Florian Niederlechner erzielte in der Nachspielzeit den verdienten Ausgleichstreffer. Foto: Pressefoto Baumann

Den Sieg verpasst, aber einen Punkt gerettet - und den VfB Stuttgart auf Distanz gehalten. Das 2:2 im Landesduell gibt dem SC Freiburg Mut für die kommenden Wochen. Auch weil die Mannschaft zeigte, dass sie auf eine Qualität immer zurückgreifen kann: ihre Einstellung.

Stuttgart - Irgendwann kurz vor dem Abpfiff hat sich Jochen Saier an all die Spiele der vergangenen Jahre erinnert, in denen es für den SC Freiburg im Baden-Württemberg-Derby gegen den VfB Stuttgart kaum etwas zu holen gab. Es habe sich angefühlt wie im Kinofilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“, sagte der Sportvorstand der Breisgauer.

Obwohl die Gäste beim 2:2 am Sonntag durch ein Tor von Janik Haberer schon in der 4. Minute in Führung gegangen waren und die Partie lange Zeit dominiert hatten, lagen sie in der Schlussphase plötzlich zurück. Und Saier dachte wohl an die Tatsache, dass der Sport-Club in den vergangenen acht Jahren in Stuttgart nicht mehr gewonnen hat und dabei die Mehrzahl der Spiele verlor.

Christian Streich zieht den Hut

Doch nach den Stuttgarter Toren von Emiliano Insua (65.) und Daniel Didavi (83.) zeigten die Gäste eine Qualität, die ihnen zumindest einen Punkt rettete und für den Rest der Saison Mut machen dürfte. „Moral, Einstellung, Haltung der Spieler: Da kann ich nur den Hut ziehen“, sagte SC-Trainer Christian Streich. Seine Mannschaft ließ sich nicht hängen, rannte noch einmal auf das Stuttgarter Tor an - und der eingewechselte Stürmer Florian Niederlechner erzielte in der Nachspielzeit (90.+4) den verdienten Ausgleich.

Auch Niederlechner, Saier oder Rückkehrer Vincenzo Grifo - wie Streich betonten sie alle, wie sehr die Freiburger noch einmal dagegenhielten, als alles verloren schien. „Eigentlich ist es echt eine gefühlte Niederlage, weil wir klar besser waren und Riesenchancen hatten“, erklärte Niederlechner. Am Ende aber sei er froh, dass er noch den Ausgleich erzielt habe, sagte der 28-Jährige, der zudem bald Vater wird und sich daher doppelt freute.

Nach den Niederlagen in Frankfurt und gegen Hoffenheim zum Auftakt der Rückrunde habe man eine Abwärtsspirale durch eine weitere Niederlage unbedingt verhindern wollen, meinte Saier. Auch wenn erneut kein Sieg gelang: Das Unentschieden tue „immens gut, weil wir den Abstand zu Stuttgart gehalten haben“. Denn als Tabellen-13. liegt Freiburg weiterhin sieben Punkte vor dem abstiegsgefährdeten VfB, der auf dem Relegationsplatz steht.

Freiburger vergeben klare Torchancen

Dabei wären in Stuttgart auch drei Punkte drin gewesen, hätte die Elf von Streich nach der Pause bei hochkarätigen Torchancen auf 2:0 oder sogar 3:0 erhöht. Weshalb Grifo darauf hofft, dass er und seine Kollegen künftig „vor dem Tor kaltschnäuziger“ werden. Niederlechner wiederum forderte, am Samstag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg „endlich den ersten Dreier 2019 zu holen“, um sich weiter von der Abstiegszone abzusetzen.

Am Ende erklärte Streich, dass er einst als Trainer der Freiburger A-Junioren sieben Mal in Stuttgart verloren habe, ehe ihm dort mit dem Nachwuchs der erste Sieg gelang. „Ich hoffe, dass ich nicht so lange warten muss, bis ich auch mit den Profis mal hier gewinne.“ Statistisch gesehen wäre dann in der kommenden Saison der erste Sieg in Stuttgart unter seiner Regie fällig. Denn in der Bundesliga blieb Streich dort bisher sechsmal ohne Sieg.

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