Der 15 Wochen alte Pepper horcht aufmerksam den Befehlen seines Frauchens. Foto: lem

Seit 1924 gibt es den Verein der Hundefreunde Weilimdorf. Die Vierbeiner lernen Gehorsam und den Umgang mit Menschen und Artgenossen.

Weilimdorf - Gelernt wird fürs Leben, und nicht für den Hundesportplatz. „Befehle wie ‚Sitz’ und ‚Platz’ sollen nicht nur auf dem Übungsplatz funktionieren, sondern beim täglichen Spaziergang“, erklärt Kurt Nagl, der Vorsitzende des Vereins der Hundefreunde (VDH) am Fasanengarten.

Deshalb heißt es: üben, üben, üben. Und zwar ein ganzes Hundeleben lang. „Bei uns kriegen die Hundehalter Tipps, aber dann müssen sie Zuhause weiterüben. Das ist vielen nicht bewusst“, sagt Nagl. Wenn Hunde schlecht gehorchten, sei oftmals nicht das Tier Schuld, sondern das Herrchen und dessen mangelnde Motivation, zu trainieren. Nagl würde sich daher wünschen, dass jeder Hundehalter mindestens ein Jahr lang in einem Verein das Grundhandwerk der Hundeerziehung erlernen würde. Und das bereits möglichst früh: „Früher hieß es, dass Hunde nicht vor einem Jahr auf den Übungsplatz sollten. Heute sieht man das anders“, sagt der Vereinsvorsitzende. Ab dem Alter von zehn Wochen sind die Vierbeiner in der Welpenschule willkommen. Schließlich sei es schwerer, Kläffen, Hochspringen oder Abhauen später wieder abzutrainieren als dieses Verhalten von vornherein zu unterbinden.

Befehle spielerisch lernen

Die Welpenschule ist von den Anforderungen her in etwa mit einem Kindergarten gleichzusetzen, erklärt der VDH-Hundetrainer Gerhard Wagner. Auf spielerische Weise werden Befehle eingeübt, die Welpen werden an laute Geräusche oder wackeligen Untergrund gewöhnt, sie müssen durch einen Tunnel oder über eine Wippe laufen. „Entscheidend ist aber die Sozialisierung mit anderen Hunden und Menschen“, betont Wagner. Das Zusammentreffen mit Artgenossen sei wichtig, damit die Signale anderer Rassen verstanden würden. „Ein Boxer fletscht die Zähne ganz anders, ein langhaariger Hund stellt die Nackenhaare, ein kurzhaariger nicht. Diese unterschiedlichen Signale müssen gelernt werden“, ergänzt Nagl.

Ab dem Alter von sechs Monaten können die Tiere die Junghundegruppe besuchen. Dort liegt der Schwerpunkt auf der Beziehung zwischen dem Hund und seinem Halter. Diese muss gefestigt sein, damit der Vierbeiner dem Besitzer nicht auf der Nase herumtanzt. „Das Herrchen soll eine natürliche Autorität haben und vom Hund quasi als Rudelführer anerkannt werden“, sagt Nagl. Dabei gehe es nicht um die Machtbefriedigung des Hundehalters. Vielmehr seien Hunde unzufrieden, wenn sie keine Rangordnung erkennen könnten. Leckerli, eine freundliche Stimme oder eine Streicheleinheit sollen dem Tier zeigen, dass etwas richtig gemacht wurde. Die schwäbische Einstellung „Ned g’schompfa isch g’nug g’lobt“ frustriert nämlich nicht nur Menschen.

Keine Angst vor Joggern und Radfahrern

Die Basisgruppe ist für Hunde, die älter als ein Jahr sind. Dabei wird das spielerisch Erlernte nun verfestigt. Außerdem werden die Hunde auf die sogenannte Begleithundeprüfung vorbereitet. Diese wird von einem Leistungsrichter des südwestdeutschen Hundesportverbands (SWHV) abgenommen. Bei Bestehen gibt es eine Urkunde für den Besitzer und einen Stempel im Hundepass. Eine Reduzierung der Hundesteuer, wie in manchen Gemeinden üblich, gibt es in Stuttgart allerdings nicht. „Ziel der Prüfung ist es, dass Hunde Alltagssituationen ohne Probleme meistern, zum Beispiel zusammen mit dem Herrchen Straßenbahnfahren, einkaufen oder spazieren gehen“, sagt Wagner. Auch das Aufeinandertreffen mit Joggern oder Radfahrern wird getestet.

Auch für ältere Tiere gibt es einen Kurs: die Einsteigergruppe. „Dorthin kann man auch kommen, wenn der Hund bereits zwei Jahre alt ist und es nicht richtig funktioniert“, sagt Nagl. Und auch für jene, die nach einer Beschäftigungsmöglichkeit mit ihrem Haustier suchen, gibt es spezielle Kurse. Zum Beispiel beim Turnier­­hundesport wird nicht nur der Hund sportlich gefordert, sondern auch der Besitzer. Vierkampf gehört dazu oder ein 5000-Meter-Lauf. Ein anderer Kurs richtet sich an jene, die nicht mehr so gut zu Fuß sind – sowohl Senioren als auch in die Jahre gekommene Vierbeiner. Seit die Winterpause vorbei ist, finden alle Kurse wieder regulär statt. Die Übungszeiten der Welpenschule sind mittwochs um 18 Uhr, samstags um 14 Uhr und sonntags um 10 Uhr.

Verein der Hundefreunde Weilimdorf

Anschrift: Gerlinger Straße 49, 70499 Stuttgart

Telefon: 8 62 05 91

Mail: info@hundeverein-weilimdorf.de

Homepage: www.hundeverein-weilimdorf.de

Vorsitzender: Kurt Nagl

Gründungsjahr: 1924

Mitgliederzahl: 240

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