Schwache Leistung: William Kvist Foto: Pressefoto Baumann

Die Partie beim FC Schalke unterstreicht: Dem VfB Stuttgart fehlt ein Stratege im Mittelfeld. Fredi Bobic schließt Neuverpflichtung nicht aus.

Gelsenkirchen - Es ist ein Negativkreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist. Wenn der VfB das Spiel von hinten heraus aufbauen muss, fangen die Probleme an. Der Auftritt bei der 0:3-Niederlage beim FC Schalke stand sinnbildlich für die Erkenntnis, dass im Spiel nach vorne der Schuss meist nach hinten losgeht.

Die Innenverteidiger Georg Niedermeier und Antonio Rüdiger sind starke Zweikämpfer, die mit ihren entschlossenen Aktionen die Mannschaft mitreißen können. Wenn sie allerdings den Ball am Fuß haben und im Spielaufbau gefragt sind, stoßen sie aufgrund ihrer limitierten Technik an Grenzen. Ihre Flachpässe sind zu ungenau, von den langen Bällen ganz zu schweigen. Gegen Schalke drosch Niedermeier einige Diagonalbälle ins Aus statt zum Mitspieler. Rüdiger spielte die Bälle teilweise so steil und ungenau nach vorne, dass er die Werbebanden hinter dem Schalker Tor bediente.

Allerdings muss man Niedermeier und Rüdiger zugutehalten, dass sie kaum Anspielstationen im Mittelfeld hatten. William Kvist, das zeigte sich in den vergangenen Wochen, wird auf der Sechserposition immer dann zum Sicherheitsrisiko, wenn er vom Gegner unter Druck gesetzt wird. Mangelnde Handlungsschnelligkeit wird ihm immer wieder zum Verhängnis – so ist auf ihn im Aufbau kein Verlass. Zudem wählt er meist die destruktive Variante und passt den Ball zu Torhüter Sven Ulreich zurück.

Wenn zudem auch Christian Gentner wie auf Schalke abtaucht und die Bälle nicht fordert, bleiben den zentralen Abwehrmännern nur der Rückpass auf Ulreich oder der lange Ball – was auch für die Außenverteidiger gilt.

Daniel Schwaab, der in der Innenverteidigung bewies, dass er ein Spiel gepflegt von hinten heraus eröffnen kann, bot sich meist dasselbe Bild. Im Mittelfeld hatte er keine Anspielstation, die Schalker stellten auch die beiden Innenverteidiger zu – die einzigen Lösungen waren der Rückpass zu Sven Ulreich oder der planlose lange Ball in die gegnerische Hälfte.

Was dem VfB fehlt, ist ein technisch versierter Sechser, der den Ball ins vordere Drittel bringt. Denn wenn die Kugel zu Spielmacher Alexandru Maxim gelangt oder die Außen Ibrahima Traoré oder Timo Werner eingesetzt werden können, kommt die Maschinerie ins Rollen. Maxim kann den tödlichen Pass in die Spitze spielen, Werner und Traoré können mit ihrer Schnelligkeit und den Tempodribblings in die Lücken stoßen.

Der technisch starke Moritz Leitner könnte die Rolle des Verbindungsmannes zwischen Defensive und Offensive zusammen mit Christian Gentner ausfüllen. Allein, den Nachweis seiner Qualität blieb er bisher schuldig. Zudem wurde die Leihgabe von Borussia Dortmund zuletzt auch in der Offensive als Rechtsaußen gebraucht. Eine weitere Möglichkeit ist eine Neuverpflichtung in der Winterpause. Sportvorstand Fredi Bobic meinte auf die Frage, ob Bedarf bestehe, vielsagend: „Das werden wir sehen.“

VfB-App

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: