Die Stürmer Mohammed Abdellaoue (links) und Martin Harnik sollen ihre Leistung verbessern. Foto: Montage/Baumann

Der Sportvorstand des VfB Stuttgart fordert eine Leistungssteigerung der Stürmer und bestätigt das Interesse an Max Kruse in der vergangenen Saison.

Stuttgart - Wer es gut meint mit dem VfB, der sagt, dass alles im Lot sei, weil der Club aus Cannstatt nur drei Punkte von Platz vier entfernt ist – jenem Rang, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League berechtigt. Andere wiederum treibt nach den drei Unentschieden aus den vergangenen drei Bundesliga-Partien schon wieder die Angst vor dem Mittelmaß um. Doch wohin geht die Reise – und kann der VfB seine Schwachstellen in den Griff bekommen, damit er sich dauerhaft im oberen Tabellendrittel festsetzen kann?

Die Lage der Liga: Fredi Bobic ist ein Mann der klaren Worte – auch, wenn es darum geht, von einer Tendenz nach den ersten zehn Spielen zu sprechen. „Das ist doch alles Schwachsinn“, poltert der Sportvorstand des VfB: „Wenn du zweimal nacheinander gewinnst, bist du plötzlich wieder oben dran – es geht einfach darum, über die gesamte Saison gesehen die Big Points zu machen.“

Das Problem des VfB in den vergangenen Wochen sei die Chancenverwertung gewesen, ergänzt Bobic: „Und es ist mit Sicherheit nicht so, dass uns Borussia Mönchengladbach um Lichtjahre voraus ist.“ Die Borussia ist zurzeit Vierter – und träumt mehr denn je von der Königsklasse.

Die Spielidee: Mutig, offensiv, dominant – so soll der VfB auftreten, das ist die Philosophie. „Das zieht sich bis in unsere Jugend runter“, sagt Bobic: „Aber die Bundesliga ist eben kein Selbstläufer.“ Soll heißen: Es gibt Rückschläge bei der Umsetzung.

Eine Philosophie zu haben ist das eine, sie konstant auf den Platz zu bringen, das andere. Der Tabellenvierte Mönchengladbach verfolgt unter Trainer Lucien Favre eine Strategie, die auf schnelle Konter ausgelegt ist. Die Philosophie ist aufgrund der längeren Amtszeit des Trainers (zweieinhalb Jahre) gewachsener – Thomas Schneider ist erst seit zwei Monaten VfB-Coach.

Er verbesserte die Spielweise in den ersten Wochen, die Mannschaft machte Lust auf mehr – der maue Auftritt bei der Partie gegen den 1. FC Nürnberg (1:1) war aber ein Rückschritt. „Dennoch haben wir uns einige hundertprozentige Torchancen herausgespielt“, sagt Bobic: „Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind – denn wenn wir 2:1 gewinnen, wäre alles in Ordnung.“

Die Formkrise des Martin Harnik: Hätte, wenn und aber – der Österreicher verkörpert das Dilemma des VfB wie kein Zweiter. Wenn Harnik gegen Nürnberg getroffen hätte, dann hätte sein Team gewonnen. Der Außenangreifer aber steckt in der Formkrise, er war ungenau und fahrig in seinen Aktionen und vergab wieder mal viele Chancen. „Martin muss sich noch mehr konzentrieren“, sagt Bobic: „er trifft vor dem Tor zurzeit die falschen Entscheidungen.“

Harnik müsse an seiner Konstanz arbeiten, ergänzt Bobic: „Wir werden ihn dabei unterstützen. Schlimm wäre es, wenn er sich keine Chancen erarbeiten würde, er geht die richtigen Wege, ist drin im Spiel, seine Situation hat also sicher nichts mit dem System oder sonst was zu tun.“ Doch Fakt ist: Harnik droht ein Platz auf der Bank – Timo Werner und Sercan Sararer, der zuletzt im Training überzeugte, sitzen ihm im Nacken.

Die Krise der Neuen: Sararer kam bisher kaum zum Zug – ebenso wie Konstantin Rausch und Mohammed Abdellaoue. Die beiden Neuzugänge, die aus Hannover kamen, sind Randfiguren. „Moa weiß, dass von ihm mehr kommen muss“, sagt Fredi Bobic. „ allerdings war er häufig verletzt, etwa zum Ende der Vorbereitung, oder in den vergangenen Tagen.“ Da plagte den Angreifer eine Achillessehnenverletzung – davor machte ihm eine andauernde Formkrise zu schaffen.

Doch Bobic warnt vor einer angeblich zu großen Erwartungshaltung: „Man kann doch von den Neuen nicht immer gleich Wunderdinge erwarten, manche kommen wie Daniel Schwaab leichter rein, andere tun sich schwerer.“ Abdellaoue müsse jetzt dran bleiben im Training: „Es liegt allein an ihm“, sagt Bobic. Bei Hannover 96 zeigte der Angreifer, dass er ein überdurchschnittlicher Stürmer sein kann. Beim VfB steht er in der Bringschuld – ebenso wie Rausch. „Auch er hatte eine schwierige Anfangsphase“, sagt Bobic, „aber man muss den Jungs doch auch mal Zeit geben, um sich zu finden.“

Bei Borussia Mönchengladbach dagegen überzeugten die beiden neuen Offensivkräfte Max Kruse und Raffael auf Anhieb – auch der VfB hatte Kruse „auf dem Zettel“, wie es Fredi Bobic ausdrückt: „Aber er hat sich anders entschieden, das muss man akzeptieren.“ Kruse wechselte für die festgeschriebene Ablöse von 2,5 Millionen Euro vom SC Freiburg an den Niederrhein, weil er sich in der Spielidee der Borussia wiederfand. Zudem hätte er beim VfB Vedad Ibisevic vor der Nase gehabt – dieses Schicksal ereilt nun Abdellaoue, der 3,5 Millionen Euro Ablöse kostete. „Bei den Neuzugängen ging es auch darum, das Leistungsniveau im Kader hochzuhalten“, sagt Bobic. Auch diesen Beweis ist Abdellaoue bisher schuldig geblieben.

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