Stau auf der B 27 – inzwischen vergeht schier kein Tag mehr, an dem der Verkehr auf der Bundesstraße nicht stockt. Foto: Archiv Thomas Krämer

Die Verbreiterung der Bundesstraße auf den Fildern ist beschlossen. Nun regt sich aufgrund des drohenden Klimawandels Kritik daran. Manche Kommunalpolitiker wollen das Projekt komplett stoppen, andere wollen es zumindest anpassen.

Filderstadt - Bisher gab es einen Konsens in Sachen B-27-Ausbau. Alle Fraktionen im Filderstädter Gemeinderat waren dafür, dass die Schnellstraße zwischen dem Echterdinger Ei und der Abzweigung der B 312 bei Aich auf sechs Spuren erweitert wird. Nun sind die Freien Wähler (FW) ausgeschert. Der Widerstand gegen die Straßenverbreiterung nimmt damit zu. Die Grünen in Leinfelden-Echterdingen sind damit nicht mehr die einzige Fraktion auf den Fildern, die das Projekt ablehnt. Erneut sind es ökologische Gesichtspunkte, die dabei den Ausschlag geben.

Zur Nachhaltigkeit gehöre ein Umdenken

Wie schon bei der Ausweisung neuer Baugebiete geht es den Freien Wählern um den Schutz der Ackerflächen. Im Zuge des Klimawandels sei auch der Widerstand seiner Fraktion gegen den Flächennutzungsplan gewachsen, sagt der FW-Fraktionsvorsitzende Stefan Hermann und fügt hinzu: „Zur Nachhaltigkeit gehört auch das Umdenken.“

Hermann hatte den Umschwung seiner Fraktion in der Haushaltsrede verkündet. „Wir haben bewusst keinen Antrag gestellt“, sagt er. Man werde die Einwände gegen das Projekt im Planfeststellungsverfahren, das Ende 2023 beginnen soll, vorbringen. Damit hat auch Oberbürgermeister Christoph Traub gerechnet. Deshalb sieht er zunächst keinen Anlass, auf die Ankündigung zu reagieren.

Manche können sich Veränderungen am Projekt vorstellen

Er zeigt aber Verständnis für die Gedanken der Freien Wühler bezüglich des Ausbaus der Bundesstraße. „Ich habe schließlich auch mal einen kreativen Vorschlag gemacht“, sagt er und meint damit die Idee, Bernhausen zu untertunneln. Die Stadt habe zwar immer den Ausbau gefordert. Ein langer Planungsprozess bringe es jedoch auch mit sich, dass Projekte hinterfragt werden.

Die Stadt werde ihre Bedenken ebenfalls bei der Planfeststellung äußern. „Damit wird sich der Gemeinderat beschäftigen“, sagt Traub. Außer den Freien Wählern will bisher aber keine Fraktion den Ausbau verhindern. Eine Kurzumfrage bei den Fraktionsvorsitzenden hat ergeben, dass sie sich Anpassungen vorstellen können. Walter Bauer (SPD) und Catherine Kalarrytou (Grüne) setzen sich dafür ein, die neuen, zusätzlichen Fahrspuren für Busse zu reservieren.

Die Grünen-Fraktionschefin könnte sich – wie übrigens auch Stefan Hermann – vorstellen, dass nur die jetzigen Standspuren zu Fahrbahnen umgebaut werden. Auch ein Ausbau der Bundesstraße auf lediglich fünf Spuren ist für Kalarrytou und Ulrich Steck (CDU) denkbar.

Und was sagt das Regierungspräsidium Stuttgart dazu?

Solchen Ideen erteilt das Regierungspräsidium (RP) jedoch schon jetzt eine Abfuhr. „Der Ausbau sowie die Ausbauform sind gesetzlich verankert und zwingend zu beachten“, heißt es in der Stellungnahme des RP zu solchen Anregungen. Eine Nutzung des derzeitigen „an den Brücken und Tunneln nicht durchgängigen Nothaltestreifens“ sei nicht möglich. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit käme auch ein fünfstreifiger Ausbau mit wechselseitiger Nutzung eines Fahrstreifens nicht in Frage“, teilt das RP mit.

Offen bleibt, ob auch der Vorschlag von Dennis Birnstock (FDP), den Ausbau sukzessive vom Echterdinger Ei her umzusetzen, vom RP verworfen wird. Birnstock ist wie auch andere Fraktionschefs der Meinung, dass das Nadelöhr und damit die Ursache für die morgendlichen Staus der Tunnel sei. Deshalb solle man von dort aus die Straße verbreitern. „Dann kann man sehen, wie weit ein Ausbau erfolgen muss“, sagt er.

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