Alle Hände voll zu tun: VfB-Teamarzt Raymond Best (li.) und Physiotherapeut Gerhardt Wörn stützen den verletzten Arthur Boka. Welche VfB-Spieler in dieser Saison verletzt waren und wie lange? Klicken Sie sich durch die Verletztenliste. Foto: dapd

Die Verletzungsmisere beim VfB hält an: Bangen um Harnik, Cacau und Niedermeier.

Stuttgart - 18 VfB-Profis waren in dieser Saison schon mindestens einmal länger als eine Woche verletzt. Vor dem Spiel gegen Benfica Lissabon bangt Bruno Labbadia wieder um drei neue Akteure. In der Hinrunde war auch die mangelnde Fitness ein Grund für die vielen Blessuren.

Dr. Raymond Best hat viel zu tun. Und das seit Beginn dieser Saison. Elf Spieler befinden sich derzeit bei dem VfB-Mannschaftsarzt und seinem Kollegen Heiko Striegel in Behandlung. Für die meisten von ihnen kommt das Europa-Liga-Heimspiel gegen Benfica Lissabon am Donnerstag (21.05 Uhr/Sat 1, Sky) erst gar nicht infrage. Johan Audel, Arthur Boka, Mamadou Bah, Christian Gentner, Philipp Degen und Pawel Pogrebnjak liegen zwar voll im Zeitplan, werden VfB-Trainer Bruno Labbadia aber trotzdem noch eine Weile fehlen. Timo Gebhart dagegen wird am Donnerstag wohl wieder seinen Spezialschuh schnüren, und auch bei Tamas Hajnal (Kapselverletzung) ist Best guter Dinge. Hinter den Einsätzen von Martin Harnik (Knie), Georg Niedermeier (Oberschenkel) und Cacau (Adduktoren) aber stehen dicke Fragezeichen.

"Es gibt für jede Verletzung eine Erklärung"

Best (43) ist seit dem 1. Juli 2006 beim VfB, eine solche Häufung von Verletzungen hat der Mediziner noch nicht erlebt. "Wir sind weit über dem statistischen Mittel", sagt er. Im Schnitt ziehen nur zehn bis maximal 20 Prozent der Verletzungen einen Ausfall von mehr als vier Wochen nach sich. "Wir haben derzeit einen Kreuzbandriss, zwei Innenband- und zwei Außenbandrisse", zählt er auf, "das ist extrem." Normalerweise meldet Best der Berufsgenossenschaft pro Saison rund 100 Verletzungsfälle. Im Januar und Februar 2011 waren es allein 35 - ein Riesenproblem für den Tabellen-17. "Durch die vielen Ausfälle ist unser Kader sehr eng", sagt Bruno Labbadia. Seine Vorgänger, Christian Gross und Jens Keller, hatten dieselben Nöte. Eine eingespielte Mannschaft konnte noch keiner auf den Platz schicken. Nur einmal ging in dieser Saison an zwei aufeinanderfolgenden Spieltagen (11. und 12.) dieselbe Elf aufs Feld.

Doch warum verletzen sich die VfB-Profis gerade in dieser Saison so häufig? "In erster Linie ist es Pech", sagt Best: "Bei den Blessuren, die durch Fremdeinwirkungen entstanden sind, kann keiner was dafür." Etwas anders sieht es bei den zahlreichen Muskelverletzungen aus, die sich vor allem im Oktober und November - vor und nach dem Trainerwechsel von Gross zu Keller - häuften. "Damals wurde der Fitnesszustand der Spieler hinterfragt. Wahrscheinlich nicht zu Unrecht", sagt Best. Hinzu kommt der mentale Druck im Kampf gegen den Abstieg. "Wenn die körperlich schwächste Mannschaft auf Platz eins oder zwei steht, kann sie ungeahnte Kräfte mobilisieren. Da passiert selten etwas", erklärt der Arzt. Anders beim VfB. "Bei uns müssen die Spieler in jeder Partie über ihre Leistungsgrenze hinausgehen", sagt Best. Der Kampf ums sportliche Überleben fordert dem Körper viel ab - irgendwann kapituliert er.

So wie bei Cacau. Der Nationalstürmer hatte nach der Weltmeisterschaft nur zwei Wochen Urlaub und machte danach alle Spiele. Jetzt rächt sich sein Körper mit Adduktorenproblemen. "Es gibt für jede Verletzung eine Erklärung", sagt Best - und hätte nichts dagegen, wenn es in seinen Behandlungsräumen schon bald ein bisschen leerer wird.

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