Er kann’s kaum fassen: Maxime Awoudja (re.) sieht im Spiel des VfB Stuttgart gegen Hannover 96 unberechtigterweise die Gelb-Rote Karte. Foto: Baumann

Einstand, Eigentor, Platzverweis – und am Ende trotz allem ein Lob von Trainer und Sportdirektor. Maxime Awoudja hat bei seinem Pflichtspieldebüt für den VfB Stuttgart so einiges durchgemacht – und eine erstaunliche Geschichte geschrieben.

Stuttgart - Es gab stehende Ovationen, als er den Platz verließ. Es gab tosenden Applaus. Es war, als ob der Held des Spiels seinen besonderen Abgang bekommen würde. Aber: Maxime Awoudja hatte den VfB Stuttgart am Freitagabend nicht zum Sieg geschossen, er hatte nicht den entscheidenden Elfmeter gehalten und auch keine drei Treffer vorbereitet. Der Abwehrspieler hatte ein Eigentor erzielt, ein paar Zweikämpfe verloren und sich am Ende auch noch eine Gelb-Rote Karte abgeholt. „Er war“, sagte Tim Walter, der Trainer des VfB, daher: „ein bisschen der tragische Held.“ Aber der Reihe nach.

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Awoudja, denn alle Bobo nennen, ist noch nicht lange beim VfB. Er ist 21 Jahre jung und spielte bislang in der zweiten Mannschaft des FC Bayern. Doch dann wurde er urplötzlich auf die große Bühne geschickt. Als sich Marcin Kaminski nach rund einer halben Stunde schwer am Knie verletzte (Kreuzbandriss), war es nicht der erfahrene Holger Badstuber, den Walter als Ersatz auserkor – sondern der junge Mann, den er aus gemeinsamen Zeiten im Münchner Nachwuchs kennt. Doch diese Entscheidung schien zunächst die falsche zu sein.

Maxime Awoudja jedenfalls wirkte erst einmal reichlich überfordert mit der Situation. Und als sei die Lage nicht Herausforderung genug, unterlief ihm in einer seiner ersten Aktionen auch gleich noch ein Eigentor. Es folgten ein paar ungeschickt geführte Zweikämpfe – und manch einen in der Mercedes-Benz-Arena hätte es nicht gewundert, wenn der 1,88 Meter große Innenverteidiger sich zur Pause in der Kabine verkrochen hätte – und nicht wiedergekommen wäre. Doch es kam anders.

Starke Reaktion nach der Pause

„Er hatte einen tragischen Einstand“, sagte am Samstag Sven Mislintat, der VfB-Sportdirektor, „aber wie der Junge in der zweiten Hälfte aufgestanden und wiedergekommen ist war super.“ Awoudja habe sich – mit Hilfe der Mannschaft – „da rausgezogen“. Was nicht selbstverständlich sei: „Es gibt viele Spieler, die zerbrechen an solch einer Situation.“ Tim Walter ergänzte: „Er hat in der zweiten Hälfte ein bombenstarkes Spiel gemacht.“ Doch mit der Tragik war es deshalb noch lange nicht vorbei.

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Zu Beginn der zweiten Hälfte hatte Awoudja Gelb gesehen – eine vertretbare Entscheidung. Eine glatte Fehleinschätzung von Schiedsrichter Felix Brych war dann aber seine Entscheidung, den VfB-Mann später mit Gelb-Rot vom Platz zu schicken. Im Sitzen spitzelte Awoudja den Ball weg, der Referee wollte darin ein Foul erkannt haben. Der Stuttgarter Neuzugang konnte es nicht fassen, trottete dann aber vollends bedient vom Platz – wie gesagt: unter dem Applaus der Zuschauer.

Für die Partie beim 1. FC Heidenheim fällt der 21-Jährige also gesperrt aus, danach aber könnte er weitere Chancen bekommen. Auch wenn der VfB nach der Verletzung von Marcin Kaminski auf der Suche nach einem neuen Innenverteidiger ist.

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