Gut in Schuss bei Eintracht Frankfurt: Ex-VfB-Profi Filip Kostic Foto: Baumann

Filip Kostic spielt eine starke Saison bei Eintracht Frankfurt. Der Serbe hat dafür eine ganz eigene Erklärung – und attackiert dabei vor dem direkten Duell indirekt seinen Ex-Club VfB Stuttgart.

Stuttgart/Frankfurt - Wenn Filip Kostic (25) an diesem Freitag zurückkehrt in die Mercedes-Benz-Arena, werden die Fans des VfB von 20.30 Uhr an aller Wahrscheinlichkeit nach den alten Kostic sehen. Den Mann also, der wie früher in Stuttgart die linke Außenbahn entlangflitzt, der mutig ist, der dribbelt, der flankt, der seine Tempoläufe manchmal auch mit eigenem knackigen Abschluss mit links garniert. Gut möglich ist es aber, dass man am Freitagabend auch den neuen Kostic zu sehen bekommt.

Auch der flitzt die Linie entlang, auch der ist schnell – allerdings in die andere Richtung. Nach hinten. Dorthin also, wohin es ihn zu seinen Zeiten beim VfB und auch später beim HSV eher selten verschlug. Weil er meist nur nach vorne dachte. Und rannte. Doch nun, bei seinem neuen Club Eintracht Frankfurt, gibt es in diesen Wochen meist den doppelten Kostic zu bestaunen. Denn der Serbe hat bei der Eintracht gelernt, dass es im Fußball nicht nur eine Richtung gibt – und dass man als moderner Profi eben bei allem Vorwärtsdrang auch mal nach hinten sprinten muss.

Raus aus der Schublade

Der neue Frankfurter Coach Adi Hütter stellte Kostic kürzlich auch in Ermangelung personeller Alternativen sogar auf die Linksverteidigerposition. Wer den Nationalspieler in früheren Jahren kicken sah, hielt das für einen ziemlich schlechten Scherz. Kostic, der Traumtänzer, auf links hinten, das ist in etwa so, als wenn die anerkannten Wadenbeißer Katsche Schwarzenbeck oder Berti Vogts früher als Spielmacher aufgestellt worden wären. Geht nicht. Ausgeschlossen. Das war die allgemeine Wahrnehmung.

Dann aber kam der Auftritt des Serben im Bundesligaspiel der Eintracht bei 1899 Hoffenheim (2:1) – und danach war klar, dass Kostic auch in Zukunft eine ernsthafte Option auf der Defensivposition ist.

„Wenn man mal in einer Schublade drinsteckt, ist es schwer, da wieder rauszukommen“, sagte Hütter über Kostic – und holte ihn raus, indem er Mut bei der Aufstellung bewies. Kostic selbst gab sich hinterher demütig und betonte: „Ich denke wirklich zuerst an die Defensive und will alles dicht machen.“ Und weiter: „Erst dann kommen die Läufe nach vorne.“ Auch diese Aussagen hielten viele Kenner der Szene für einen Scherz – hatten sie doch noch den Kostic von früher im Blick. Der Serbe, das ist doch der, der nicht nach hinten arbeitet. Der nur auf eigene Glanzlichter aus ist.

Seitenhieb gegen den VfB und den HSV

Kostic, das war für viele Fans zudem der Inbegriff des Fußballsöldners. Nach dem Abstieg mit dem VfB 2016 ging es ab zum HSV. Nach dem Abstieg des HSV ging es nun ab nach Frankfurt. Der macht sich aus dem Staub, obwohl er selbst für die Misere bei seinem Verein verantwortlich ist, das war die weit verbreitete Meinung. In dieses Bild passen nun Kostics jüngste Äußerungen, die ein Seitenhieb auf seine beiden Ex-Clubs VfB und HSV sind. „Ich brauche eben eine gute Mannschaft, um mein Spiel zu machen – und die habe ich jetzt“, sagte er der „Sportbild“ über seinen Aufschwung in Frankfurt.

Losgelöst von den beiden Abgängen und dem jüngsten verbalen Nachtreten vergaßen viele Kostic-Skeptiker jedoch, dass der VfB nach dem Abstieg das Geld brauchte. Und dass die 14 Millionen Euro Ablöse, die die Hamburger damals überwiesen, eminent wichtig waren für den Verein und seine Kassen. Und vergessen wurde es nun auch in diesem Sommer, dass der HSV das üppige Gehalt Kostics nach dem Abstieg (geschätzte 1,7 Millionen Euro plus Prämien) nicht mehr länger bezahlen wollte. Zu den Abschieden des serbischen Nationalspielers gehörten also immer zwei Parteien, die davon profitierten: Kostic wollte sowohl aus Stuttgart als auch aus Hamburg weg, das schon – die jeweiligen Clubs waren dem aber auch nicht gerade abgeneigt. Weshalb es zu einfach ist, Kostic nur als Söldner darzustellen.

Frankfurt hat eine Kaufoption

Nun ist der Flügelflitzer für eine Gebühr von 1,2 Millionen Euro für zwei Jahre vom HSV an die Eintracht ausgeliehen, die Frankfurter besitzen eine Kaufoption in Höhe von sechs Millionen Euro. Das wäre im Vergleich zu den 14 Millionen, die der HSV an den VfB überwies ein Schnäppchen.

Nach den Eindrücken in dieser Saison ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Mann diese Option ziehen wird, der Kostic damals schon nach Stuttgart holte. Fredi Bobic, damals Sportvorstand des VfB, heute in Frankfurt, kennt Kostic aus dem Effeff – und sagte kurz nach dem Transfer zur Eintracht in Richtung der Skeptiker: „Er wird unsere Flexibilität steigern.“ Was sich dann eindrucksvoll zeigte.

Der Serbe sagt nach seinen Fortschritten in Sachen Vielseitigkeit und Defensivdenken dies: „Mich interessiert nicht wirklich, was die Leute sagen.“ Dann folgt der entscheidende Satz: „Ich habe gezeigt, dass ich doch verteidigen kann.“ Und stürmen nach wie vor – beides will der neue Kostic an diesem Freitag an alter Wirkungsstätte zeigen. Auf welcher Position auch immer.

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