Die Verkehrsjunioren Frieder Weiler, Philipp Hirschel und Katharina Hermann befragen und sensibilisieren Fahrgäste am Feuerbacher Bahnhof Foto: Susanne Müller-Baji

Die SSB und die Verkehrswacht führen ein Kampagne zur Sicherheit an Stadtbahnübergängen durch. Wer betritt unaufmerksam den Übergang, wer nimmt bewusst ein Risiko in Kauf, um die bereitstehende Stadtbahn doch zu erreichen?

Feuerbach - Es ist eisig kalt am Freitagabend und drei Menschen müssen es noch deutlich länger auf dem zugigen Bahnhofsvorplatz aushalten als die Pendler, die gerade auf dem Heimweg von der Arbeit sind: Philipp Hirschel von den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) hat eine Kampagne zur Sicherheit am Stadtbahnübergang organisiert und führt eine Strichliste: Annähernd 500 Menschen erfasst er dabei stündlich: Wer betritt unaufmerksam den Übergang, wer nimmt bewusst ein Risiko in Kauf, um die bereitstehende Stadtbahn doch zu erreichen? Eine Woche dauern die Erhebungen an wechselnden Stellen im Stadtgebiet, darunter am Freitag in Feuerbach. Sie sollen helfen, künftige Sicherheitskampagnen effektiver zu gestalten.

Sensibilisierung für das sichere Überqueren der Gleise

Zwei der „Junioren“ der Verkehrswacht Stuttgart, Katharina Hermann und Frieder Weiler, führen zusätzlich auf den Bahnsteigen eine Umfrage in Sachen Verkehrssicherheit durch und versuchen, für das sichere Überqueren der Stadtbahngleise zu sensibilisieren. Denn wer einmal eine Zeit lang dem Treiben am Übergang zugesehen hat, merkt schnell: Kaum jemand bleibt stehen, sobald das Springlicht zu blinken beginnt. Kritische Situationen und sogar tödliche Unfälle können die Folge sein.

Ein Motiv der aktuellen Plakatkampagne der SSB tragen die jungen Helfer von der Verkehrswacht auf ihren neongelben Warnwesten. „Halt, Hanna!“ heißt es, während eine Frau – Handy am Ohr – ahnungslos vor die einfahrende Stadtbahn tritt. Doch Katharina Hermann und Frieder Weiler haben bei ihren Umfragen bemerkt, dass Ablenkung durch das Smartphone und ähnliche Geräte kaum eine Rolle bei brenzligen Verkehrssituationen spielen. Weitaus gefährlicher ist der Zeitdruck, noch die Bahn zu kriegen. Wer einfach losrenne, übersehe schnell mal ein herannahendes Fahrzeug. Durch das Umsteigen zwischen Stadt- und S-Bahn sei dieses Verhalten in Feuerbach deutlich häufiger zu beobachten als an reinen Stadtbahnhaltestellen.

Spaß am Ehrenamt

Als „Junioren“ der Verkehrswacht sind die jungen Leute ehrenamtlich unterwegs, wenn es um Fragen der Verkehrssicherheit geht: Abends in der Disco Gleichaltrige vor Alkohol am Steuer warnen, ABC-Schützen für den Straßenverkehr fit machen und eben für Sicherheit am Stadtbahn-Übergang sorgen. „Wir kommen zum Einsatz, wenn es besser ist, mit den Leuten auf Augenhöhe zu sprechen“, erzählt Katharina Hermann. Ihr Ehrenamt mache ihr Spaß, weil es Sinn mache, sagt sie noch und geht wieder Fahrgäste befragen. Nein, keine Lust, winken zwei Erwachsene ab. Ein Jugendlicher dagegen macht mit – und weiß vorbildlich Bescheid. Von ihm kann man lernen, wie es richtig geht: Am Bahnübergang nach links und rechts schauen, ob auch wirklich kein Fahrzeug heranfährt. Wenn das Springlicht blinkt, stehen bleiben und warten.

Hand aufs Herz: Würden Philipp Hirschel, Katharina Hermann oder Frieder Weiler nicht doch mal lossprinten, um ihren Anschluss doch noch zu kriegen? Nein, versichern alle drei: „Das lohnt sich auch gar nicht“, weiß Weiler: Das Springlicht werde normalerweise vom Fahrer erst angefordert, wenn er bereits die Türen schließt. Außerdem: „Ich würde nie zur Stadtbahn rennen: In zehn Minuten kommt ja sowieso die nächste!“

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