Keine dokumentarischen Fotos: Günter Zerweck bevorzugt, alltägliche Dinge fotografisch zu abstrahieren. Foto: factum/Granville

Von Sonntag, 2. April, an ist im Kunstverein eine neue Fotoausstellung zu sehen. Günter Zerwecks Bilder zeigen ganz alltägliche Gegenstände. Sie sind so stark abstrahiert, dass nur noch Formen, Farben und Strukturen bleiben.

Korntal-Münchingen - Die Fotografie zeigt nur einen weißen Hintergrund, davor zwei verschwommene, scheinbar eng verschlungene Gestalten, die über die Bildmitte huschen und über den oberen Rand flüchten wollen. Es sind vermutlich zwei Menschen, aber sie sind so stark abstrahiert, dass sie nur noch zwei verschmolzene Klumpen darstellen.

„Eine sehr lange Belichtungszeit“, sagt Günter Zerweck dazu. Das ist alles, was der Fotograf brauchte, um dieses Foto einzufangen, das fast wie gemalt wirkt. Es ist eine von vielen Fotografien, die Zerweck von Sonntag, 2. April, an in der Korntal-Münchinger Galerie 4/1 ausstellt. Titel der Vernissage: „ziemlich monochrom“. Also irgendwie einfarbig, aber nicht ganz. „Das ‚ziemlich’ ist eine Einschränkung“, sagt Zerweck. „Ich spiele mit Farbtönen, deshalb hat ein Foto nie nur eine Farbe.“

Der Betrachter soll sich mit dem Bild beschäftigen

Zerweck, der sich als Autodidakt bezeichnet, fotografiert überwiegend Details aus seinem Alltag. Es kann eine Treppe, eine Tür, ein Neonstrahler oder die Architektur eines Gebäudes sein, die sein Interesse anzieht. Doch seine Fotografie dokumentiert nicht einfach. Sie abstrahiert das Motiv fast bis zur Unkenntlichkeit. „Viele fragen mich, was genau ich abgelichtet habe, aber ich will eigentlich nicht mehr auf diese Frage antworten“, sagt Zerweck. Der Betrachter solle sich mit dem entstandenen Bild beschäftigen – und nicht mit dem, was es ursprünglich darstellte.

Der 71-Jährige zeigt auf eine seiner düsteren Fotografien, auf dem eine geschlossene Tür nur verschwommen zu sehen ist. Links und rechts von der Tür schimmert gelbes, grelles Licht, vielleicht von der anderen Seite. Bis Zerweck ein Bild als gelungen empfindet, müsse es ihn mindestens sechs Monate lang beschäftigen. Die geschlossene Tür beschäftigt ihn noch heute: „Ich frage mich immer noch, was wohl dahinter ist“, sagt er.

Menschen sieht man auf den Fotografien weniger

Überwiegend seien es Spiegelungen, Linien, Flächen, Räume und Farbspiele, die den Fotografen aus Leonberg beschäftigen. Zudem verwende er lange Belichtungszeiten und arbeite mit Kamerabewegungen.

Menschen sieht man auf Zerwecks Fotografien selten. „Das ist, überspitzt gesagt, nicht so meins“, sagt er schmunzelnd. Einer der wenigen Fotografien, auf der Personen zu sehen sind, ist auf dem Stuttgarter Schlossplatz entstanden. Eineinhalb Jahre habe der Fotograf für dieses Motiv benötigt. Mehrmals in der Woche hat er sich dorthin begeben, immer auf der Lauer nach dem perfekten Lichteinfall. Und als es soweit war, drückte er ab.

Entstanden ist eine Art Collage – ein Foto aus scheinbar mehreren Motiven. Bearbeitet sei das Foto nicht, wie Zerweck versichert. Es sei vielmehr das Ergebnis der Spiegelungen durch den Lichteinfall, auf den er so lange gewartet habe.

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