Wie läuft es in der zweiten Liga? Jean Zimmer (links) und Simon Terodde (rechts) können Christian Gentner einiges darüber erzählen. Foto: Baumann

Mehr Kampf, weniger Kunst – beim VfB Stuttgart stimmen die Zugänge Jean Zimmer und Simon Terodde ihre Teamkollegen auf die zweite Liga ein.

Grassau - Das Leben geht weiter – auch nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Das wird den Profis des VfB Stuttgart spätestens am 8. August bewusst werden, wenn sie auf den FC  St. Pauli treffen.

Die 39 Jahre lang auf Bundesliga geeichten Profis des VfB Stuttgart werden deshalb aber keinen Kulturschock erleiden, glaubt Jean Zimmer. Der 22-jährige Neuzugang des 1. FC Kaiserslautern kommt selbst aus der zweiten Liga. Höherklassig hat er nie gespielt, weshalb er in Sachen Unterhaus als erster Ansprechpartner für erfahrene Größen wie Mitch Langerak, Christian Gentner oder Kevin Großkreutz dient.

„Natürlich ist man da gefragt. Aber unser Trainer Jos Luhukay kennt sich selbst bestens aus“, sagt der Pfälzer Bub Zimmer. „Außerdem haben die anderen Montagabend auch schon mal in die zweite Liga reingeguckt. Das andere Fernsehprogramm ist da ja nicht so toll.“

An einem Montagabend startet auch der VfB Stuttgart sein Abenteuer zweite Liga – stilecht sozusagen. Mit dem größten Respekt vor den Hamburgern. „Eine richtig starke Truppe, vor allem im Offensivbereich“, sagt Sportchef Jan Schindelmeiser und kratzt sich an der Stirn. St. Pauli, Union Berlin, Mit-Absteiger Hannover 96 und Eintracht Braunschweig sieht Zimmer als größte Konkurrenten um den Wiederaufstieg. Trainer Jos Luhukay hat obendrein Fortuna Düsseldorf auf der Rechnung.

Keine Klopperliga

Diese Mannschaften werden zumindest in Heimspielen versuchen, selbst das Spiel zu machen. Während alle anderen eher auf das Gegenteil aus sind. „Klar, die stellen sich hinten rein und lassen uns erst mal machen“, prophezeit Simon Terodde. Der aus Bochum nach Stuttgart gewechselte Torschützenkönig ist neben Zimmer der zweite große Experte für die mal wieder „stärkste zweite Liga der Welt“. 153 Spiele (64 Tore) für Union Berlin und den VfL Bochum hat er bestritten – Terodde weiß, worauf es ankommt zwischen Fürth, Heidenheim und Aue.

Erstens: Keine Angst haben. Nur weil dort mehr gekämpft und vielleicht der eine Schritt mehr gelaufen wird, sei die zweite Liga keine Klopperliga, meint Terodde. Der Mann hat gut reden. Als Torschützenkönig war er seinen Gegenspielern meist einen Schritt voraus. Zweitens: Sich nichts auf die Favoritenrolle einbilden. Rein gar nichts. Die Liga wird so ausgeglichen sein, dass auch der große VfB Stuttgart keinen Gegner im Handstreich erlegt. Kein Sandhausen und auch kein Aue. Was schon die Vergangenheit gezeigt hat, als der VfB als gestandener Bundesligist in Pokalspielen seine liebe Müh und Not mit widerspenstigen Zweitligisten hatte. Und Drittens: Der VfB darf sich nicht das Spiel des Gegners aufzwingen lassen. Das geht in den seltensten Fällen gut; im konkreten Fall rät Terodde davon ab, nur auf Kampfmodus zu schalten.„Wir müssen schon versuchen, unsere spielerische Linie beizubehalten.“

Stimmungsbuden mit Stehrängen

Jean Zimmer formuliert es ähnlich: „Unser Ziel muss sein, dass die Leute in den anderen Stadien hinterher nach Hause gehen und sagen: Ok, alles gegeben, aber der Gegner war zu stark.“ Dass sich der in der Jugend beim FCK ausgebildete Lauterer und immer noch Fan der Roten Teufel natürlich besonders auf die Rückkehr an den Betzenberg freut, liegt auf der Hand. Zimmer kennt aber auch die anderen Stimmungsbuden der Liga. Als da wären: Millerntor (St.Pauli), Alte Försterei (Union Berlin) und natürlich Dresden. „Überall dort, wo noch viel gestanden wird – da geht’s ab“, sagt Zimmer und seine Augen beginnen zu leuchten. Dass er natürlich viel lieber Bundesliga gespielt hätte und mit dieser Erwartung im Frühjahr beim VfB unterschrieben hatte – Schwamm drüber an dieser Stelle.

Auch Terodde geht seine siebte Saison in Liga zwei mit Respekt und Vorfreude gleichermaßen an. Respekt – weil er den Druck, sofort wiederaufsteigen zu müssen, natürlich spürt. Aber auch Vorfreude: Auf Duelle mit vielen kantigen Verteidigern, von denen es in der zweiten Liga einige gibt. Patrick Fabian vom VfL Bochum zum Beispiel. Hart im Nehmen und um kein Tackling verlegen – aber weit davon entfernt, ein Treter zu sein. Terodde: „In der zweiten Liga wird schon auch Fußball gespielt.“

Die VfB-Stars werden also bald merken, dass es ein Leben nach der Bundesliga gibt. Wenn sie das Beste draus machen, ist sogar die Wiederauferstehung möglich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: