Linke Schwachstellen: Gotoku Sakai (links) und Adam Hlousek Foto: dpa

Die linke Abwehrseite ist seit Jahren die Problemzone beim VfB Stuttgart. Auch Adam Hlousek und Gotoku Sakai schaffen keine Abhilfe. Tatsächlich hat sich seit Jahren kein Spieler mehr auf dieser Position nachhaltig aufgedrängt.

Stuttgart - In vielen Dingen unterscheidet sich Huub Stevens von Joachim Löw, in einem Punkt aber sind sich der VfB-Coach und der Bundestrainer ganz nahe: Die Suche nach einem Linksverteidiger moderner Prägung führt bei beiden ins Leere. Beide verwalten den Mangel. In der Nationalmannschaft sind zahlreiche Bewerber wie Marcell Jansen, Dennis Aogo und Marcel Schmelzer durchgefallen, ehe Löw bei der WM in Brasilien seine Abwehrkette mit vier Innenverteidigern besetzte – die Notlösung entpuppte sich als Glücksgriff. Stevens setzt mangels Alternativen auf Adam Hlousek und auf Gotoku Sakai, der im Spiel bei Schalke 04 an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) den gesperrten Tschechen vertritt. Glücklich wird er mit beiden nicht.

Hlousek (26) stieß zuletzt beim 2:2 gegen den SC Freiburg wieder an die Grenzen seines Könnens, als er mit zwei plumpen Fouls einen Elfmeter und seinen Platzverweis verschuldete. Sakai (24) kann links wie rechts spielen, aber auf beiden Seiten ist auch er regelmäßig für Gegentore verantwortlich.

Es sind keine Einzelfälle beim VfB. Davor scheiterte Konstantin Rausch auf der linken Abwehrseite, Stevens verbannte ihn in die zweite Mannschaft. Auch Arthur Boka war kein Mister Zuverlässig, und Cristian Molinaro überzeugte auch nur in seiner Anfangsphase. Genau genommen konnte sich keiner nachhaltig aufdrängen, seit der VfB 2007 mit Ludovic Magnin deutscher Meister war.

Talentförderung vernachlässigt

Warum das so ist? Weil sich keine andere Position in den vergangenen Jahren so sehr gewandelt hat und derart anspruchsvoll und komplex geworden ist. Weil der deutsche Fußball jahrelang andere Positionen gestärkt hat. Und weil der VfB diesen Bereich der Talentförderung vernachlässigt hat.

Linke Außenverteidiger (rechte übrigens auch) müssen robust verteidigen, Zweikämpfe gewinnen und mit gutem Stellungsspiel und kurzer Reaktionszeit die Innenseite zum eigenen Tor absichern. Zugleich müssen sie Stärken in der Offensive ausspielen, präzise flanken und mit Dribblings und Doppelpässen das gegnerische Tor bedrängen. Gesucht sind Allrounder in Perfektion. Oder, wie VfB-Sportvorstand Robin Dutt die neuen Ansprüche formuliert: „Die Mischung aus Offensive und Defensive muss komplett ausgewogen sein. Man muss im Grunde gleichzeitig Manni Kaltz und Rüdiger Abramczik sein – mit der Kondition von Hans-Peter Briegel.“ Ein Klon – oder wenigstens ein Übermensch also.

Links müssen ausländische Abwehrkräfte ran

Als die Nationalmannschaft um die Jahrtausendwende darniederlag, lag den Bundesligavereinen viel daran, deutsche Stürmer und zentrale Mittelfeldspieler auszubilden. „Damals wurden die besten Talente in die Zentrale gezogen, wo sie am meisten Einfluss auf das Spiel hatten“, sagt Frank Wormuth, der Chefausbilder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Auch der VfB setzte auf der linken Abwehrseite auf ausländische Kräfte, siehe Magnin (Schweiz), Molinaro (Italien), Boka (Elfenbeinküste), Sakai (Japan) oder Hlousek (Tschechien). Immerhin: Zuletzt hat sich in der zweiten Mannschaft in Tim Leibold wieder ein deutscher Nachwuchsmann empfohlen, der beim VfB in der Bundesliga Fuß fassen könnte – wenn ihn der Verein nicht für zu leicht befunden hätte. Im Sommer wechselt Leibold deshalb zum 1. FC Nürnberg.

Eine Fehlentwicklung, die sich unter Robin Dutt und Rainer Adrion, dem Sportlichen Leiter U 17 bis U 23, nicht wiederholen soll. Deshalb rückt der türkische Nationalspieler Mete Celik (18), ein „ausgewiesener Spezialist für die linke Abwehrseite“ (Adrion), im Sommer von der U 19 in die U 23 des VfB auf. Und die U-17-Auswahl verfügt laut Adrion über „drei Kandidaten für die linke Seite mit guten Perspektiven“. Der Haken: Bis sie im Profikader des VfB ankommen, dauert es deutlich länger, als es Huub Stevens und seinem designierten Nachfolger Alexander Zorniger lieb sein kann.

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