Schauspielerin Sacheen Littlefeather bei ihrem Oscar-Auftritt von 1973. Foto: imago/ZUMA Wire

Die Oscar-Akademie hat sich bei Schauspielerin Sacheen Littlefeather entschuldigt. Bei der Preisverleihung vor 50 Jahren hatte sie im Namen von Marlon Brando einen Preis abgelehnt. Das kam nicht bei allen im Publikum gut an.

Die Oscar-Akademie hat sich bei US-Schauspielerin und American-Indian-Movement-Aktivistin Sacheen Littlefeather (75) wegen der Oscarverleihung 1973 offiziell entschuldigt. Das teilte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Montag mit. Damals war Littlefeather im Namen von Hollywoodstar Marlon Brando (1924-2004) aufgetreten, um seinen Oscar als bester Schauspieler für seine Rolle in "Der Pate" (1972) abzulehnen.

Mutiger Protest auf der Bühne

Bei dieser Preisverleihung vor fast 50 Jahren verlas Littlefeather eine Botschaft von Brando, in der er auf die Stereotype der amerikanischen Ureinwohner in der Unterhaltungsindustrie sowie auf den Protest von 1973 in Wounded Knee in South Dakota hinwies.

Littlefeather, eine White Mountain Apache, äußerte sich im vergangenen Jahr in einem Dokumentarfilm mit dem Titel "Sacheen: Breaking the Silence" und sagte, Brando sei von ihrem Auftritt begeistert gewesen. Dennoch habe sie sich dann von dem Schauspieler im Stich gelassen gefühlt, als es zu Gegenreaktionen wegen ihres Auftritts kam. In dem Dokumentarfilm behauptete sie, sie sei von Hollywood auf die "schwarze Liste" gesetzt worden und habe nie wieder eine Film- oder Fernsehrolle bekommen.

Die Academy bestätigte nun, dass dieser Moment dazu geführt habe, dass sie "seit 50 Jahren beruflich boykottiert, persönlich angegriffen und belästigt sowie diskriminiert wird".

"Die Beschimpfungen, die Sie aufgrund dieser Erklärung erdulden mussten, waren unberechtigt und ungerechtfertigt. Die emotionale Belastung, die Sie durchlebt haben, und die Kosten für Ihre eigene Karriere in unserer Branche sind irreparabel", heißt es in dem Schreiben. Der Mut, den sie bewiesen habe, sei viel zu lange nicht gewürdigt worden. "Dafür möchten wir uns zutiefst entschuldigen und Ihnen unsere aufrichtige Bewunderung aussprechen."

Sacheen Littlefeather reagiert mit Seitenhieb - und dennoch gerührt

Die vom vormaligen Academy-Präsidenten David Rubin - seit kurzem ist Janet Yang (66) Präsidentin - unterzeichnete "Versöhnungserklärung" wurde bereits im Juni verschickt, aber erst heute veröffentlicht, nachdem das Academy Museum of Motion Pictures seine Pläne für "An Evening with Sacheen Littlefeather" ankündigte. Die Veranstaltung, an der Littlefeather ebenfalls beteiligt ist, findet am 17. September statt.

"Was die Entschuldigung der Academy an mich angeht, so sind wir Indianer sehr geduldig - es sind ja erst 50 Jahre vergangen! Wir müssen immer unseren Sinn für Humor bewahren. Das ist unsere Art zu überleben", sagte Littlefeather in der Akademie-Pressemitteilung. "Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem dieses Programm mit so wunderbaren indigenen Darstellern [...] stattfindet. Das ist ein wahr gewordener Traum. Es ist zutiefst ermutigend zu sehen, wie viel sich verändert hat, seit ich vor 50 Jahren den Academy Award nicht angenommen habe. Ich bin so stolz auf jede einzelne Person, die auf der Bühne erscheinen wird."