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Der VfB-Stürmer ist in sich gegangen. Im Interview spricht er über seine Schlussfolgerungen.

Belek/Türkei - Cacau zeigt sich geläutert. Der Stürmer des VfB Stuttgart ist in sich gegangen, hat seine Situation analysiert - und daraus seine Schlüsse gezogen. "In der Hinrunde wollte ich vielleicht zu viel. Ich muss lernen, wieder geduldiger zu werden, auch meinen Mitspielern gegenüber", sagt der Vizekapitän.

Cacau, seit fast einer Woche hat der VfB in Belek täglich drei harte Trainingseinheiten absolviert. Sind Sie froh, dass es am Sonntag wieder nach Hause geht?

Es stimmt, das Training ist sehr anstrengend. Wir machen hier keinen Urlaub. Trotzdem ist die Stimmung gut, die Bedingungen sind optimal, das Wetter angenehm.

Dumm nur, dass Sie wegen Ihrer Knieprobleme kaum mit der Mannschaft trainieren konnten.

Ich bin wirklich froh, dass ich bald wieder voll einsteigen kann. Wobei ich sagen muss: Solange die Mannschaft auf dem Platz stand, haben wir Rekonvaleszenten auch jeden Tag dreimal trainiert, nur nicht öffentlich, sondern im Kraftraum. Aber da ich im Sommer wegen der Weltmeisterschaft und des anschließenden Urlaubs keine Vorbereitung im eigentlichen Sinne hatte, macht mir die hohe Belastung jetzt nichts aus.

Warum schmerzt Ihr Knie derzeit?

Ich bin direkt aus dem Urlaub gekommen und habe sofort voll mittrainiert. Da hat das Knie eben reagiert.

Trainer Bruno Labbadia hatte ein hartes Trainingslager angekündigt. Hat er Wort gehalten?

Für den Winter ist es sehr anstrengend. Das Pensum, das wir bisher geleistet haben, kenne ich sonst nur aus der längeren Vorbereitung im Sommer. Aber es ist notwendig, wir brauchen diese Fitness.

Als Tabellen-17. muss der VfB alle Kräfte mobilisieren, um den drohenden Abstieg abzuwenden. Wie gefährlich schätzen Sie die Situation ein?

Es wird viel schwieriger als in den vergangenen Jahren, in denen wir aber nie so schlecht standen wie jetzt. Wir haben diesmal nach der Vorrunde weniger Punkte als damals, und der Rückstand auf den 15. Platz ist schon relativ groß. Wir müssen an uns und unsere Fähigkeiten und Stärken glauben. Wir dürfen uns nichts vormachen: Der Kampf um den Klassenverbleib wird bis zum letzten Spieltag anhalten.

Sie haben jetzt schon ein paar Wochen mit Bruno Labbadia zusammengearbeitet. Was zeichnet den neuen Trainer aus?

Ich will den einen Trainer nicht mit den anderen vergleichen. Labbadia weiß genau, was er will. Er gibt alles ganz genau vor und bringt die Dinge auf den Punkt. Er will eine Veränderung erreichen und arbeitet sehr, sehr viel.

Leider hat er extrem wenig Zeit, um seine Philosophie durchzusetzen. Zu wenig?

Das hoffe und denke ich nicht. Gerade weil die Zeit so knapp ist, muss er viel mit uns reden. Jeder Spieler weiß, was er auf seiner Position zu tun hat und wie er als Einzelner und die Mannschaft als Ganzes funktionieren müssen.

"Unsere Lage belastet mich"

Die prekäre Tabellensituation stellt auch für Sie die schwierigste Phase Ihrer Karriere dar. Wie gehen Sie damit um?

Die Hinrunde hängt bei allen in den Köpfen. Unsere Lage belastet mich viel mehr als in den vergangenen Jahren. Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Aber zu viel Grübelei ist auch nicht gut.

Das habe ich mir auch gesagt. Es hat wenig Sinn, zu lange zurückzuschauen. Schließlich war es mental schwierig genug, diese Hinrunde überhaupt durchzustehen. Deshalb geht mein Blick nach vorn, das war in der kurzen Pause mein Motto.

Aber den einen oder anderen guten Vorsatz werden Sie zum Jahreswechsel doch sicher gefasst haben?

Nach der erfolgreichen WM bin ich mit sehr hohen Erwartungen nach Stuttgart zurückgekommen. Auch der Verein und das Umfeld hatten ähnlich hohe Erwartungen, sowohl an die Mannschaft als auch an mich. Vielleicht wollte ich die Dinge zu sehr zwingen, als es dann sportlich nicht lief. Vielleicht wollte ich zu viel und habe mir dadurch zusätzlich Druck gemacht.

Das kam, wie man hört, in der Mannschaft nicht gut an, im Umfeld auch nicht, und am Ende waren auch Sie unzufrieden?

Ich habe mir vorgenommen, dass ich mich wieder mehr auf mich und meine Stärken besinnen muss. Es wird mir in der Rückrunde ganz bestimmt nicht an der Motivation und einer guten Einstellung mangeln. Aber ich versuche, mich anders zu geben, anders aufzutreten.

Inwiefern?

Ich habe hohe Ziele, will immer sehr viel erreichen. Und dafür mache ich auch viel. Aber ich frage mich, ob es nicht manchmal zu viel war. Das betrifft mein Spiel, aber auch Dinge außerhalb des Platzes. Ich muss mich auf meine Aufgaben konzentrieren.

Sie bedauern Ihre Entwicklung?

In der Hinrunde war es zuweilen so, dass ich unzufrieden war, wenn Dinge nicht geklappt haben. Das hat sich dann vielleicht im einen oder anderen Fall auf Mitspieler übertragen. Ich muss lernen, wieder geduldiger zu werden.

Hand aufs Herz: Vor der Saison haben Sie lange gezögert, bis Sie Ihren Vertrag verlängert haben. Bereuen Sie Ihre Entscheidung inzwischen?

Nein, keinen Moment. Ich habe mein enges Umfeld gefragt, und auch da hat keiner das Gefühl, dass ich damals einen Fehler gemacht habe. Und ich habe dieses Gefühl auch nicht. Ich freue mich auf die neue Herausforderung. Es ist eine andere Herausforderung, als ich sie bisher kannte.

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