Die B 27 soll zwischen den Anschlussstellen Aichtal und Echterdingen-Nord erweitert werden. Foto: Archiv/Thomas Krämer

Eine überraschende Wortmeldung: Christoph Traub, der Oberbürgermeister von Filderstadt, hinterfragt, ob der Ausbau der Schnellstraße mit den Zielen von Verkehrswende und Nachhaltigkeitsanspruch überhaupt vereinbar ist.

Filderstadt - Angesichts der Diskussionen um den Ausbau der B 27 meldet sich nun Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub zu Wort. „Ich tue mich schwer mit dem Gedanken, dass heute eine Straße geplant wird, die 2030 fertig sein soll“, sagt Traub, „während gleichzeitig das politische Ziel der Verkehrswende verfolgt wird, den Individualverkehr im gleichen Zeitraum um 50 Prozent zu reduzieren“. Ein kleiner Paukenschlag.

Der Widerspruch müsse zuerst geklärt werden, bevor weitere Planungsschritte erfolgen können, findet Traub. „Die Lösung kann doch nicht in einem weiteren Bau von Straßen liegen. Hier müssen intelligentere Verkehrsleitideen her.“ Er zieht für seine Überlegungen dazu nicht nur die Ergebnisse aktueller Verkehrsstudien heran, sondern auch das Thema Nachhaltigkeit und die Perspektive für Filderstadt und seine Bürger.

Was hat Traub zum Neudenken angeregt?

Die Diskrepanz sei Traub nicht erst bei der jüngsten Informationsveranstaltung zum Ausbau aufgefallen, berichtet er. Auch Gespräche mit dem Büro, das den Mobilitätsentwicklungsprozess in Filderstadt begleitet, hätten ihm zum Umdenken angeregt, berichtet er.

„Wir bauen damit eine im Ergebnis ja achtstreifige Straße, wenn die diskutierte Seitenstreifenfreigabe umgesetzt wird, die so lediglich drei Stunden am Tag beansprucht wird“, sagt Christoph Traub. „Pendler gewinnen in dieser Zeitspanne rund zwölf Minuten. Das ist völlig konträr zu einer nachhaltigen Stadt, einer sinnvollen Beziehung dieser autobahnähnlichen Straße zu unserer Stadtentwicklung sowie zur Förderung des ÖPNV und kann für Filderstadt nicht uneingeschränkt zielführend sein.“

Der Oberbürgermeister möchte den Ausbau zunächst im Gemeinderat erneut thematisieren. „Wir müssen überlegen und den Ausbau auch mit unserem Nachhaltigkeitsleitbild abgleichen“, sagt Traub. Es könne auch anders funktionieren: Andere Städte, etwa Rotterdam, haben andere Lösungen gefunden. Dort gebe es Großparkplätze um die Stadt herum, damit Pendler auf andere Verkehrsmittel umsteigen können. „Man kann das auch anders denken“, sagt Traub.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: