannstatt einen Mann mit hilfreichen Kontakten nach Asien, besonders nach Japan, in seinen Reihen. Der langjährige VfB-Kapitän und heutige Ehrenrat stand zwischen 1994 und 1997 in 127 Spielen (elf Tore) für die Urawa Red Diamonds in der japanischen ersten Liga, der J. League, auf dem Platz. Damals wurde Buchwald in Fernost zum Star, auch nach seiner aktiven Karriere riss das Band nach Asien nie ab.

Buchwald ist nun VfB-Beauftragter für Internationale Beziehungen in Asien, außerdem hält er stets die Augen offen nach Verstärkungen – Takuma Asano stand schon auf seinem Zettel, als der Sportvorstand noch Robin Dutt hieß. „Es gibt seit Längerem einen Japan-Boom in Deutschland, und das betrifft nicht nur den VfB. Deshalb müssen wir dranbleiben, allerdings mit einem klaren Konzept“, sagt Buchwald, der ein wachsendes Interesse in Fernost an der Bundesliga registriert. Röttgermann äußert sich ähnlich: „Ganz grundsätzlich muss man zuerst einen Markt identifizieren. Danach braucht es eine Strategie und auch Investitionen, um diesen Markt aktiv anzugehen – das muss gut vorbereitet sein.“ Und selbst dann ist der Weg nicht frei von Hindernissen.

China investiert massiv in den Fußball

Durch den Abstieg sind die Stuttgarter in ihren Bemühungen um den asiatischen Markt vorerst ins Hintertreffen geraten. Eine langfristige Planung war auch in den vergangenen turbulenten Jahren kaum möglich. Nun bündelt der Verein alle Kräfte, um den Wiederaufstieg zu erreichen. Dazu kommt: Selbst für Topclubs im Oberhaus ist die Etablierung in Asien nicht einfach. Mit den Big Playern aus der Premier League und der Primera División können bisher nur der FC Bayern und Borussia Dortmund ansatzweise mithalten.

Besonders auf China richten sich die Augen der großen Vereine. Staatspräsident Xi Jinping verordnete Fußball als Pflichtfach an Schulen, 50 000 Fußballakademien sollen entstehen, Stars aus Europa wechseln für horrende Ablösesummen nach China. „Es wird in kurzer Zeit möglichst viel Know-how eingekauft. Dort fließt unglaublich viel Geld. Wenn man ihnen ein klares Konzept an die Hand gibt, kann dort ein mächtiger Markt entstehen“, sagt Buchwald über die Bestrebungen Chinas. In Japan wird mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt: Seit 1993 gibt es eine Profiliga, die Jugendarbeit wird großgeschrieben. Der japanische Erstligist Consadore Sapporo ist dafür nur ein Beispiel – dank Buchwald gibt es einen Austausch.

Planungen werden erst nach der Saison betrieben

Im vergangenen Jahr waren die U-19-Junioren aus Sapporo im Nachwuchsleistungszentrum des VfB zu Gast. Es ist gut vorstellbar, dass Talente aus Japan auch einmal einige Monate in der Stuttgarter Fußballschule verbringen dürfen. Auch ein Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen den Trainern ist denkbar.

„Wir können voneinander profitieren“, sagt Buchwald und denkt dabei auch an eine Reise des Profiteams nach Japan. Konkrete Planungen gibt es derzeit aber noch nicht. In welcher Intensität der VfB die Internationalisierung forciert, hängt auch vom Ausgang dieser Saison ab. Klar ist schon jetzt: Der Kontakt nach Japan steht.

Und Christian Gentners Interview könnte bald eine Fortsetzung finden – dann auf dem Trainingsgelände in Sapporo.

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