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Ein Drittel der Wohnungen in Baden-Württemberg werden mit Öl geheizt – mehr als in anderen Bundesländern. Die Bundesregierung will diese Heizungen ab 2026 verbieten.

Stuttgart - Baden-Württemberg ist bei der Umstellung auf emissionsarme Heizungen, die mit dem Klimapaket der Bundesregierung angepackt wird, mit am meisten zu tun. Laut einer aktuellen bundesweiten Vergleichsstudie des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es im Südwesten besonders viele klimaschädliche Ölheizungen. Jede dritte der 5,1 Millionen Wohnungen im Land und 40,7 Prozent der 2,4 Millionen Wohngebäude werden mit Öl beheizt. Im Bundesdurchschnitt liegen die Werte mit 25 beziehungsweise 29 Prozent bereits deutlich niedriger.

Beim Heizen ist der Fortschritt bisher eine Schnecke

Ähnlich hohe Anteile wie in Baden-Württemberg erreicht Erdöl als Heizenergielieferant nur in Bayern, Hessen und im Saarland. Damit wird der Süden der Republik zwangsläufig zu einem Dreh- und Angelpunkt für die Klimawende beim Heizen. Um 66 bis 67 Prozent will die Bundesregierung die CO2-Emissionen im Gebäudesektor bis zum Jahr 2030 reduzieren.

Der Grund: Laut der Leitstudie der Deutschen Energieagentur (Dena) entfallen rund 28 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland auf Heizung und Warmwasser. Weil die meisten der 18,9 Millionen Wohngebäude und 40,6 Millionen Wohnungen in der Bundesrepublik lange vor 1977 gebaut wurden, als die erste Energiesparverordnung für Gebäude in Kraft trat, gibt es hier besonders viel Handlungsbedarf zur Senkung der klimaschädlichen Emissionen.

Bisher ist der Fortschritt eine Schnecke. Nach Angaben der Dena ist der Endenergieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser in Wohngebäuden zwischen 2002 und 2010 republikweit zwar um rund zwanzig Prozent gesunken. Bis 2016 wurde aber nur noch eine Reduzierung um drei Prozent erreicht. Die Steigerung der Sanierungsquote im Gebäudebestand auf mindestens zwei Prozent jährlich gilt deshalb seit langem als Schlüssel zum erfolgreichen Klimaschutz im Gebäudesektor.

Ölheizungen dürfen nur noch dreißig Jahre lang laufen

Dabei geht es nicht nur um Heizungsanlagen, sondern auch um die Dämmung von Fassaden, Dächern und Kellerdecken sowie neue Fenster, die laut den Plänen der Bundesregierung steuerlich gefördert werden sollen. Von 2026 wird nach dem Willen der großen Koalition der Einbau neuer Ölheizungen verboten. Ausnahmen soll es nur noch geben, wenn die Immobilie weder mit Gas, Fernwärme oder erneuerbaren Energien beheizt werden kann. Außerdem hat die Bundesregierung sich darauf festgelegt, dass Gas- oder Ölheizkessel grundsätzlich nur noch dreißig Jahre lang betrieben werden dürfen.

Aber auch wenn es dabei viele Ausnahmen gibt, ist das für baden-württembergische Haus- und Wohnungsbesitzer von besonderer Bedeutung: Denn im Südwesten sind die Heizungsanlagen älter als im Bundesdurchschnitt. 28,4 Prozent der Wohnungen im Südwesten sind 25 Jahre und länger in Betrieb; Bundesweit liegt der Anteil knapp unter einem Viertel. Für Heizkessel, die vor 1991 eingebaut wurden, soll laut der bereits geltenden Energieeinsparverordnung und dem in der vorigen Woche von der Bundesregierung beschlossenen Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz, zum Teil schon 2021 Schluss sein.

Ausgenommen sollen Ein- und Mehrfamilienhäuser mit bis zu drei Wohneinheiten bleiben, in denen der Besitzer seit längerem selbst wohnt. Bei größeren Mehrfamilienhäusern mit alten Heizanlagen kann der Kesselaustausch deshalb ziemlich schnell dringend werden. Laut Klimaschutzpaket will die Bundesregierung den Austausch von Heizanlagen mit Zuschüssen von bis zu vierzig Prozent der Austauschkosten fördern.

Wärmewende beschleunigen

Wegen des hohen Anteils an klimaschädlichen Ölheizungen begrüßt das Stuttgarter Umweltministerium die Förderung zum Umstieg auf effiziente Heizsysteme ebenso wie das Verbot von Ölheizungen in Neubauten. „Beides hilft, die dringend nötige Wärmewende anzureizen und zu beschleunigen“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Er verweist zudem darauf, dass die Baden-Württemberger nicht nur bei den schmutzigen Ölheizungen vorne liegen, sondern auch bei den klimafreundlichen Pellet- und Solarthermieanlagen zusammen mit Bayern an der Spitze liegt. Mit Pelletanlagen sind laut der BDEW-Studie im Land 5,4 Prozent der Wohnungen ausgerüstet, im Bund sind es 2,8 Prozent.

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