Im Visier der Polizei: Vermummte Fans des KSC im Stadion. Foto: Pressefoto Baumann

Warum ist das Derby VfB gegen KSC ein Hochrisikospiel? Wo sind die Brennpunkte und wie funktionieren die Kontrollen der Polizei? Die wichtigsten Fragen zum Thema Sicherheit.

Stuttgart - Nicht nur auf dem Platz steht am Sonntag eine brisante Partie zwischen dem VfB Stuttgart und dem badischen Gegner Karlsruher SC an. Drumherum rechnen Hunderte Beamte von Landes- und Bundespolizei mit reichlich Ärger. Die wichtigsten Fragen.

Wie hat sich die Polizei auf das Derby eingestellt?

Besonders die Bundespolizei, verantwortlich für den Bahnbereich, hatte bei der letzten Begegnung dieser Art vor zwei­einhalb Jahren reichlich zu tun. „Diesmal haben wir einen leicht erhöhten Kräfteeinsatz“, sagt Sprecher Sebastian Maus. Dazu rücken uniformierte Einheiten sogar aus dem fränkischen Bayreuth und nordhessischen Hünfeld an. Die Stuttgarter Polizei will diesmal mit weniger als den 1000 Beamten von 2017 auskommen. Einsatzleiter und Polizeivizepräsident Thomas Berger sprach zunächst von 600 Beamten – inzwischen wurde weiter aufgerüstet. Auch zwei Wasserwerfer stehen bereit.

Wo sind Brennpunkte?

Am Cannstatter Bahnhof werden sich Tausende VfB-Fans zu ihrem Marsch zum Stadion sammeln, die Polizei wird die Straßen Richtung Stadion entsprechend sperren. Die Karlsruher Fans sollen mit Sonder- und Entlastungszügen nach Untertürkheim gelotst und begleitet werden. Sie werden von dort ihren Fanmarsch zur Mercedes-Benz-Arena antreten. Die Benzstraße ist dafür gesperrt.

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Und wo ist die rote Linie der Polizei?

„Es gibt eine klare rote Linie in Stuttgart“, sagt Einsatzleiter und Polizeivizepräsident Thomas Berger, „keine Gewalt, weder gegen Menschen noch gegen Sachen.“ Wer sich nicht daran halte, müsse damit rechnen, keinen Zutritt zum Stadion zu bekommen.

Gibt es eigentlich noch Restkarten?

Nein. Das Derby am Sonntag um 13.30 Uhr ist mit 56 880 Zuschauern ausverkauft. 3750 Tickets gingen an die KSC-Fans, für die nur ein bestimmter Bereich in der Untertürkheimer Kurve zugeteilt ist. Kaufberechtigt waren nur Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber. 2000 Plätze bleiben als Sicherheitspuffer leer, weil beim letzten Derby 2017 ein radikaler KSC-Block im Stadion mit Feuerwerkskörpern randalierte.

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Wo gab es damals denn Probleme?

Die Bundespolizei verzeichnete am ­9. April 2017 zehn Delikte. In den Karlsruher Sonderzügen hatten Fans in vier Fällen Sitze und Deckenverkleidungen zerstört. Dabei entstanden 22 000 Euro Schaden. Nach dem Zünden von Pyrotechnik wurde ein 18-Jähriger festgenommen, insgesamt gab es vier Verfahren wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. In Untertürkheim wurden aus einem Zug eine Flasche und Pyrotechnik auf die Einsatzbeamten geworfen.

Hatten die Vorfälle Folgen?

Dass im Karlsruher Fanblock unzählige Bengalofeuer gezündet wurden, beschäftigte auch den baden-württembergischen Landtag – und führte Monate später zu einem Sicherheitsgipfel und der Verabredung von lokalen Stadionallianzen. Für das Derby haben sich die Vereinsverantwortlichen, Fanbeauftragte und Polizei seit August 24-mal getroffen.

Und die Konsequenzen?

Es gibt noch strengere Auflagen – vor allem für Karlsruher Fans. Schwenkfahnen und Spruchbänder sind verboten, damit niemand im Verborgenen Pyrotechnik entzünden und die Kleidung wechseln kann. Erlaubt sind nur kleine Bauchtaschen. Gästekleidung, also blaue Trikots, sind nur in fünf Gästeblocks erlaubt, nicht aber im übrigen Stadion. Im Zweifel wird einem „verirrten“ KSC-Fan ein anderer Platz zugewiesen.

Wie sehen das die Karlsruher?

„Das Fahnenverbot hat nichts mehr mit Fankultur zu tun“, sagt KSC-Fanbetreuer Wolfgang Sauer. Wer Pyros zünden wolle, brauche keine Fahnenstange als Versteck. Der Veranstalter habe sich wohl den Mehraufwand bei den Kontrollen sparen wollen. VfB-Vorstand Stefan Heim kontert: „Alle Maßnahmen sind vorab auch mit dem Karlsruher SC besprochen und geplant worden.“

Was macht die Kontrollen gegen Böllerschmuggler so schwierig?

Man mag es kaum glauben: Körperöffnungen können als Verstecke dienen. Und da wäre noch der Zeitdruck. „Im Flughafen werden Zehntausende über den ganzen Tag verteilt kontrolliert, vor dem Stadion muss diese Menge in anderthalb Stunden überprüft werden“, sagt ein VfB-Sprecher – und das ohne Körperscanner.

Wie sollte man anreisen?

Am besten frühzeitig. Das Stadion wird schon um 11.30 Uhr geöffnet, um den Andrang und die Kontrollen zu entzerren. Die Stadtbahn-Sonderlinie U 11 startet von 11.05 Uhr an vom Hauptbahnhof zum Stadion. Auf den S-Bahn-Linien 1 und 11 gibt es zusätzliche Züge.

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