Dieter Hundt (li.) und Joachim Schmidt Foto: Pressefoto Baumann

Erkennt Dieter Hundt (74), der als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Mitgliedern, Fans und auch intern heftig in der Kritik steht, die Zeichen der Zeit – und räumt er seinen Stuhl vorzeitig? Sein Vize würde einspringen – auch als Präsident.

Stuttgart - Als die hohen Herren ihre Gesprächsrunde im Clubheim des VfB Stuttgart an der Mercedesstraße auflösten, waren sie nicht viel schlauer als viereinhalb Stunden zuvor. Da waren die Mitglieder des Aufsichtsrats und des Vorstands zu ihrer turnusmäßigen Sitzung zusammengekommen. Vorrangige Frage: Würden sich die Gremien auf einen Kandidaten einigen, den sie bei der Mitgliederversammlung am 22. Juli für die Nachfolge des zurückgetretenen Präsidenten Gerd Mäuser vorschlagen können? Zweite, nicht minder wichtige Frage: Erkennt Dieter Hundt (74), der als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Mitgliedern, Fans und auch intern heftig in der Kritik steht, die Zeichen der Zeit – und räumt er seinen Stuhl vorzeitig?

Die Erkenntnisse nach der Marathonsitzung: Dieter Hundt bleibt vorerst im Amt. Und in der Präsidentenfrage bewegt sich der VfB im Schneckentempo voran. Allerdings hat sich Hundts Stellvertreter Joachim Schmidt intern bereits dahingehend geäußert, dass er als Aufsichtsratschef und möglicherweise sogar als Präsident zur Verfügung stehe, sollten alle Stricke reißen.

Präsidentensuche geht in die nächste Runde

So weit ist es noch nicht, obwohl die Zeit drängt. Rund ein Dutzend Bewerber für das höchste Amt beim VfB stellte die Findungskommission am Dienstag den Gremien namentlich vor – allesamt Kandidaten, die einen mehr oder weniger engen Bezug zum VfB und zur Wirtschaft haben und vornehmlich aus der Region stammen. Allerdings tat sich der eine oder andere Aufsichtsrat schwer, die Bewerbungen überhaupt einzuordnen – zu unbekannt war mancher Kandidat. Deshalb geht die Präsidentensuche nun in die nächste Runde. „Es wurden zahlreiche Alternativen geprüft. Darunter waren einige interessante Persönlichkeiten, mit denen in nächster Zeit persönliche Gespräche geführt werden“, verkündete der VfB am Abend in einer Verlautbarung. In den kommenden Tagen soll der Kreis der Anwärter auf zwei, drei Personen reduziert werden, die sich dann persönlich dem Aufsichtsrat und Vorstand vorstellen werden. Danach wollen sich die Gremien auf einen einzigen Bewerber festlegen. „Ein Kandidat wird rechtzeitig zur Mitgliederversammlung vorgeschlagen“, hieß es von Seiten des VfB.

Womöglich hätten sich schon jetzt weitere und dann hochkarätigere Anwärter beworben – wenn diese nicht befürchten müssten, dass die Mitglieder sie am 22. Juli als Kandidaten von Hundts Gnaden abstrafen und durchfallen lassen. Zu groß ist die Abneigung gegen den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, der in dieser Funktion den Kandidaten den Mitgliedern vorschlagen muss. Um die Vorbehalte weiß auch Hundt. Fünf Wochen vor der Mitgliederversammlung liegen bereits zwei Anträge auf seine sofortige Abwahl vor. Dafür wäre eine Dreiviertel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Auch intern ist Hundt ein Rücktritt schon nahegelegt worden mit der Aussicht, ihm einen ehrenvollen Abschied zu gewähren. Darauf ging er aber auch am Dienstag nicht ein. „Der Aufsichtsratsvorsitzende äußerte sich in dieser Sitzung nicht zu seiner persönlichen Situation“, erklärte der VfB. Ungeachtet des Sturms, der rund um Hundt aufgezogen ist, klammert sich der Arbeitgeberpräsident an sein Amt– zumindest so lange, bis ein Präsidentschaftskandidat gefunden ist.

Ob er danach abtritt? Das ist die inständige Hoffnung seiner internen Kritiker. Sicher, dass es so kommen wird, kann aber keiner sein. Dabei steht in Joachim Schmidt eine Alternative parat. Womöglich muss Schmidt aber auch fürs Präsidentenamt antreten – dann, wenn kein anderer Kandidat den Aufsichtsrat und den Vorstand überzeugt.

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