Nachts ist oft eher wenig los in der Bahnhofstraße. Doch immer mal wieder brausen rücksichtslose Fahrer mit bis zu Tempo 90 über den Asphalt. Foto: Dirk Herrmann

Anwohner werden von lauten Autos aus dem Schlaf gerissen, die Polizei kann gegen den Lärm kaum etwas machen.

Fellbach - Vor- und Nachteile hat es, das Wohnen in der Stadt. Einerseits ist man mitten im Geschehen, muss im Idealfall zum Einkaufen nur wenige Meter zu Fuß zurücklegen. Andererseits: Der Verkehr bewegt sich vor allem in Durchfahrtstraßen zeitweise an der Grenze des Zumutbaren. Wenn dann allerdings noch bald jede Nacht unerträgliche Knallgeräusche vor der Haustür dazu kommen, dann ist bei vielen Anwohnern das Maß voll – wie derzeit in der Fellbacher Bahnhofstraße.

Das Thema Lärm ist in der Bahnhofstraße nicht neu

Das Thema ist zwar nicht gerade neu, wie der Fahrlehrer Wolf Kuhnle aus Erfahrung weiß. Schon vor etlichen Jahren, als er noch als beratendes Mitglied im Verkehrsausschuss des Gemeinderats saß, habe er diese Missstände immer mal wieder angesprochen, sagt er auf Nachfrage. In der jüngsten Ausschusssitzung nun war es CDU-Stadtrat und Goldschmied Erich Theile, der selbst in der Bahnhofstraße wohnt und die Lärmbelästigung beklagte. Er sprach von „Rowdys, die auf Show aus sind“, und von „Knalleffekten in der manipulierten Auspuffanlage, als ob ein Feuerwerk gezündet würde“. Diese Lärmbelästigung sei „abartig und eigentlich nicht mehr tragbar“.

Unterstützung erfuhr Theile in der Sitzung durch Uli Kuhnle. Er hat die Fahrschule von seinem Vater Wolf übernommen, sitzt nun auch als Nachfolger im Verkehrsausschuss und hat seine Wohnung in der südlichen Bahnhofstraße. Er berichtete von ein paar Fahrern, die dermaßen über die Stränge schlagen, „einer knallt richtig“. Die hätten sogar einen Rundkurs als „inoffizielle Rennstrecke“ auserkoren. Auch seine Nachbarn hätten ihn aufgefordert, diesen nicht tolerierbaren Zustand vorzubringen. „Denn die fahren wie die Irren.“

Die Straße erinnere nachts zum Teil an eine Rennstrecke

Ähnliche Erfahrungen hat Seniorchef Wolf Kuhnle gemacht. „Das ist immer die gleiche Klientel“, sagt er, „ich nenn’ sie so Türsteher-Typen“. Denen mache es Spaß, sich auf diese Weise auszuleben. Die typische Strecke sei vom Bahnhof bis zur Lutherkirche und wieder zurück. Einige seien mit dicken, schwarzen Autos unterwegs, mit „Vier- oder Fünf-Liter-Motoren, gepimpt mit einem entsprechenden Sound und einer Mordsauspuffanlage“. Wenn der imaginäre Startschuss falle, „ist das so, wie wenn die Gitter beim Pferderennen hoch gehen“. Also: Raus und ab geht die Luzie!

Die Folge: „Tempo 50 ist da gar nix“, sagt Wolf Kuhne. Vielmehr sei es so: „Wenn die Ampel am Stuttgarter Platz Grün zeigt, haben die dann am Sebastian-Bach-Platz ein paar Hundert Meter weiter 80 bis 90 Stundenkilometer drauf“. Doch dieses Vollgas sei natürlich „nicht nur laut, sondern auch brandgefährlich, da darf keiner am Zebrastreifen stehen“.

Dem Polizeirevier ist das Problem bekannt

Der Stadt wie dem hiesigen Polizeirevier ist das Problem durchaus bekannt, wie sich im Verkehrsausschuss zeigte. Allerdings fehlen offenkundig die Lösungsansätze. „Wir beobachten die Entwicklung, das geht uns auch auf den Wecker“, erklärte Revierleiter Klaus Auer, der ansonsten für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt, diesmal als Experte aber auf der Verwaltungsbank Platz genommen hatte. Die Besitzer hätten diese Fahrzeuge „ab Werk so gekauft“, so Auer, da könne die Auspuffanlage per umgelegten Hebel nach Wunsch eingestellt werden, „das ist vom Tüv abgenommen“. Allerdings forderte er die Bürger auf, bei gravierenden Fällen die Kennzeichen zu notieren und an die Polizei zu melden. Dann werde geprüft beziehungsweise ans Waiblinger Landratsamt als zuständige Behörde weitergeleitet. Allerdings, so Auer: „Nicht bei allen kommt was raus, das ist leider so. Wenn die so zugelassen sind, ist auch für uns Ende Gelände.“

Theile wie auch Kuhnle senior fordern im Übrigen mehr Tempokontrollen durch die Fellbacher Überwachunsgsbeamten. Auch das bringt nach Ansicht der Rathaus-Experten keine Linderung. „Wir hatten erst vor drei Wochen eine Nachtmessung“, erläuterte Ordnungsamtsleiter Werner Rögele dem Gremium, „einer wurde auch geblitzt“. Das war’s dann, „das spricht sich durch die sozialen Netzwerke innerhalb kürzester Zeit rum“, dann werde ruckzuck anständig gefahren. Rögeles ernüchternde Erkenntnis: „Wir kriegen die nicht.“

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