Adhemar trifft bei seinem VfB-Debüt gegen Lautern aus allen Lagen. Foto: Baumann

Der VfB empfängt am Sonntag Kaiserslautern – ein Traditionsduell mit langer Geschichte. Wir blicken zurück auf drei besondere Spiele, die den Fans und Trainern allerdings nicht nur Freude bereitet haben.

Stuttgart - Am Sonntag ist wieder einmal der 1. FC Kaiserslautern zu Gast in Stuttgart. VfB gegen FCK – das ist nur noch ein Zweitligaduell, doch es gab Zeiten, in denen diese Partie zu den Klassikern der Bundesliga gehörte. Beide Vereine sind Gründungsmitglieder, beide waren als regelmäßige Gäste im Europapokal Schwergewichte der Liga , der VfB wurde fünfmal Deutscher Meister, die Roten Teufel viermal, zuletzt 1998 der legendäre Titelgewinn, als Otto Rehhagel die Pfälzer vom Aufsteiger zum Meister machte.

Während der VfB nun auf dem besten Weg scheint, immerhin wieder in die Bundesliga zurückzukehren, ist Kaiserslautern Lichtjahre entfernt von den glorreichen alten Zeiten. Dennoch schwingt in diesem Spiel noch immer die Erinnerung an große Duelle der Vergangenheit mit. Wir blicken daher zurück auf drei denkwürdige Partien der vergangenen 20 Jahre.

9. April 2011: VfB – Kaiserslautern 2:4

Das Wasser steht dem VfB bis zum Hals, als am 29. Spieltag Kaiserslautern nach Stuttgart kommt. Ein Sieg muss her, sonst wird es eng im Kampf gegen den Abstieg, das weiß auch Trainer Bruno Labbadia. Entsprechend engagiert geht sein Team zu Werke und dreht den frühen 0:1-Rückstand durch Lakic: Kuzmanovic trifft vom Elfmeterpunkt, Pogrebnjak lässt noch vor der Pause das 2:1 folgen. Der VfB scheint vor 39 000 Zuschauern auf Kurs.

In der zweiten Hälfte jedoch folgt der völlige Einbruch. Hoffer, erneut Lakic und Rivic schießen drei Tore, alle hat der frühere VfB-Spieler Christian Tiffert vorbereitet. Endstand 2:4 – Schockstarre in Stuttgart, Tabellenplatz 15. „Es wäre etwas Besonderes, wenn wir nicht absteigen würden“, sagt Labbadia – doch zumindest Winfried Kretschmann, der künftige Ministerpräsident, hat Hoffnung: „Schlimmer kann es nicht mehr werden.“ Kretschmann behält recht: Nach dem Desaster gegen Lautern geht es aufwärts, der VfB schafft den Klassenverbleib.

3. Februar 2001: VfB – Kaiserslautern 6:1

Die Stürmersuche des VfB findet in jenem Winter in Südamerika ihren Abschluss. VfB-Trainer Ralf Rangnick präsentiert (kurz bevor er durch Felix Magath ersetzt wird) einen Mann namens Adhemar, der für drei Millionen Mark aus Sao Caetano ins Schwabenland gelockt wird. Ein Schnäppchenpreis, wie alle jubeln, als Adhemar im ersten Heimspiel nach der Winterpause sein Debüt gibt.

Der VfB überrollt Kaiserslautern vor nur 18 000 Zuschauern mit 6:1 – drei Tore erzielt der kleine Brasilianer, der aus dem Stand zum Publikumsliebling wird. Allerdings: so fulminant sein Einstand, so rasant sein Abstieg. Schon nach einem Jahr bittet Adhemar um die Freigabe, er ist in Stuttgart nicht heimisch geworden. Dass drei Tore in einem Spiel nicht zwingend eine große Karriere bedeuten, erlebt übrigens nicht nur Adhemar. Die anderen drei Treffer gegen Lautern erzielte Viorel Ganea, ansonsten genannt: „Der Chancentod“. Auch er kein Stürmer, bei dem VfB-Fans noch heute glänzende Augen bekommen.

8. September 1998: VfB – Kaiserslautern 4:0

Joachim Löw ist trotz des Einzugs ins Europapokalfinale der Pokalsieger gefeuert und durch Winfried Schäfer ersetzt worden – dennoch geht es beim VfB erst einmal viel versprechend weiter. Am dritten Spieltag kommt Kaiserslautern nach Stuttgart, der amtierende Deutsche Meister, der zuvor standesgemäß beide Spiele gewonnen hat. Doch gegen den VfB sind die Pfälzer chancenlos. 4:0 steht es am Ende vor 39 000 Zuschauern. Balakov und Bobic, die nach Elbers Abschied im Vorjahr verbliebenen Protagonisten des Magischen Dreiecks, treffen je einmal, Sreto Ristic sogar doppelt.

So schön wird es allerdings nicht lange bleiben. Auch Balakov und Bobic gehören anschließend zu den Rädelsführern des Aufstands gegen Schäfer, den die Fans wegen seiner KSC-Vergangenheit von Beginn an nicht mochten. Nur drei Monate später tritt er wieder zurück. Nur ein schwacher Trost ist es, dass auch Otto Rehhagels beste Zeiten in Kaiserslautern vorüber sind. Und niemand kann ahnen, dass sich beide Clubs eines Tages in der Zweiten Liga wiedersehen werden.

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